Einsatzstoffe für den Roche-Antikörpertest.
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Einsatzstoffe für den Roche-Antikörpertest.

Deutschland-Bilanz des Biotech-Unternehmens

Roche investiert in der Corona-Pandemie - und erhält Sonderzulassung für Selbsttest

  • vonWolfgang Schörner
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Roche hat innerhalb eines Jahres in Deutschland zehn verschiedene Corona-Tests eingeführt. Für einen Teil davon kommen die Einsatzstoffe aus dem Penzberger Werk. Das Unternehmen will in Kürze auch einen Selbsttest anbieten. Gearbeitet wird in den Labors ebenso an Medikamenten gegen Covid-19.

Penzberg – Roche in Deutschland mit seinen drei großen Standorten in Mannheim, Penzberg und Grenzach-Whylen hat am Montag in einer Online-Medienkonferenz Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr gezogen. Im Fokus stand dabei die Corona-Pandemie. Das Unternehmen teilte mit, dass es innerhalb eines Jahres aktuell zehn Tests in Deutschland zum Nachweis von Sars-CoV-2 eingeführt habe, darunter Antikörper-, PCR- und Antigen-Schnelltests sowie einen Antigen-Labortest und blutbasierte Labortests. Außerdem hieß es, dass die Pharmasparte zugelassene Medikamente in klinischen Studien auf ihre Eignung gegen Covid-19 erprobe und zum Beispiel in einer Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Regeneron neue Medikamente entwickle, um schwere Verläufe zu vermeiden.

Penzberger Roche-Werk stellt Einsatzstoffe für Corona-Tests her

Einen Beitrag beim Kampf gegen Corona liefert auch das Penzberger Roche-Werk. Claus Haberda, Geschäftsführer der Roche Diagnostics GmbH, erklärte auf Nachfrage, dass in Penzberg Einsatzstoffe für PCR-Tests weltweit hergestellt und auch an Mitbewerber geliefert würden. Außerdem produziere das Penzberger Werk Antikörper für die Antikörpertests sowie Einsatzstoffe für die Labor-Antigentests, nicht aber für die Corona-Schnelltests, darunter ein neuer Test für die Eigenanwendung.

Roche hat 2020 fast eine halbe Milliarde Euro in Deutschland investiert

Nach Angaben des Unternehmens hat Roche im vergangenen Jahr 490 Millionen Euro in seine deutschen Standorte investiert, unter anderem in Infrastruktur und Produktionsanlagen. Davon entfielen 190 Millionen Euro auf Penzberg. Im Zeitraum von 2016 bis 2020 wurden 1,2 Milliarden Euro ins Penzberger Werk investiert. Die Mitarbeiterzahl stieg im vergangenen Jahr, wie berichtet, um 400 auf 6800. Insgesamt hat Roche in Deutschland 17 200 Mitarbeiter. Wobei derzeit viele in Heimarbeit sind. Laut Unternehmen befinden sich im Penzberger Werk täglich zwischen 2400 bis 2700 Mitarbeiter. Sie würden die Versorgung von Patienten mit Medikamenten und diagnostischen Tests gewährleisten und müssten für die Forschung und Entwicklung in der Pharma- und Diagnostik-Sparte vor Ort sein. Der Rest arbeite von zu Hause aus. In den deutschen Standorten habe man ein „unterdurchschnittliches Infektionsgeschehen“, hieß es.

Das jüngste Penzberger Wachstum ist laut Geschäftsführer Haberda aber nicht allein auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. 150 der 400 Mitarbeiter wurden demnach für die Produktion des Wirkstoffs Atezolizumab für das Medikament Tecentriq eingestellt, das unter anderem für die Behandlung von metastasierendem Lungenkrebs und von Blasenkrebs zugelassen ist. Für die Produktion hat Roche Penzberg neben Basel als zweiter Standort die Zulassung erhalten.

Roche: Wachstum des Penzberger Standorts geht weiter

Wachsen werde der Penzberger Standort auch 2021, teilte Haberda mit. Die Produktionskapazitäten werden ihm zufolge sowohl für Reagenzien und Einsatzstoffe für Corona-Tests ausgebaut, als auch für diagnostische Tests in anderen Bereichen. Neu entstehen soll ebenso ein Diagnostik-Forschungsgebäude, in dem Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten für diagnostische Tests gebündelt werden. Haberda sprach auch davon, dass in dem seit 49 Jahren bestehenden Werk ältere Gebäude erneuert werden.

Roche erhält Sonderzulassung für Corona-Selbsttest

Roche gab am Montag zudem bekannt, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine Sonderzulassung für einen Corona-Selbsttest erlassen hat. Diesen Antigen-Schnelltest können Laien mittels Nasenabstrich daheim selbst anwenden. Das Ergebnis soll laut Roche nach 15 Minuten vorliegen. Der Test werde in Apotheken erhältlich und nicht verschreibungspflichtig sein. Die ersten Lieferungen seien für diese Woche geplant. Christian Paetzke, Geschäftsführer von Roche Diagnostics Deutschland, erklärte dazu, dass pro Monat eine Stückzahl im zweistelligen Millionenbereich für Deutschland möglich sei. Er empfahl zugleich, ein positives Selbsttest-Ergebnis mit einem PCR-Test zu verifizieren. Nach Angaben von Roche hat der Selbsttest einer Studie zufolge eine relative Sensivität von 91,2 Prozent für Proben mit hoher Viruslast.

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