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Heuer keine Aufbau: Volksfestwirt Christian Fahrenschon (unten) erhielt vom Penzberger Stadtrat ein Nein für sein Ersatz-Konzept.

Aus Angst vor Corona

Stadt Penzberg sagt Nein zu Volksfest 2020 - was wird aus dem Eismärchen?

  • vonWolfgang Schörner
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In Penzberg wird es im September wegen der Corona-Pandemie kein Volksfest geben. Das Risiko sei zu groß, sagte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) in der Sitzung.

  • Die Stadt Penzberg hat das Volksfest 2020 endgültig abgesagt.
  • Das Konzept eines großen Biergartens mit angegliedertem Freizeitpark, das der Festwirt vorgeschlagen hatte, fand keine Zustimmung.
  • Die Angst überwiegt, dass nach Ende der Ferien die zweite Corona-Welle anrollen könnte.


Penzberg – Bürgermeister Korpan hatte in den vergangenen Wochen selbst die Hoffnung auf ein Volksfest genährt. Man werde eine Lösung finden, sagte er noch im Juni. Nun wird doch nichts daraus. Korpan erklärte am Dienstag, er habe mit dem Landratsamt und den Sicherheitsbehörden über Fahrenschons Ersatz-Konzept gesprochen, auch mit Bürgermeistern anderer Städte.

Sein Fazit: „So schwer es uns fällt: Aktuell ist es nicht sinnvoll, es durchzuführen.“ In dieser Größenordnung sei das Fest nirgendwo erlaubt worden, so Korpan. Fahrenschons Veranstaltung in Bad Aibling habe mit 300 Besuchern im Biergarten und ohne Freizeitpark stattgefunden. Das aktuelle Volksfest in Vaterstetten sei auf 400 Besucher im Biergarten und 300 im Freizeitpark begrenzt.

Korpan verwies darauf, dass das Penzberger Volksfest stattfinden würde, wenn die Ferien zu Ende gehen. „Wir wissen nicht, was uns erwartet, wenn die Urlauber heimkehren“, sagte er. Das Risiko eines Festes mit 1750 Besuchern sei zu groß. Müsste der Landkreis wegen steigender Infektionszahlen dicht machen, erklärte Aleksandar Trifunovic (CSU), wäre dies „auch ein großes Risiko für unsere ortsansässigen Unternehmen“. Ähnlich äußerte sich Elke Zehetner (SPD). Sie wolle nicht, dass es später heißt, man habe mit dem Volksfest Vorschub für einen Corona-Ausbruch geleistet.

Im Oktober wäre das Wetter viel zu kalt für Biergartenbetrieb

Etwas anders sah es dagegen Christian Abt (CSU). „Das Leben muss weitergehen, es endet nicht mit Corona“, sagte er. Das aktuelle Konzept sei zwar nicht zustimmungsfähig, aber wenn der Festwirt nachbessere und das Gesundheitsamt zustimme, „dann könnten wir doch mitgehen“. Eine ähnliche Überlegung stellte Jack Eberl (FLP) an. Seine Frage: Würde es eine Chance geben, wenn das Konzept verkleinert und das Volksfest nicht zum Ende der Urlaubszeit stattfände? Zum Beispiel im Oktober, wie Bürgermeister Korpan sagte. Was aber, wie Nick Lisson (CSU) einwendete, für einen Biergartenbetrieb „einfach zu kalt“ wäre.

Eberl erwähnte auch, dass es in München statt der Wiesn an mehreren Orten Fahrgeschäfte und Stände geben soll. Er schlug so etwas auch für Penzberg vor. Dies, sagte Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann, bedürfe aber ebenfalls eines Sicherheitskonzepts. Korpan fügte hinzu, dass München nicht mit Penzberg vergleichbar sei. Der Bürgermeister brachte dagegen die Möglichkeit ins Spiel, zum Ausgleich nächstes Jahr sowohl ein Frühjahrsfest als auch ein Volksfest zu veranstalten.

Sollte kleineres Konzept kommen, Abstimmung am 25. August

Über solche Möglichkeiten wurde am Dienstag nicht abgestimmt. Beschlossen wurde allein, das aktuelle Konzept abzulehnen und keinen Pachtvertrag abzuschließen. Ordnungsamtsleiter Holzmann warnte davor, sich jetzt zu einem Fest mit anderer Größenordnung zu verpflichten, weil dies der Festwirt später gerichtlich einklagen könnte. So blieb es dabei. Sollte der Wirt doch noch ein kleineres Konzept vorlegen, könnte der Stadtrat darüber in seiner nächsten Sitzung am 25. August abstimmen. Ein Fest wäre dann aber erst im Oktober möglich, hieß es.

