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Penzberger Stadtwerke planen Solarpark mitten in der Natur - auf einem Grundstück so groß wie drei Fußballfelder

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Von: Wolfgang Schörner

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Der rot umrandete Bereich der Grafik markiert das Areal, wo auf Gut Hub  die neue Photovoltaikanlage errichtet werden soll.
Ein Platz für Solar-Module: Innerhalb des rot umrandeten Bereichs auf Gut Hub soll die neue Photovoltaikanlage errichtet werden. Die genaue Situierung ist noch nicht bekannt. Die Solarparkfläche soll etwa zwei Hektar umfassen. Links ist die Bahnlinie zu sehen, in der Mitte das Gutsgebäude und rechts der Campingplatz. Im Stadtrat stießen die Pläne für die Photovoltaikanlage auf gemischte Gefühle © Grafik: bo

Die Penzberger Stadtwerke wollen auf dem Gelände von Gut Hub einen großen Solarpark errichten. Die Leistung der neuen Photovoltaikanlage soll ausreichen, um etwa 550 Haushalte mit Solarstrom zu versorgen – so sieht es der Plan jedenfalls vor. Sie hätte in etwa die Größenordnung der zwei Solarparks beidseits der Staatsstraße Penzberg-Bichl.

Penzberg – Der neue Solarpark soll auf einer freien Fläche zwischen dem Gutsgebäude und der Bahnlinie entstehen. Der Penzberger Stadtrat befürwortete diese Woche das Vorhaben. Zugleich hob er einen sechs Jahre alten Beschluss auf, wonach dort ab 2023 eine Vollerwerbslandwirtschaft mit extensiver Bewirtschaftung erfolgen sollte.

Rund 550 Haushalte sollen mit regenerativem Strom versorgt werden

In der Sitzung hieß es, dass es sich um eine 2,5-Megawatt-Anlage handeln soll, durch die circa 550 Haushalte mit regenerativem Strom versorgt werden könnten. Die städtische Klima- und Umweltschutzabteilung geht davon aus, dass es rechnerisch sogar circa 750 Haushalte sein könnten. Die Kosten, hieß es, würden auf 1,5 bis 2 Millionen Euro geschätzt.

Auf Anfrage präzisierte Stadtwerke-Vorstand André Behre das Vorhaben. Er geht nach den vorläufigen Berechnungen von einer Leistung zwischen 2 und 2,5 Megawatt Peak aus. Erst in der Feinplanung werde man das genauer sagen können. Entstehen soll die Anlage auf einem etwa zwei Hektar großen Grundstück – das sind umgerechnet etwas weniger als drei Fußballfelder. Wie groß die Kollektorfläche sein wird, wird laut Behre ebenfalls erst die Feinplanung zeigen.

Zum Vergleich: Die Solarparks beidseits der Staatsstraße Penzberg-Bichl bringen es zusammen auf eine Leistung von 1,5 Megawatt Peak. Sie entstanden samt Umgriff auf einem Gelände von 2,7 Hektar. Die Solarparks gingen im Sommer 2018 ans Netz. Damals holten sich Stadtwerke das Münchner Unternehmen „Vispiron“ ins Boot. Ob es auch bei der Photovoltaikanlage auf Gut Hub einen Partner geben wird, ist laut Stadtwerke-Chef Behre noch offen. Bauherr seien jedenfalls die Stadtwerke selbst. Die weitere Planung wird ihm zufolge zeigen, ob ein Technologie-Partner gesucht wird. Auf Nachfrage erklärte er zudem, dass man versuchen werde, das Kraftwerk so gut wie möglich in die Natur einzubetten. Gedacht ist ihm zufolge zum Beispiel an eine Hecke als Einzäunung, die Tieren als Rückzugsraum dient, an Bienenkörbe und an eine Schafbeweidung.

„Sonnenacker“-Projekt nicht gefährdet

Nicht tangiert wäre das schon lange geplante „Sonnenacker“-Projekt, ein Feld, auf dem Bürger einmal selbst Gemüse anpflanzen können. Das sagte Klimaschutzmanager Carl-Christian Zimmermann auf Nachfrage. Dieser Acker würde an die geplante Solarpark-Fläche angrenzen. Das Vorhaben war 2016 beschlossen worden. An die Umsetzung gehe es ab 2023, wenn die Pachtverträge für das Areal auslaufen, so Zimmermann.

Bis die Solarparks realisiert sind, wird es ebenfalls noch dauern. Behre schätzt, dass der Bau frühestens im Herbst 2022 beginnen kann, womöglich aber auch erst im Frühjahr 2023. Nötig seien ein Bebauungsplan und eine Änderung des Flächennutzungsplans. „Es wird noch Zeit ins Land gehen“, sagt er. Ein Unsicherheitsfaktor sind auch die Lieferengpässe bei den Solarmodulen. Die Stadtratsentscheidung, so der Stadtwerke-Chef, sei nun der Startschuss, in die Feinplanung überzugehen und Verträge vorzubereiten.

Stadtrat mit gemischten Gefühlen - Mehrheit trotzdem dafür

Im Stadtrat war der Plan auf gemischte Gefühle gestoßen. Regina Bartusch (SPD) erinnerte daran, dass 2016 beschlossen wurde, das Areal von intensiver auf extensive Bewirtschaftung umzustellen. Klimaschutz treffe hier auf Naturschutz, sagte Bartusch, die als einziges Stadtratsmitglied mit „Nein“ stimmte. Eher zurückhaltend reagierte auch Elke Zehetner (SPD). Sie sprach davon, dass aus dem Erholungsgebiet eine Rosine herausgepickt werde. Sie hätte einen Standort näher an der Straße besser gefunden. Sie stimme aber trotzdem zu.

Kerstin Engel (Grüne) sagte, dass die Freiflächen-Anlage nicht optimal sei. Photovoltaik gehöre auf die Dächer. Man komme da aber leider momentan nicht drumherum, so Engel. „Wir können es uns nicht aussuchen, wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen“, assistierte John-Christian Eilert (Grüne). Ähnlich sah es Anette Völker-Rasor (PM). Man gehe hier den einfachsten Weg, langfristig stünden solche Lösungen aber nicht mehr offen.

Aleksandar Trifunovic (CSU) sagte dagegen, dass seine Fraktion die Anlage begrüße. Die meisten Spaziergänger würden dort ohnehin nicht entlanggehen. Und Wolfgang Sacher (BfP) kritisierte die Kritiker: „Immer wenn es um unsere Sachen geht, sind wir restriktiv.“ Hier würden die Stadtwerke selbst bauen und auch noch Geld damit verdienen.

Auch im Gemeindegebiet von Antdorf soll eine PV-Freiflächenanlage entstehen.

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