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Das neue Heizwerk neben der alten Wellenbad-Turnhalle (rechts); im Bild von links Planer Ben Ludwig vom Ingenieurbüro Sendl, Stadtwerke-Vorstand Josef Vilgertshofer und Klimaschutzbeauftragter Patrick Jähnichen.

Neues Fernwärme-Heizwerk kurz vor dem Start

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Die Stadtwerke weiten ihr Fernwärme-Netz in Penzberg aus. Herzstück ist ein Kraftwerk, das voraussichtlich Ende nächster Woche in Betrieb geht.

Penzberg - 1100 Meter Fernwärmeleitung haben die Stadtwerke verlegt. Zugleich errichteten sie ein neues Heizwerk zwischen der alten Wellenbad-Turnhalle und dem Jugendtreff „Chillout“. Es soll Ende nächster Woche in Betrieb gehen. Die Stadtwerke erweitern damit deutlich das Penzberger Fernwärmenetz. Sie investierten netto rund 2,1 Millionen Euro. Bislang versorgte eine Heizzentrale im Wellenbad das Hallenbad selbst, die zwei benachbarten Sporthallen sowie das AWO-Kinderhaus und die Grundschule an der Birkenstraße. Nun kommen das AWO-Seniorenzentrum sowie mehrere Mehrfamilienhäuser an der Karlstraße, Gartenstraße und Zugspitzstraße dazu. Ein Teil der Häuser ist noch im Bau – am Ende werden laut Stadtwerke-Mitarbeiter Patrick Jähnichen um die 140 Wohnungen über die neuen Fernwärmeleitungen versorgt. Nächstes Jahr, so der Plan, werden auch die Realschule und das Gymnasium angeschlossen.

Das neue Heizwerk soll die alten und die neuen Abnehmer versorgen. Das warme Wasser – enthärtet, entsalzt und entgast – fließt von dort durch die Fernwärmeleitungen zu den Gebäuden, wo über einen Wärmetauscher die Heizung betrieben wird. Zur Veranschaulichung: Das Kraftwerk könnte laut Stadtwerke umgerechnet rund 200 Einfamilienhäuser unter Volllast – das heißt, wenn alle die Heizung aufdrehen und gleichzeitig heiß duschen – versorgen. Es hat zwei Heizkessel, die mit Hackschnitzel gefüttert werden, sowie einen Spitzenlast-Kessel, der mit Erdgas betrieben wird.

Laut Stadtwerke besteht der Energie-Mix zu 38 Prozent aus Erdgas und zu 62 Prozent aus Hackschnitzel. Letzteres sei aus der Region, von der „Bäuerlichen Hackschnitzel-Liefergemeinschaft Riegsee“, so Vilgertshofer. Zwei- bis dreimal in der Woche würden die Hackschnitzel per Lkw angeliefert. Der Behälter des Heizwerks fasse, so Jähnichen, rund 55 Kubikmeter Hackschnitzel, was in der intensiven Heizphase etwa für zwei Tage reiche.

Der Stadtwerke-Chef will entlang der neuen Leitungstrasse weitere Abnehmer der Fernwärme gewinnen. Kontakte gebe es bereits. Auch das geplante Neubaugebiet an der Birkenstraße käme in Frage. Reserven wären vorhanden, so Vilgertshofer, zumal das geplante neue Hallenbad ein eigenes Blockheizkraftwerk erhalten soll, das zusätzlich Wärme für das neue Wärmenetz liefern würde.

Für Abnehmer sieht er mehrere Vorteile. Sie würden massiv Kohlendioxid einsparen, wenn sie von einer Ölheizung auf Fernwärme umrüsten. Für den Start beziffert er die Einsparung mit 661 Tonnen im Jahr. Außerdem spricht Vilgertshofer von einem „Rundum-Sorglos-Paket“: Der Abnehmer spare sich Unterhalt, Wartung, Schornsteinfeger, gegebenenfalls die laufende Prüfung des Öltanks sowie den Kauf einer neuen Heizanlage, falls er gerade an eine solche Investition denkt. Außerdem gewinne er Platz im Keller, weil er keinen Kessel oder Brenner mehr brauche. Ebenso müsse er nicht mehr darauf achten, wann der Öl- oder Gaspreis niedrig ist, fügt Jähnichen an. Im Vergleich zu Öl- oder reinen Gaslösungen mit ihren Kosten für Wartung und ähnlichem sei die Fernwärme der Penzberger Stadtwerke günstiger, wirbt Vilgertshofer.

Der aktuelle Netzausbau in Penzberg soll nach Vorstellung der Stadtwerke nicht das Ende sein. Es gibt Überlegungen, auch das Viertel südlich und östlich der Stadthalle – mit Bürgermeister-Rummer-Straße, Feuerwehrhaus, BRK-Gebäude, ehemaligem Metropol-Kino, Volksschule und Awolino-Kindergarten – mit Fernwärme zu versorgen, voraussichtlich als „Insellösung“ über ein eigenes Heizwerk. Bislang ist dies aber noch Zukunftsmusik – und zwar solange, bis sich die Stadt im Klaren ist, was städteplanerisch mit Layritzhalle, Feuerwehr, BRK, Polizei und den zwei alten Schulturnhallen passiert.

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