Festwirt Fahrenschon:  „Mit einem Handstreich eine Existenz vernichten“

Schwer enttäuscht zeigt sich Volksfestwirt Christian Fahrenschon von der Penzberger Entscheidung. Er hatte die Stadtratssitzung am Dienstagabend in der Stadthalle verfolgt. „Ich bin entsetzt“, sagte er am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung. In Murnau – dort war sein Konzept ebenfalls abgelehnt worden – habe es „wenigstens noch eine vernünftige Diskussion“ gegeben. 

In Penzberg sei aber nur über Urlaubsheimkehrer und Lockdown („Sind das alles Hellseher und Virologen?“) gesprochen worden, nicht aber über sein Hygienekonzept. Fahrenschon kritisiert, dass er im Penzberger Stadtrat – anders als in Vaterstetten – nicht einmal die Gelegenheit erhielt, sein Konzept zu erläutern. Man hätte zum Beispiel über die Besucherzahl diskutieren können. Die Penzberger Stadtvertreter hätten sich auch zuvor beim aktuellen Fest in Vaterstetten kundig machen können.

Fahrenschon: „Bürgermeister hat falsche Angaben gemacht“

 „Ich habe aber keinen gesehen“, so Fahrenschon. Anders als eine Delegation aus Geretsried, wo jetzt der Waldsommer bevorsteht. Der Geretsrieder Bürgermeister, sagte Fahrenschon, halte an dem Konzept fest, es müsse nur angepasst werden. „Das ist eine gute Partnerschaft“, sagt er über Geretsried. Im Penzberger Fall hegt Fahrenschon ernste Zweifel, ob es sich noch um eine Partnerschaft handelt. 

Seine Familie veranstalte das Penzberger Volksfest seit 45 Jahren und sei der Stadt oft entgegengekommen. „In schwierigen Zeiten muss man Probleme partnerschaftlich lösen und darf nicht mit einem Handstreich eine Existenz vernichten“, sagt Fahrenschon, der von einem Berufsverbot spricht. Er und die Schausteller seien unter Generalverdacht gestellt worden.

Er wirft Bürgermeister Stefan Korpan auch vor, falsche Angaben gemacht zu haben. In Vaterstetten sei das Konzept auf 800 Besucher ausgerichtet, bei einer Fläche von fast 5000 Quadratmeter. In Penzberg seien es 12 000 Quadratmeter. Er werde die Stadt Penzberg künftig aus einem anderen Blickwinkel betrachten: „konsequent geschäftsmäßig, nicht mehr partnerschaftlich“. Ein Fest Ende Oktober, wie am Dienstag vorgeschlagen, kann sich Fahrenschon („Wie kommt man denn auf so was“) nicht vorstellen. Da sei es zu kalt.

Festwirt arbeitet dennoch an geändertem Konzept

Er wolle der Stadt dennoch ein geändertes Konzept vorstellen. Verschieben könne man das Fest aber höchstens um zwei Wochen. Über nächstes Jahr, sagte er, habe er sich noch keine Gedanken gemacht. „Ich weiß nicht, ob es mein Unternehmen 2021 noch gibt.“ Fahrenschon überlegt eigenen Worten nach außerdem, ob er die Penzberger Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht prüfen lässt.

Stadt hält bislang noch am „Eismärchen“ fest

Für das nächste Eismärchen im Dezember und Januar gibt es bislang noch keine Absage. Anfang des Jahres war noch die Rede davon, es deutlich größer und länger als bisher aufzuziehen. Aktuell hält die Stadt Penzberg daran fest, die Eisfläche auf dem Stadtplatz aufzubauen. In den vergangenen Jahren tummelten sich dort am Tag im Schnitt mehr als 400 Schlittschuhläufer. Bürgermeister Stefan Korpan erklärte dazu am Dienstag im Stadtrat, dass alle nötigen Firmen – wie die Eismacher und der Sicherheitsdienst – für das Eismärchen beauftragt worden sein.

Allerdings seien mit ihnen Konditionen vereinbart worden, wonach die Stadt die Verträge kostenlos stornieren könne.

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