Thorsten Böhme leitet die medizinischen Dienste.
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Thorsten Böhme leitet die medizinischen Dienste.

Impfkampagne

Roche wäre startklar fürs Impfen

  • vonWolfgang Schörner
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Das Penzberger Roche-Werk will seine Belegschaft selbst gegen das Coronavirus impfen. Das Werk hat sich für ein bayernweites Betriebsarzt-Modellprojekt der Staatsregierung beworben. Das Unternehmen könnte danach auch den Familienangehörigen der Mitarbeiter sowie der Bevölkerung Impfungen anbieten.

Penzberg – Momentan wird in den Impfzentren gegen das Coronavirus geimpft. Auch Hausärzte sind mittlerweile an Bord. Die Betriebsärzte dürfen allerdings noch nicht die Belegschaft in ihren jeweiligen Unternehmen impfen. Dafür fehlen die gesetzlichen Voraussetzungen. Auch die Impf-Priorisierung müsste dafür erst angepasst werden. Schließlich sind die wenigsten Mitarbeiter in Unternehmen älter als 70 oder 80 Jahre. Für Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nun ein Modellprojekt angekündigt. Dabei gehe es darum, die „Organisation und Abläufe in den Betrieben zu erproben und zu verbessern“, heißt es. Welche Unternehmen – die Rede ist von zehn – teilnehmen dürfen, ist noch nicht entschieden.

Für das Modellprojekt beworben hat sich neben anderen Unternehmen auch das Penzberger Roche-Werk. Man wäre startklar, heißt es dort, auch unabhängig vom Modellprojekt. „Für die Impfung auf unserem Werkgelände haben wir ein fertiges Konzept“, sagt Thorsten Böhme, Leiter der medizinischen Dienste am Penzberger Roche-Standort. Die Erstimpfung der Belegschaft „könnte innerhalb von etwa drei Wochen abgeschlossen sein“. Anfangs würde dies laut Impfkonzept des Betriebsarztes in den Räumen der medizinischen Dienste erfolgen, wo täglich etwa 150 bis 200 Impfungen möglich wären. Danach könnte zusätzlich in einem Zelt auf dem Werkgelände geimpft werden. Die geschätzte Kapazität läge in dem Fall sogar bei 500 Impfungen am Tag. Bei Bedarf, erklärt Böhme, könnte man „das Angebot sukzessive auch auf Familienangehörige und später auf Penzberger Bürger erweitern“. Voraussetzung sei natürlich immer, dass genug Impfstoff zur Verfügung stehe und die Impfverordnung – also die Priorisierung – angepasst werde.

Momentan beschäftigt Roche in Penzberg rund 6800 Mitarbeiter. Davon sind derzeit etwa 2700 bis 2800 Mitarbeiter im Werk tätig, der Rest ist in Heimarbeit.

Die Impfung wäre natürlich freiwillig, sagt Pressesprecher Johannes Ritter. Der Fokus liege zunächst auf den Mitarbeitern, sie würden als erste ein Impfangebot erhalten. Außerdem würden auch jene Personen berücksichtigt, die für Fremdfirmen auf dem Werkgelände tätig sind, also zusätzlich etwas mehr als 1000 Menschen.

Laut Ritter hat das Unternehmen im Zuge der Bewerbung für das Modellprojekt dem bayerischen Gesundheitsministerium auch angeboten, in einer zweiten Runde den Familienangehörigen der Mitarbeiter ein Impfangebot zu machen. Im Anschluss, also in einer dritten Runde, so der Vorschlag, könnten die Corona-Impfungen ebenso der Penzberger Bevölkerung angeboten werden – um die örtlichen Impfzentren und die Hausärzte zu entlasten.

Wählt das Ministerium Roche in Penzberg für das Modellprojekt aus, wird der Impfstoff dem Unternehmen über die zuständigen Behörden zugeteilt – wie es auch in den Impfzentren oder bei den Hausärzten der Fall ist. Auf die Frage, wieso sich Roche für das Modellprojekt beworben hat, erklärt Ritter, man sehe es „prinzipiell als Chance, dass Betriebsärzte helfen können, das Impftempo zu beschleunigen“. Es wäre eine Ergänzung zu den Hausärzten und eine Entlastung der Impfzentren. „Man kommt auf diese Weise schneller voran.“ Außerdem sei Roche ein systemrelevantes Unternehmen, weil es Medikamente und Diagnostika, insbesondere auch Corona-Tests, herstelle, sagt er. Es sei wichtig, die Versorgung sicherzustellen – also ohne Gefahr von Ausfällen in der Belegschaft. Davon profitiere die Gesellschaft. Und die mögliche Erweiterung des Impfangebots auf die Bevölkerung „empfinden wir als wichtigen gesellschaftlichen Beitrag“, fügt er an.

Auch wenn Roche nicht für das Modellprojekt ausgewählt wird, würde man im Penzberger Werk gern möglichst schnell starten. „Wir hätten ja alles parat“, sagt der Roche-Pressesprecher. Das Wissen, die dafür ausgebildeten Mitarbeiter, die Spritzen, die Kanülen. „Wir könnten morgen anfangen.“

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