+
Mit ihrem Solarpark haben die Penzberger Stadtwerke gute Erfahrung gemacht.

Kommunalunternehmen

Die Stadtwerke und der Klimawandel

  • schließen

Die Penzberger Stadtwerke haben neben Trinkwasser und Abwasser noch eine wichtige Klimaschutz-Rolle übernommen: Sie planen neue Solarfelder und einen Ausbau des Fernwärmenetzes. Auch an besondere Strommodelle ist gedacht.

Penzberg– Das Ziel, das Oberland bis 2035 komplett auf erneuerbare Energien umzustellen, wird laut Bürgerstiftung „Energiewende Oberland“ nach aktuellem Stand verfehlt. Auf die ernüchternde Bilanz hatten im Dezember mehrere Stadt- und Gemeindewerke mit einen Appell reagiert. Sie fordern von Bund und Freistaat weniger Bürokratie und eine offensive Förderung. Die Stadt- und Gemeindewerke sehen sich selbst als Motor bei der Energiewende. Was dies im Penzberger Fall bedeutet, erläuterte Stadtwerke-Vorstand Josef Vilgertshofer auf Nachfrage unserer Zeitung. Dort gibt es zwei Schwerpunkte: neue Photovoltaik-Anlagen, eine in Penzberg, die andere in Uffing. Und ein massiver Ausbau des Fernwärmenetzes in Penzberg, gespeist mit erneuerbarer Energie. Ein drittes Ziel sind Mieterstrommodelle für städtische Wohnungen.

Gute Erfahrung mit Solarparks

Mit Solarparks haben die Penzberger Stadtwerke bereits gute Erfahrungen gemacht. Seit August 2018 speisen zwei Photovoltaik-Anlagen mit 5000 Modulen beidseits der Straße Penzberg-Bichl Sonnenstrom ins Netz. Deren Leistung (zusammen 1,5 Megawatt) reicht aus, um etwa 470 Vier-Personen-Haushalte mit Strom zu versorgen. Ein kleineres Solarfeld, eine 110-Kilowatt-Anlage, errichten die Stadtwerke bereits diesen März an der Oskar-von-Miller-Straße, angrenzend an das Bayernwerk-Grundstück im Gewerbepark Bichler Straße. Bedeutend größer mit einer Leistung von 1,5 Megawatt wird da schon der Solarpark, den sie mit dem Unternehmen „Vispiron“ bei Uffing am Staffelsee planen. „Wenn alles glatt läuft, ist der Bau Mitte 2020 denkbar“, sagt Josef Vilgertshofer. Ein paar Wochen später könnte Sonnenstrom ins Netz gespeist werden. 

Weitere Anlage denkbar

Weitere Solarparks sind denkbar. Man sei „immer auf der Suche“ nach Grundstücken, so Vilgertshofer. Was aber nicht einfach ist. In Sindelsdorf hatte der Gemeinderat eine Anfrage abgelehnt, da es um eine Landwirtschaftsfläche ging. In Uffing handelt es sich um eine „Konversionsfläche“ – das sind zum Beispiel Streifen entlang von Bahnstrecken und Autobahnen oder mit Bauschutt verfüllte Areale wie in Uffing. Nur für Anlagen auf solchen Flächen gibt es Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Was eine höhere Vergütung und eine Planungssicherheit für 20 Jahre bedeutet, so Vilgertshofer.

Fernwärme zweiter Schwerpunkt

Der zweite Schwerpunkt der Stadtwerke ist der Ausbau des Fernwärmenetzes. „Ich bin überzeugt, dass die Energiewende im Wärmesektor entschieden wird“, sagt Josef Vilgertshofer. „Wir merken auch, dass die Nachfrage groß ist.“ Momentan speist das Biomasseheizwerk an der Birkenstraße das Netz mit einem Anteil von 62 Prozent aus erneuerbarer Energie, womit man 661 Tonnen Kohlendioxid im Jahr einspare, so Vilgertshofer.

Biomasse ist Thema

Seit Oktober steht neben dem Heizwerk ein Blockheizkraftwerk, das einmal Strom für das neue Familienbad und zusätzlich Wärme für das Fernwärmenetz liefern soll. 2023 geht, so die Planung, zudem ein größeres Biomasseheizwerk nahe dem Bauhof in Betrieb, mit dem der Anteil der erneuerbaren Energien am Fernwärmenetz auf über 80 Prozent steigen soll. „Ein relevanter Beitrag zum Klimaschutz“, so der Stadtwerke-Chef.

Massiver Netzausbau 

Damit einher geht der Ausbau des Netzes selbst. Noch heuer sind Teile der Karlstraße und Philippstraße an der Reihe. Nächstes Jahr folgen die Innenstadt mit dem Anschluss von Musikschule, Turnhalle am Josef-Boos-Platz und Stadthalle sowie 2022 der Ringschluss mit dem bestehenden Netz. Dafür veranschlagen die Stadtwerke rund 6,4 Millionen Euro. Was, so Vilgertshofer, aber keine Folgen für Gebühren und Beiträge bei Trinkwasser oder Abwasser habe. Die Fernwärme-Sparte trage sich „durch die Erlöse aus dem Wärmeverkauf und die Baukostenzuschüsse der Anschlussnehmer selbst“.

Warten auf Mieterstrom 

Noch in der Wartephase befinden sich die Stadtwerke beim Mieterstrom-Modell. Momentan sei die Sache noch sehr komplex. Vilgertshofer hofft, dass das Modell entbürokratisiert wird. Ziel der Stadtwerke wäre, auf städtischen Wohnhäusern Photovoltaik-Anlagen zu errichten, deren Strom die Mieter beziehen können. Im Visier sind dabei bereits die städtischen Wohnbaupläne an der Birkenstraße und am Daserweg.

Lesen Sie auch: Energiewende-Ziel wird verfehlt: Stadt- und Gemeindewerke fordern weniger Bürokratie und offensive Förderung.

Ebenfalls interessant: Berge, Wald und Seen im neuen Hallenbad - neue Ideen für „Wohlfühl-Atmosphäre“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Podiumsdiskussion in Wielenbach: Drei Kandidaten, 300 Besucher
„Es ist eine einmalige Veranstaltung“, so Andreas Rutzmoser zur Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten in Wielenbach. Über 300 Besucher waren am Dienstag …
Podiumsdiskussion in Wielenbach: Drei Kandidaten, 300 Besucher
Abschluss an der Berufsschule Schongau: „Da draußen wartet man auf Sie“
123 gut ausgebildete Fachkräfte haben im Winter an der Staatlichen Berufsschule Schongau ihren Abschluss gemacht. Fünf von ihnen mit der Traumnote 1,0. 35 Schüler wurden …
Abschluss an der Berufsschule Schongau: „Da draußen wartet man auf Sie“
Ökologisch in den Traumurlaub - eine Idee aus Habach
Der Habacher Klaus Ehrl hat mit einem Geschäftspartner ein neues Urlaubsportal gegründet. Die Idee: Pauschalurlaubern ein klimafreundlicheres und individuelles Reisen …
Ökologisch in den Traumurlaub - eine Idee aus Habach
„Weilheimer Schule“ in Togo eingeweiht
Die „Weilheimer DERPART-Schule“ in Kagnigbara/Togo ist eröffnet – und das ganze Dorf voller Dank, wie Initiatorin Uta Orawetz von der Einweihung am 10. Februar …
„Weilheimer Schule“ in Togo eingeweiht

Kommentare