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An seinem Arbeitsplatz: Thomas Kapfer-Arrington ist seit Januar Vereins- und Ehrenamtsförderer.
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An seinem Arbeitsplatz: Thomas Kapfer-Arrington ist seit Januar Vereins- und Ehrenamtsförderer.

Thomas Kapfer-Arrington und seine Ideen

Stadt Penzberg hat jetzt „Kümmerer“ für Vereine und Ehrenamtliche - „Sie machen Penzberg lebenswert“

  • vonWolfgang Schörner
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Bislang leisten sich nur größere Städte wie München, Augsburg oder Regensburg einen Vereins- und Ehrenamtsförderer. Nun hat auch Penzberg so eine Stelle. Seit einem Monat arbeitet Thomas Kapfer-Arrington (45) als „Kümmerer“ für Vereine und Ehrenamtliche – und hat jede Menge Ideen.

Penzberg – Ist so eine Stelle ein Luxus für eine Kommune in der Größenordnung von Penzberg? Nein, antwortet Thomas Kapfer-Arrington. Es sei eine Notwendigkeit. Der 45-Jährige nennt dazu eine Statistik: Rund 47 Prozent der Menschen über 14 Jahre, also fast 5,2 Millionen, sind in Bayern ehrenamtlich tätig. Auf Penzberg umgerechnet wären das gut 6800 Menschen. Rund 120 Vereine gibt es in der Stadt. Wobei ehrenamtliches Engagement auch außerhalb der Vereine stattfindet. „Diese Menschen bringen sich ein, um Penzberg lebenswert zu machen“, sagt Kapfer-Arrington. Würde das wegbrechen, fände nicht mehr viel statt im sozialen, kulturellen oder kirchlichen Bereich. Das Engagement sei unbezahlbar, sagt er. Die Stadt könnte dies alles selbst schon finanziell nicht leisten. Als Beispiel nennt er auch die Feuerwehr: Würde sie nicht mehr ehrenamtlich arbeiten, müsste sie als Berufsfeuerwehr bezahlt werden.

Ehrenamtsförderer: Die Bandbreite der Anfragen ist enorm

Das bürgerschaftliche Engagement braucht laut Kapfer-Arrington aber auch in vielfältiger Weise Unterstützung. Einen Vorgeschmack hat er bereits bekommen. Die Bandbreite an Anfragen sei enorm, egal ob es um ein Trainingsgerät geht, um die Sorge wegen Platzbedarfs oder die Frage nach Fördertöpfen, erzählt er. Der 45-Jährige sieht die Stadt Penzberg bei der Schaffung der Stelle für Vereins- und Ehrenamtsförderung in einer Vorreiterrolle. Er glaubt, dass dem Beispiel andere Kommunen in der Größe folgen werden.

Die Stadt Penzberg hatte Kapfer-Arrington unter einer Vielzahl von Bewerbern für die Vollzeitstelle ausgewählt. Seit Anfang Januar ist er als Angestellter der Stadt tätig. Zuvor arbeitete der Penzberger 25 Jahre als Lokaljournalist. Er habe sich dadurch ein Netzwerk aufbauen können, erzählt Kapfer-Arrington. Er kenne nicht nur viele Vereine und Organisationen aus seiner beruflichen Laufbahn, er „kenne vor allem auch die Menschen, die hinter den Ehrenämtern stehen“. Kapfer-Arrington selbst ist Atemschutzträger und Maschinist bei der Feuerwehr in Penzberg. „Vereine begleiten mich schon mein ganzes Leben“, sagt er. Zum Beispiel die Musikschule, der FC Penzberg zu Jugendzeiten, die Schwimmgemeinschaft oder zu Anfangszeiten die Badmintongruppe, die später als Sparte im TSV aufging. Als Gymnasiast organisierte er in den Neunzigern die „Live aus der Molkerei“-Abende mit, aus denen sich später die Kleinkunstinitiative und das Tollhub-Fest entwickelten.

„Haus der Vereine“ in Penzberg - es gibt viele Optionen

In seinen ersten vier Wochen hat Kapfer-Arrington erste Förderprogramme an Vereine lanciert, über Mitgliederwerbung beraten, einzelne Hilfegesuche von Vereinen bearbeitet und Rechtsfragen zu Vereinsversammlungen während der Corona-Pandemie geklärt.

Ein weiteres Thema ist ein „Haus für Vereine“. Mit den Stadtratsfraktionen habe er bereits informelle Gespräche geführt. Er sieht sich da als Moderator. Entsprechende städtische Liegenschaften würde es geben, sagt er. Kapfer-Arrington glaubt, dass sich die alte Bücherei eignen würde. Andere Optionen wären die ehemalige Molkerei, das Bahnhofsgebäude oder das frühere Zörnerhaus an der Bahnhofstraße, das mittlerweile der Stadt gehört. Den ehemaligen Schlachthof an der Karlstraße zählt er nicht dazu.

Online-Bühne für Vereine, Künstler und Ehrenamtliche

Kapfer-Arrington nennt noch eine Reihe weiterer Ideen, etwa eine Workshop-Reihe, die sich um Themen wie Mitgliedergewinnung, Pressearbeit und Versicherungsrecht dreht, einen Vereinebus und eine Nachbarschaftshilfe-App. In einer Umfrage will er erkunden, wo Vereine und Organisationen der Schuh drückt. Er würde gern die Ehrenamtskarte durch Penzberger Lokalkolorit ergänzen und ein städtisches Ehrenamtszertifikat einführen, das junge Menschen ihrem Lebenslauf beifügen können. Und für die Corona-Zeit schwebt ihm eine Online-Bühne vor: Vereine, Künstler und andere Ehrenamtliche könnten sich auf der Bücherei-Bühne präsentieren – übertragen ins Internet. Bis Publikum vor Ort wieder erlaubt ist.

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