Segenspäckchen statt Sternsinger auf dem Stadtplatz in Penzberg
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Ein Segenstütchen bitte: Helga Uhl-Hartmann (r.) holt sich bei den Sternsingern Liselotte und Benedikt Bocksberger ein Päckchen mit Weihrauch, Kohle und Kreide ab. Dass viele Penzberger am letzten Tag des Jahres zum Stand auf dem Stadtplatz kamen, freut Britta Bachus (M.) Jugendreferentin der Pfarrei Christkönig.

„Segenstütchen“ statt Königsbesuch

Segen in der Tüte gegen böse Geister

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Zwischen den Jahren von Haus zu Haus ziehen und den Segen an die Eingangstüren schreiben: Diese Tradition können die Sternsinger wegen der Corona-Pandemie zu diesem Jahreswechsel nicht ausüben. In Penzberg aber sind die Weisen aus dem Morgenland erfinderisch geworden – an Silvester etwa konnten sich die Bürger auf dem Stadtplatz kleine geweihte Segenstütchen abholen.

  • Weil die Sternsinger heuer pandemie-bedingt nicht von Tür zu Tür gehen können, haben sich die Penzberger etwas besonderes einfallen lassen.
  • Sie verteilen in den kommenden Tagen „Segenstütchen“ in den Kirchen und an verschiedenen Plätzen in der Stadt.
  • Damit kann man sich seine Eingangstür selbst segnen

Penzberg – Helga Uhl-Hartmann ist begeistert. Die Penzbergerin ist eine von vielen, die am letzten Vormittag des Jahres 2020 auf den Stadtplatz kamen, um sich ein so genanntes Segenstütchen bei den Sternsingern abzuholen. Darin: Ein paar Krümel Weihrauch, ein Stückchen Kreide und ein Brocken Kohle. Damit, so die Idee der katholischen Jugend der Pfarrei Christkönig, sollen sich die Menschen den traditionellen Segensspruch „20-CMB-21“ heuer selber an ihre Wohnungstüren schreiben. Der Weihrauch und die Kohle sind zum selber Räuchern gedacht. „Mir ist es sehr wichtig, dass dieser Segen an meiner Türe steht“, sagt Uhl-Hartmann. Die Buchstaben soll ihr Mann noch vor dem Neujahrstag anschreiben, und selbstverständlich will sie auch den Weihrauch anzünden, denn „damit werden die bösen Geister vertrieben und für die guten Geister Platz geschafft.“

Die Aktion der Penzberger Sternsinger auf dem Stadtplatz war ein Erfolg, freut sich Britta Bachus. „Ich hatte keine Erwartungen, aber es läuft gut“, bilanziert die Jugendreferentin der Pfarrei Christkönig etwa zwei Stunden nach Beginn der Aktion.

Alles drin, was man braucht: Kreide, Weihrauch und Kohle, um den Segen an die eigene Haustüre zu schreiben.

Rund 300 der kleinen Segenstütchen hatten die Jugendlichen ihrer Pfarrei im Vorfeld per Hand gepackt. Die Hälfte davon sei schnell verteilt gewesen, so Bachus. Von 8 bis 12 Uhr standen je zwei Sternsinger – wegen der Corona-Auflagen mussten es Geschwister-Kinder sein – an dem kleinen Sternsinger-Stand. Hier gab es nicht nur die Segenstütchen, sondern auch Aufkleber mit dem Segensspruch sowie Tütchen mit selbst gebackenen Plätzchen. Die Plätzchen hatte Bachus mit den vielen Jugendlichen gebacken, die nicht als Sternsinger auf dem Stadtplatz zum Einsatz kamen.

Zwei, die als Geschwister dabei sein durften, waren Liselotte und Benedikt Bocksberger. Beide sind seit mehreren Jahren als Sternsinger unterwegs. „Es macht Spaß und ist außerdem immer für einen guten Zweck“, begründet der 15-jährige Benedikt dieses Engagement. Dass sie heuer nicht mit Gleichgesinnten von Haus zu Haus ziehen durften, fanden er und seine 12-jährige Schwester schade. Als die Idee mit den Segenstütchen zum Abholen aufkam, hätten sie sich darum gleich freiwillig für den heuer etwas ungewöhnlichen Sternsinger-Einsatz gemeldet, denn: „Die Kinder sollen trotzdem etwas bekommen“, verweisen sie auf den Hintergrund der Aktion. Denn Passanten, die sich Segenstütchen und Co. abholten, konnten im Gegenzug Geld spenden. Dieses Geld wollen die Penzberger Sternsinger heuer an das Kindermissionswerk weiterleiten, das damit jungen Menschen in der Ukraine helfen will.

Anderen etwas Gutes tun und gleichzeitig das eigene Zuhause mit seinen Bewohnern für das neue Jahr segnen: Das hat Erni Werner bewogen zum Stadtplatz zu kommen, wo sie sich bei den Sternsingern einen Segensaufkleber abholt. Den Segensspruch über der Haustüre: „Das brauche ich einfach“, sagt die Penzbergerin. Jedes Jahr kämen die Sternsinger sonst zu ihr nach Hause. Da das heuer nicht geht, kommt Werner eben zu den Sternsingern auf den Stadtplatz. Besser als gar nichts findet sie. „In der heutigen Zeit ist das okay.“

Segen zum Abholen

Hier kann man sich in den kommenden Tagen Segenstütchen oder Aufkleber abholen:

- Samstag, 2., bis Sonntag, 10. Januar: Christkönigkirche und Kirche „Unsere liebe Frau von Wladimir“.

- Ab Montag, 4. Januar: Bäckerei Ahammer (Bahnhofstraße 26); Bäckerei Eberl (Sindelsdorfer Straße 25 und Friedrich-Ebert-Straße 9); Loisachtaler Bauernladen (Christianstraße 6-8 und Friedrich-Ebert-Straße 9A); Metzgerei Schmid (Reindl 3); Reformhaus Vitalia (Ludwig- März-Straße 3).

- Mittwoch, 6. Januar: Gottesdienst in der Kirche „Unsere Liebe Frau von Wladimir“; 10.30 Uhr.

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