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Die Zukunft des städtischen Seniorenzentrums ist unklar.

Erste Einigung in Penzberg

Seniorenzentrum: AWO führt Betrieb vorerst bis Mai weiter

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Die Stadt Penzberg und die AWO haben sich beim Seniorenzentrum auf eine erste Lösung verständigt. Es geht um eine Übergangslösung für den Betrieb.

Penzberg – Der AWO-Bezirksverband Oberbayern führt nach dem Scheitern des Kaufs von der Stadt Penzberg das Seniorenzentrum an der Gartenstraße vorerst weiter. Und zwar heuer bis 31. Mai und zu den bisherigen Konditionen. Dies teilten AWO und Stadt in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

Nach den Osterferien werde „in gemeinsamen Gesprächen“ die Regelungen für einen zügigen und geordneten Betriebsübergang festgelegt, heißt es. Unter anderem erklärt sich die Stadt bereit, sich darum zu bemühen, dass ein neuer Betreiber auch die von der AWO gewährte Zusatzrente für die Mitarbeiter übernimmt. Für Bewohner und Belegschaft – das Seniorenzentrum zählt 98 Bewohner und 110 Voll- und Teilzeitkräfte – ändere sich zunächst nichts. Die Vereinbarung ist das erste Ergebnis eines Vorschlags, den Stadtkämmerer Johann Blank am Montag an AWO-Chef Andreas Niedermeier schickte. Darin bot die Stadt dem Verband einen „Verlängerungsbetreibervertrag“ an. Laufzeit bis 30. September plus Option bis 31. Dezember 2018.

Darüber muss verhandelt werden. Blank („Leider waren in der ganzen Zeit keine ausreichenden Signale durch die AWO zu erkennen, die den Wunsch nach einem positiven Vertragsabschluss unterstützt hätten“) macht in seinem Angebot klar: Die AWO ist verantwortlich für einen geordneten Rückzug. Die Stadt sei nicht verpflichtet, sich „um die Bewohner und Mitarbeiter der AWO zu kümmern“, weil es sich um keinen Betriebsübergang handele. Durch die im Dezember 2016 vom Verband ausgesprochene Kündigung des Trägerschaftsvertrags zum 31. Dezember 2017 bestehe seit Jahresanfang „kein Vertragsverhältnis mehr“, teilte Blank mit. Die Stadt habe den weiteren Betrieb lediglich geduldet, „unter der Voraussetzung der Kaufvertragsunterzeichnung“. Die AWO nahm die Kündigung nie zurück, es blieb eine „schwelende Unsicherheit“, wie es zweiter Bürgermeister Dr. Johannes Bauer bei einem Pressegespräch nannte. Er bezeichnet es „vielleicht als Fehler der Stadt“, dass man trotzdem mit der AWO weiter verhandelt habe.

Ungeachtet dessen muss sich Penzberg auf die Suche nach einem Heimbetreiber machen. Im Vergabeverfahren wird ein anderer Standort geprüft: Das Schlachthof-Grundstück an der Karlstraße – schon mal für das Stadtmuseum und zuletzt für günstigen Wohnraum diskutiert – kommt wieder ins Gespräch. Vorteil: Es gehört der Stadt, ist zentral gelegen, und nach dem Umzug der Wäscherei „mietfrei“, wie Kämmerer Blank sagt. Das Areal genüge den Anforderungen für einen Pflegebetrieb, ein Bebauungsplan sei bis Herbst möglich. Ein Neubau könne in anderthalb Jahren Bauzeit entstehen. Diesen Zeitrahmen hatte Blank zufolge damals der Ulmer Einrichtungsbetreiber „Compassio“ genannt, der sich ebenso wie sieben andere Interessenten für Neubau und Betrieb in Penzberg interessiert hatte. Der Stadtrat entschied im Juni 2017, trotz deren Vertragskündigung mit der AWO zu verhandeln.

Bei der Stadt will man sich im Idealfall einen Partner holen, der als Übergangslösung das ehemalige AWO-Haus an der Gartenstraße betreibt und einen Neubau an der Karlstraße errichtet. Probleme mit der 2021 endenden Betriebsgenehmigung für den Altbau sieht dritter Bürgermeister Ludwig Schmuck nicht: Diese verlängere sich, wenn der Neubau laufe. Das Zuckerl: Die Stadt bekäme so an der Gartenstraße ein Grundstück für eine Wohnbebauung in 1A-Lage. Doch so weit will sich der zweite Bürgermeister nicht aus dem Fenster lehnen. Johannes Bauer verweist auf die nötige Zustimmung der Gremien: „Wir werden jetzt schnell Fakten beschließen.“

Was bleibt, ist die Enttäuschung über die Art und Weise, wie das 40-jährige Engagement der AWO in Penzberg – das Seniorenheim ging 1976 mit dem Verband als Träger in Betrieb – endet. „Ich hätte ein Miteinanderreden erwartet“, sagt Ludwig Schmuck.

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