Das Roche-Werkgelände hat eine Größe von etwa 46 Hektar. Die gewünschte Erweiterungsfläche (rot) umfasst knapp 13,5 Hektar. Der festgelegte Geltungsbereich für den Bebauungsplan reicht darüber hinaus.
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Das Roche-Werkgelände hat eine Größe von etwa 46 Hektar. Die gewünschte Erweiterungsfläche (rot) umfasst knapp 13,5 Hektar. Der festgelegte Geltungsbereich für den Bebauungsplan reicht darüber hinaus.

Penzberger Werk soll um 13,5 Hektar wachsen

Roche-Erweiterungspläne - holpriger Start im Penzberger Stadtrat

  • vonWolfgang Schörner
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Der Penzberger Stadtrat hat gegen die Stimmen der Grünen das Bebauungsplanverfahren für eine Erweiterung des Roche-Werkgeländes auf den Weg gebracht. Damit wird die Voraussetzung geschaffen, dass das Werk im Nonnenwald von etwa 46 auf knapp 60 Hektar wachsen kann. Die Grünen wollten dem Unternehmen nur vier Hektar zugestehen.

Penzberg – Den Wunsch, das Werkgelände um knapp 13,5 Hektar zu vergrößern, hatte das Biotech-Unternehmen Roche bereits im Oktober bekannt gegeben. Die Fläche, die etwa 18 Fußballfeldern entspricht, liegt im Norden und Nordosten des Werks. Der Wald gehört den Bayerischen Staatsforsten. Um daraus Bauland zu machen, ist ein Bebauungsplan nötig. Das Verfahren, das Roche bezahlt, brachte der Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwoch in Gang. Der Geltungsbereich umfasst nicht allein die Erweiterungsfläche, sondern zusätzlich 12,5 Hektar bis zu den nördlich und östlich gelegenen Forstwegen.

Eigentlich sollte es schnell gehen - doch die Grünen wollten nicht mitspielen

Eigentlich wollte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) die Sache am Mittwochabend schnell über die Bühne bringen. Es gehe um den Beginn des Bebauungsplanverfahrens, „das heißt also nicht, dass morgen gebaut werden kann“, sagte er. Wegen der Corona-Pandemie, so die Absicht, sollte die Stadtratssitzung nach der Marvel-Fusion-Diskussion nicht noch weiter in die Länge gezogen werden. Die Grünen-Fraktion mochte da aber nicht mitspielen – was im Plenum zum Teil für hitzige Erregung sorgte.

Grünen-Fraktion will Unternehmen in ersten Schritt nur vier Hektar zugestehen

Katharina von Platen (Grüne) sagte, dass sich im nördlichen Teil gesetzlich geschützte Flächen befänden. Außerdem sei man zum Flächensparen verpflichtet, das Unternehmen habe selbst mitgeteilt, dass es Potenzial für Nachverdichtung auf dem Werkgelände habe. Der Bebauungsplan, sagte sie, bedeute nicht nur eine Vergrößerung von Roche, sondern habe auch massive Folgen für die Infrastruktur, die die Stadt zu zahlen habe. John-Christian Eilert (Grüne) schlug vor, in einem ersten Schritt vier Hektar im Nordosten als Erweiterungsfläche zu überplanen, „weil sie vom Naturschutzwert her nicht so problematisch sind“. „Wir wollen Roche nicht bremsen“, erklärte Fraktionschefin Kerstin Engel, die Grünen hätten bisher jeder Erweiterung und Erhöhung zugestimmt. Auch sie verwies auf das Nachverdichtungspotenzial. Roche sei ein Konzern, der legitimerweise wirtschaftlich denkt; in die Fläche zu bauen, sei eben billiger als zu verdichten, sagte Engel, die selbst bei Roche arbeitet. „Sollte Roche mir jetzt kündigen, wissen wir wenigstens warum“, fügte sie an.

Bürgermeister: Roche braucht Fläche zur Zukunftssicherung

Bürgermeister Korpan entgegnete, Roche verdichte sehr wohl. Wegen des Funktionszusammenhangs sei es aber manchmal sinnvoll, neue Gebäude woanders anzusiedeln. Das Unternehmen, sagte er, wolle die Erweiterungsfläche als Zukunftssicherung: Sollte die Konzernzentrale in Basel über neue Projekte entscheiden, habe der Penzberger Standort im konzerninternen Wettbewerb nur dann eine Chance, wenn er eine Fläche habe. Ähnlich formulierte es Vize-Bauamtsleiter Günter Fuchs – was ihm den Grünen-Vorwurf einbrachte, Roche-Werbetexte zu zitieren. Zum Geltungsbereich des Bebauungsplans, der größer als die gewünschte Erweiterungsfläche ist, erklärte Fuchs, es mache Sinn, an die Forstwege heranzurücken. Die zusätzliche Fläche stehe im Verfahren für eine ökologische Aufwertung oder als Ausgleichsflächen zur Verfügung. Die Naturschutzbehörde sehe das auch so, fügte er an.

Roche-Erweiterungspläne: Andere Fraktionen stimmen zu - und es gibt Kritik an den Grünen

Zustimmung kam von den anderen Fraktionen. Adrian Leinweber (SPD) wies darauf hin, dass man im Verfahren „immer die Hand drauf“ habe. Gisela Geiger (CSU) griff die Grünen an: Sie könne es nicht verstehen, dass die Erweiterung eines so gut funktionierenden Unternehmens in Zweifel gezogen werde. Andere Städte würden Penzberg beneiden. „Wir sollten Danke sagen, dass Roche erweitern möchte.“ Armin Jabs (BfP) sagte, man gebe dem Unternehmen mit dem Verfahrensstart das Zeichen, „dass wir zu ihm stehen“.

Mit Ja votierte auch „Penzberg miteinander“, deren Mitglied Martin Janner im Bauausschuss noch Nein gesagt hatte. Vorbereitet hatte die Fraktion eine Stellungnahme: Sie wollte im Beschluss den Zusatz verankern, dass Stadtrat und Roche in einer Klausursitzung konkrete Lösungsvorschläge für die Infrastrukturfolgen entwickeln. Dazu kam es aber nicht. Nick Lisson (CSU) beantragte das Debatten-Ende, womit die Mehrheit einverstanden war. „Sonst diskutieren wir ewig“, schimpfte Korpan, „obwohl ersichtlich ist, dass es eine Mehrheit gibt.“

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