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Das alte Edeka-Zentrallager ist ein Teil des Areals an der Grube, über das seit Jahren diskutiert wird.

Diskussion vor der Entscheidung  

Ringen um die Zukunft des Edeka-Areals

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Einzelhändler der Penzberger Innenstadt warnen den Stadtrat davor, auf dem Edeka-Areal an der Grube große Textil- und Schuhfachmärkte zuzulassen. Sie befürchten ein Geschäfte-Sterben. In zwei Wochen soll der Stadtrat über die Bauanträge entscheiden.

Penzberg – Die Innenstadt-Geschäfte, die ohnehin unter der Internet-Konkurrenz leiden, befürchten, dass auf dem Edeka-Areal quasi ein zweites Zentrum wächst, das Kunden aus der Innenstadt abzieht. Im Fokus steht dabei die vom Edeka-Projektentwickler Dr. Herbert Küblböck geplante Ansiedlung von Textil- und Schuhmärkten. Noch vergrößert werden die Sorgen dadurch, dass es sich dabei um ortsansässige Geschäfte handeln soll: Wenn diese umziehen, könnte ein Nachfolger auf deren aktuellen Ladenflächen im Gewerbegebiet im Thal ebenfalls Schuhe und Kleidung verkaufen – und so das Problem für die Innenstadt verschärfen.

Darüber sprachen am Montag Einzelhändler, Stadtratsmitglieder und Christian Hörmann von der Beratungsgesellschaft CIMA, der die Verträglichkeit der Pläne untersucht hat. Diskutiert wurde dabei auch über die Sortimentsliste: Sie schränkt den Verkauf bestimmter innenstadtrelevanter Waren auf dem Edeka-Areal ein.

Dieter Conrad, Seniorchef von Sport Conrad, sagte, dass man von der Sortimentsliste offenbar nichts mehr wissen wolle. Wenn es so komme wie geplant, werde dies die Einzelhandel-Landschaft in der Innenstadt wesentlich verändern. „Dann haben wir nur noch Banken, Optiker und Apotheker“, sagte er. Die Einkaufstadt werde zur „Straßendurchgangsstadt“. Rainer Lampka vom gleichnamigen Bekleidungsgeschäft fragte, was mit den Leerständen passiert, wenn Vögele, Deichmann und Lidl auf das Edeka-Areal ziehen. Brauche Penzberg dann 10 000 Einwohner mehr, um den nötigen Umsatz für alle zu erreichen? Dieter Conrad zeigte sich sicher, dass im Fall von Deichmann sofort andere Schuhmarkt-Betreiber auf der Matte stehen. Peter Wiedemann von der gleichnamigen Parfümerie warnte davor, den Weg wie Schongau-West zu gehen. Dort sei vor 20 Jahren der Fehler gemacht worden, Sortimente wegziehen zu lassen. „Die Stadt ist tot, bitte überlegen Sie sich das, verhindern Sie einen Brandherd“, appellierte er an den Stadtrat.

Offene Türen rannte er bei Dr. Kerstin Engel (Grüne) ein. Man habe bei der Sortimentsliste Ausnahmen zugelassen, weil man glaubte, ein Zugpferd nach Penzberg zu holen, zum Beispiel „H&M“. „Das wird aber nicht passieren“, so Engel. Deshalb sollte die Sortimentsliste angepasst und großflächige Textil- und Schuhmärkte nicht zugelassen werden, sagte sie.

Allerdings befindet sich der Stadtrat in einer Zwickmühle. Im April war er davor zurückgeschreckt, die Flächen für das Fachmarkt-Zentrum und einen Discounter aus dem Bebauungsplan herauszunehmen und im Schnellverfahren über Bauanträge zu genehmigen. Bauchschmerzen hatten die Stadträte, weil die Sortimentsliste so ihre Wirkung verloren hätte. Projektentwickler Dr. Herbert Küblböck baute dem Stadtrat damals eine goldene Brücke und zog die Bauanträge zurück. Der Stadtrat darf allerdings Bauanträge nicht länger als zwei Monate vor sich her schieben. Sonst entscheidet das Landratsamt. Deshalb liegen sie am 24. Juli wieder vor. Aus baulicher Sicht ist eine Ablehnung kaum möglich.

Christian Hörmann erklärte am Montag, dass der ursprüngliche Weg über den Bebauungsplan von einer neuen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs („Agglomerationsverbot“) versperrt wird. Auf diesem Weg sei nicht einmal der Edeka-Center genehmigungsfähig. Hörmann skizzierte einen anderen Weg: Er wird seine jüngste Verträglichkeitsuntersuchung in städtebauliche Verträge einarbeiten, die die Stadt mit dem Projektentwickler schließt. Danach, also am 24. Juli, könnte der Stadtrat den Bauanträgen zustimmen. Einschränkungen für die Altflächen von Vögele, Deichmann und Lidl müsste es gegebenenfalls über Grundbuch, Bebauungsplan oder andere Konstrukte geben. Druck machte Bürgermeisterin Elke Zehetner: Alle wünschten sich eine blühende Innenstadt, es dürfe aber keine Verhinderungspolitik betrieben werden, sagte sie.

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