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Senioren haben das Wort: So wünschen wir uns unsere Stadt der Zukunft

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Von: Wolfgang Schörner

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Arbeitsgruppen bei der Bürgerwerkstatt: An mehreren Tischen ging es in der Penzberger Stadthalle um Wohnprojekte, soziale Teilhabe und Nachbarschaftshilfe. Bürgerbefragung „55+“: 28 Prozent wollen bei Umzug eine kleinere Wohnung
Arbeitsgruppen bei der Bürgerwerkstatt: An mehreren Tischen ging es in der Penzberger Stadthalle um Wohnprojekte, soziale Teilhabe und Nachbarschaftshilfe. Bürgerbefragung „55+“: 28 Prozent wollen bei Umzug eine kleinere Wohnung © wos

Rund 22 Prozent der Einwohner in Penzberg sind mindestens 65 Jahre alt. In 16 Jahren, so eine Prognose, wird deren Anteil auf etwa 33 Prozent steigen. Grund genug für die Stadt, sich mit einem Seniorenkonzept zu befassen. Um die Wünsche der Altersgruppe ging es nun in einer Bürgerwerkstatt. Viele Gespräche drehten sich dabei ums Wohnen.

Penzberg – Rund 40 Frauen und Männer, darunter auch viele Seniorenbeiräte, waren zur Bürgerwerkstatt in die Stadthalle gekommen. Drei Stunden lang ging es dort um das „Älter werden in Penzberg“ – so das Motto des Nachmittags. Die Bürgerwerkstatt ist ein Baustein des Seniorenkonzepts, an dem die Stadt derzeit arbeitet. Ein anderer Baustein ist die „Bürgerbefragung Generation 55+“. „Wir wollen bestmöglich für die Zukunft aufgestellt sein“, sagte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) zur Begrüßung. „Danke, dass sie den Weg mit uns gehen.“

Den Nachmittag moderierten Anna-Lena Königbauer und Magdalena Blumenfelder von der „Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung GmbH“ (AfA). Blumenfelder stellte auch erste Ergebnisse der Bürgerbefragung vor, an der sich 3249 Personen im Alter ab 55 Jahren beteiligt hatten, was eine Rücklaufquote von 49 Prozent bedeutete. Sie sei „enorm hoch“, so Blumenfelder. Von den Umfrage-Teilnehmern wohnen knapp 48 Prozent in einem eigenen Haus, 25 Prozent in einer Mietwohnung und rund 20 Prozent in einer eigenen Wohnung. Zurecht kommen damit 81 Prozent, der Rest aber hat oder erwartet Schwierigkeiten wegen der baulichen Verhältnisse. Fast 20 Prozent, hieß es, könnten sich einen Umzug vorstellen, 2,4 Prozent planen ihn schon konkret.

Wenn Umzug, dann in eine barrierefreie Wohnung

Die Umfrage ergab auch, was ihnen dabei wichtig ist: barrierefrei (70 Prozent), bezahlbar (64 Prozent), zentral gelegen (49 Prozent) oder als Wohnmöglichkeit für Jung und Alt (39 Prozent). Von ihnen gaben knapp 28 Prozent zudem an, sie wollten eine kleinere Wohnung.

Moderatorin Blumenfelder nannte auch Zahlen zur Zufriedenheit mit den Angeboten in Penzberg. Demnach sind 88 Prozent mit den Vereins- und Freizeitangeboten zufrieden oder sehr zufrieden. Bei den Kulturangeboten sind es fast 76 Prozent. Niedriger liegt die Zahl bei der Frage nach dem gastronomischen Angebot. Dort sind rund 55 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden. Was die Umfrage auch ergab: Die seit 13 Jahren in Penzberg bestehende Nachbarschaftshilfe unter dem Dach der katholischen und evangelischen Kirche ist nur etwa zehn Prozent der Befragten bekannt.

Wunsch nach überschaubaren Wohnprojekten und Demenz-WG

Intensiv diskutiert wurde in der Bürgerwerkstatt über das Wohnen. Ein Wunsch waren Wohnprojekte, die mehrere Voraussetzungen erfüllen sollen: generationenübergreifend, selbstbestimmt und bei Bedarf betreut, mit Gemeinschaftsräumen und Einkaufsdienst, zentral gelegen und mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Genannt wurden aber auch der Wunsch nach kleinen überschaubaren Wohnprojekten und nach einer Demenz-WG, wie sie die Maro-Genossenschaft in Weilheim betreibt. Ein anderer Wunsch war ein zweites Nahversorgungszentrum in Steigenberg, das zugleich besser an den Stadtbus angebunden ist. Ebenso ging es um Möglichkeiten von Wohnungstausch und „Mit-Wohnen“, bei dem zum Beispiel Pflegekräfte in der Ausbildung bei Senioren zur Untermiete wohnen.

Über das „Wunschkonzert“ entspann sich im Anschluss eine Diskussion. „Ich würde mir wünschen, dass die Wünsche nicht so utopisch sind“, sagte eine Teilnehmerin über die Wohnprojekte und die dafür nötigen Grundstücke. „Das kostet doch alles wahnsinnig viel.“

Angebote sollen besser vernetzt werden

Ebenso hieß es, dass solche Wohnprojekte nur mit „aktiver Mithilfe“ der Stadt umgesetzt werden könnten. Ein Ratschlag lautete, Anreize für Privateigentümer zu schaffen, damit sie Grundstücke an die Stadt günstig abgeben. Ein Teilnehmer sagte aber auch: „Als Zukunftswerkstatt sollten wir uns nicht selbst begrenzen.“ Was Moderatorin Anna-Lena Königbauer bestätigte. Es sei allen klar, dass nicht alles realisiert werden kann. Die Bürgerwerkstatt sei aber dafür da, Wünsche zu äußern.

Diskutiert wurde an dem Nachmittag ebenso über die Nachbarschaftshilfe. Dazu hieß es, dass sie eine andere Organisationsform und mehr Angebote bräuchte, vor allem aber bekannter werden sollte. Bei der Frage nach der sozialen Teilhabe wurde klar, dass in Penzberg bereits eine Vielzahl an Angeboten existiert, seien es Vereine, Volkshochschule, Bücherei, AWO, Museen oder künftig der Seniorentreff. Offenbar gibt es aber ein Informationsdefizit. Die Angebote sollten besser vernetzt werden, hieß es. Auch ein Infopoint im Stadtzentrum wurde angeregt.

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