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Chor und Orchester um Günther Pfannkuch (l.) und Bariton Christian Feichtmair am Samstagabend in Christkönig. 

„ländliche konzerte penzberg“  

Stehende Ovationen für „Luther“

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Wieder mal eine große Uraufführung bei den „Ländlichen Konzerten“. Für die Uraufführung von Holger Jungs „Luther - musical pictures“ gab es stehende Ovationen.

Penzberg –  Dass diese Reihe alle zwei, drei Jahre mit einem neuen, großen Werk von Holger A. Jung locken kann, ist ein Stück Normalität geworden. Man muss sich also wieder mal bewusst machen, welch Glücksfall das doch ist: Dass hier ein Komponist aus der Region und eine bestens gepflegte Konzertreihe mit einem für Neues stets offenen künstlerischen Leiter zusammentreffen. Und dass in stolzer Zahl Sänger und Musiker vor Ort sind, die solche Visionen mit Begeisterung und Können umsetzen.

Zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ hat Holger Jung (44) Texte des Reformators Martin Luther ausgewählt und ihnen ein neues, zeitgemäßes musikalisches Gewand verpasst: „Luther – musical pictures“ heißt die rund einstündige Kantate, die am Wochenende zweimal in der Penzberger Stadtpfarrkirche Christkönig aufgeführt und gefeiert wurde. Und nebenbei wurde damit auch noch ein wunderbares Zeichen gesetzt: ein Luther-Abend in einer katholischen Kirche – „herzlich willkommen in Penzberg, der Stadt der Ökumene“, sagte Hausherr Pfarrer Bernhard Holz bei der Uraufführung am Samstagabend vor knapp 300 Zuhörern. Mit ihm begrüßte (an seinem ersten Dienst-Tag vor Ort) Penzbergs neuer evangelischer Pfarrer Julian Lademann.

Zur Einstimmung auf das Hauptwerk des Abends erklang zunächst Samuel Barbers „Adagio for Strings“ aus dem Jahr 1938: purer Wohlklang von den Streichern des „Sinfonieorchesters im Pfaffenwinkel“. Der Chor stellte sich mit drei Spirituals a cappella vor: In kunstvollen, zugleich ans Herz rührenden Arrangements von William Levi Dawson bot das „Vocalensemble Penzberg“ füllig-ausgewogenen Klang, eindrucksvoll im Forte, fein in den Piano-Stellen. Zu wünschen blieb da nur noch, dass der Chor diese ausdrucksstarken Spirituals wie „Oh Freedom“ auswendig sänge (und dadurch automatisch noch freier). Zur Luther-Uraufführung gesellten sich dann Bläser, Percussion, Schlagzeug und zwei Gesangssolisten zum Ensemble, das insgesamt rund 110 Mitwirkende zählte. In fünf musikalischen Bildern führt Komponist Holger Jung, der selbst Piano spielte, das Leben und vor allem das Werk des Reformators vor Ohren: Luther, den Rebellen, und Luther, die Legende; seine Verfolgung, seine Haltung zu den Sakramenten und sein Glaubensbekenntnis. Bekannte Texte wie „Ein feste Burg ist unser Gott“ erklingen teils in Luthers poetisch-kräftigem Deutsch, teil in altem Englisch – und stets mit neuer Musik, für die Jung klassische sinfonische Motive mit Jazz- und Gospel-Elementen verbindet. Eine starke Wirkung entfaltet dabei, dass die Solisten ein klassischer Bariton (Christian Feichtmair) und eine swingende Soulstimme (Barbara Mayr) sind. Der rund 70-köpfige Chor hat mal im Vorder-, mal im Hintergrund eine tragende Rolle.

Das „Vocalensemble“ sang bei der Uraufführung unter Leitung von Günther Pfannkuch leidenschaftlich und präzise, in teils Filmmusik-artigen Klangbildern durfte das Orchester schwelgen – das ergab ein ausdrucksstarkes, seelenvolles Gesamterlebnis. Langer Applaus und stehende Ovationen am Samstagabend für ein Projekt, das nicht ein Luther-Denkmal baut, sondern mit den Gaben der Musik lebendigen Glauben feiert.

Nächste Termine

der „Ländlichen Konzerte“: Lieder & Texte zur „Penzberger Mordnacht“ (Freitag, 28. April, 18.30 Uhr, Gymnasium) • Liederabend mit Tenor Nikolaus Pfannkuch & Pianistin Pauliina Tukiainen (Donnerstag, 4. Mai, 20 Uhr, Grundschule Südstraße).

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