Bilder: Unternehmensgruppe Küblböck
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Alle sind von der Planung angetan

Rund 400 Wohnungen sollen entstehen: Penzberg bekommt einen vollkommen neuen Stadtteil

  • vonWolfgang Schörner
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Auf dem Edeka-Areal in Penzberg soll ein komplett neues Wohnquartier mit rund 400 Wohnungen entstehen, dazu ein neues Edeka-Center mit Getränkemarkt, ein Lidl-Discounter und ein Tiernahrungsmarkt. Das sieht ein neuer Vorschlag von Projektentwickler Herbert Küblböck vor. Im Stadtrat stieß dies auf breite Zustimmung.

Penzberg – Seit Jahren wird in Penzberg über die Zukunft des Edeka-Areals an der Straße „Grube“ gestritten. Dabei ging es vor allem darum, dass sich dort kein Handel ansiedelt, der den Innenstadt-Geschäften schadet. Einzelhändler fürchteten ein Geschäfte-Sterben, wenn auf dem Areal zum Beispiel Textil- und Schuhfachmärkte entstehen. Nun ist offenbar eine Lösung gefunden, die den Streit beendet.

Das neue Konzept erläuterte Projektentwickler Herbert Küblböck am Dienstagabend im Stadtrat. Demnach soll angrenzend an die Henlestraße ein neues Wohnviertel auf 31 200 Quadratmetern entstehen. Das ist mehr als die Hälfte des Areals. In der Sitzung sprach Küblböck von 300 bis 400 Wohnungen. Das aktuelle Konzept sieht ihm zufolge sogar circa 410 Wohnungen vor. Davon wären 30 Prozent sozial geförderter Wohnungsbau nach den städtischen SoBon-Regeln.

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Die Wohnhäuser hätten laut Küblböck vier und fünf Geschosse, in der Mitte sogar sieben Stockwerke – worüber man noch reden müsse, sagte er. Sein Konzept sieht für das Wohnquartier eine Tiefgarage mit rund 600 Stellplätzen vor. Das Viertel selbst sei „komplett autofrei“. Die Wege würden öffentlich gewidmet und könnten von Fußgängern und Radlern genutzt werden, um zum Beispiel zur Berghalde zu gelangen. Sein Konzept sieht zudem Grün- und Wasserflächen vor.

Neues Edeka-Center soll gebaut werden

Für den Handel samt Parkplatz sind im Nordteil des Geländes 23 700 Quadratmeter vorgesehen. Angrenzend an den Hagebau-Markt, der seine Erweiterungspläne begraben hat, soll auf 3900 Quadratmetern ein neues Edeka-Center mit Getränkemarkt, Bistro, Café und Backshop entstehen. Südlich davon sind ein Tierfutterfachmarkt (800 Quadratmeter) und ein Lidl-Markt (1500 Quadratmeter) vorgesehen, der sich momentan in kleinerer Version noch im Gewerbegebiet Grube befindet. Keine Rede mehr ist von Textil und Schuhen, auch nicht von einem Elektromarkt. Eine Diskothek sieht Küblböck ebenfalls nicht vor. Dies wäre ihm zufolge keine nachhaltige Nutzung, da es in dem Bereich oft Mieter- und Namenswechsel sowie Probleme mit Vermüllung und Lärm gibt.

Das Konzept für das Edeka-Areal: im nördlichen Teil das neue E-Center, ein Lidl und ein Tiernahrungsmarkt mit Parkplätzen, im südlichen Teil ein Wohnviertel mit rund 400 Wohnungen. An der Straße Grube entsteht als Zufahrt ein Kreisverkehr. Rechts im Modell der Geschosswohnungsbau, der an die Henlestraße grenzt.

Einen Vorteil des Konzepts sieht er für die Nachbarn an der Henlestraße. Die Zufahrt zu den Geschäften, insbesondere die Anlieferung, werde nicht mehr über deren Straße laufen, sondern über einen Kreisverkehr, der weiter nördlich an der Straße „Grube“ geplant ist. Über diesen Kreisel erfolge auch die Zufahrt in die Tiefgarage des neuen Wohnquartiers.

Küblböck schätzt, dass das gesamte Projekt in sechs Jahren fertig ist. Der erste Schritt sind das Bauleitverfahren und die nötigen Gutachten. Liegt das Baurecht in zwölf Monaten vor, sagte er, würde zuerst der nördliche Bereich mit der alten Lagerhalle abgerissen und dann der Kreisverkehr und der komplette Einzelhandelsteil errichtet. Im Anschluss könnte der E-Center umziehen und sein bestehendes Gebäude abgerissen werden. Die Wohnhäuser entstehen am Ende etappenweise vom Westen her.

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Dass das Konzept in dieser Form entstehen konnte, ist laut Küblböck auch dem Unternehmen Edeka zu verdanken. Bisher habe Edeka das Gebäude gehört, sie mussten keine Miete zahlen. Jetzt habe Edeka „sein Grundstück an uns verkauft“ und müsse Miete zahlen. Er sei dankbar, dass Edeka diesen Weg mitgehe, so Küblböck. Dazu beigetragen hätten auch die Diskussionen im Stadtrat.

Dort herrschte am Dienstag Aufatmen, auch darüber, dass der „Pro Innenstadt“-Verein einverstanden ist. Es sei „das Optimale für die Stadt herausgeholt“ worden, „auch wenn Sie anfangs mit den Zähnen geknirscht haben“, sagte Christine Geiger (CSU) in Küblböcks Richtung. Zugleich wünschte sie, auf das Dach des neuen Edeka-Centers noch ein Stockwerk, zum Beispiel für einen Kindergarten, zu setzen. Als „großen Wurf“ bezeichnete Elke Zehetner (SPD) das Konzept – auch wenn viele Bürger traurig sein werden, dass es keinen Elektromarkt gebe, wie sie anfügte. Nun sei es eine gemeinsame Aufgabe, die nötige Infrastruktur auf den Weg zu bringen, sagte sie.

Vorzeigeprojekt in Sachen Klimaneutralität?

Den Plan begrüßte ebenso Kerstin Engel (Grüne). Sie bat, die Gewerbebereiche nicht nur einstöckig zu bauen und einen Teil der Kundenparkplätze in einer Tiefgarage unterzubringen. Bei den Wohnbauten forderte sie hohe architektonische Qualität. Und: „Einen Kindergarten sollten wir in dem Gebiet auf jeden Fall unterbringen.“ Positiv äußerten sich ebenso Armin Jabs (BfP), der die Forderung erfüllt sah, Wohnraum durch Verdichtung der Innenräume zu schaffen, und Markus Bocksberger (Penzberg miteinander). „Unsere Hoffnung ist“, sagte er, „dass es im Hinblick auf Klimaneutralität ein Vorzeigeprojekt wird.“

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