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Telefonzelle als Bücherschrank: Beispiel aus Magdeburg

Penzberg testet: Bücher aus der Telefonzelle

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In Penzberg wird nächstes Jahr ein öffentlicher Leseschrank aufgestellt – voraussichtlich in Form einer alten ausrangierten Telefonzelle, die dafür umgebaut werden muss.

Penzberg - Der Stadtrat stimmte in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich für einen Leseschrank-Testlauf. Die BfP-Fraktion, die den Bücherschrank vorgeschlagen hatte, erklärte sich zugleich bereit, im ersten Jahr die Patenschaft zu übernehmen. Laut Beschluss soll die Telefonzelle zunächst ein halbes Jahr auf dem Stadtplatz stehen, wie von der BfP gewünscht, und ein halbes Jahr beim Bahnhof. Bei derartigen Leseschränken können Menschen Bücher zum Lesen herausnehmen und selbst Bücher hineinstellen.

Der Entscheidung vorausgegangen war eine kontroverse Diskussion über den Standort. Während die BfP einen Leseschrank bei den Bänken am Stadtplatz vorgeschlagen hatte, warnte Büchereileiterin Katrin Fügener davor. In einem Leseschrank auf dem Stadtplatz könnten Bücher aus der benachbarten Stadtbücherei landen – weil Büchereikunden sie als Rückgabebox missverstehen, sagte sie. „Ich bitte um Verständnis, dass ich dann um eine Budgeterhöhung bitten muss, weil wir Bücher nicht zurückbekommen.“

Regina Bartusch (SPD) schlug deshalb vor, den Bahnhof als Standort auszuwählen. „Er erscheint mir geeigneter.“ Die Wartehalle sei trocken und der Bahnhof mit täglich 1800 Fahrgästen hoch frequentiert, fügte Bürgermeisterin Elke Zehetner hinzu. Die Stadtverwaltung nannte neben dem Bahnhof als Alternative auch die Berghalde, Gut Hub, den Kirchplatz und ein „gut zugängliches Foyer eines Geschäfts“, zum Beispiel einer Bank.

Gar nicht einverstanden war Wolfgang Sacher (BfP) mit der Bahnhofshalle. „Da stinkt es nach Urin“, sagte er. Der Ort sei schlecht einsehbar und die Gefahr groß, dass der Leseschrank beschädigt wird. Es gehe darum, den Stadtplatz zu beleben, erklärte Sacher. Eine Verwechslungsgefahr mit der Stadtbücherei bei der Bücherrückgabe sah er – wie André Anderl (Freie Fraktion) – nicht. „Die Leute sind doch nicht dumm“, so Sacher. Und wenn sie Bücher der Stadtbücherei nicht zurückgeben, müssten sie sowieso Strafe zahlen.

Den „Vorschlag zur Güte“ machte Thomas Keller (SPD): ein Jahr Testlauf auf dem Stadtplatz, damit die benachbarte Stadtbücherei Erfahrungen damit sammeln kann. Woraus ein paar Wortmeldungen später der Kompromiss wurde: ein halbes Jahr Stadtplatz und ein halbes Jahr Bahnhof.

Eine andere Frage war relativ schnell geklärt – die Frage nach einem Paten. Rüdiger Kammel (BfP) erklärte, dass die „Bürger für Penzberg“ im ersten Jahr die Patenschaft übernehmen würden. Wichtig ist die Betreuung, hieß es, damit der Leseschrank nicht als Müllplatz missbraucht wird und damit dort keine Hetzschriften platziert werden. Der Beschluss fiel am Ende gegen die Stimmen der SPD-Stadtratsmitglieder Markus Bocksberger, Markus Kleinen, Ute Frohwein-Sendl und Adrian Leinweber, der sich eine „versiffte Telefonzelle am Stadtplatz“ nicht vorstellen konnte. Was Rüdiger Kammel mit dem Satz konterte: „Die Telefonzelle muss natürlich ansehnlich sein.

Richtig Ärger gab es in einer anderen Sache: Stadtratsmitglied Sacher (BfP) warf Bürgermeisterin Zehetner vor, die Stadtbüchereileiterin Fügener angewiesen zu haben, eine inhaltliche ablehnende Stellungnahme zum Leseschrank zu schreiben und nachzuschauen, ob Sacher einen Büchereiausweis hat. „Es ist traurig, wenn das jedem Antragsteller so geht“, sagte Sacher. Und: „Einen Büchereiausweis habe ich nicht.“ Bürgermeisterin Zehetner reagierte empört auf den Vorwurf. Büchereileiterin Fügener sagte: „Ich lasse mich von niemanden in meiner Meinung beeinflussen, egal, ob sie der Bürgermeisterin passt oder nicht.“ Um seinen Vorwurf zu untermauern, veröffentlichte Sacher danach zwei E-Mails vom 30. November, in denen Zehetner („ein ziemlicher Affront gegen unsere Bücherei“) an die Büchereileiterin schreibt: „Zeigen Sie von allen Seiten, dass Penzberg bereits bestens mit Lese Material durch unsere Stadtbücherei versorgt ist...“ und „Vielleicht können Sie diesen Antrag inhaltlich ablehnend niederschreiben....“ Die E-Mail-Abschrift war – offenbar versehentlich – in die Sitzungsunterlagen der Stadtratsmitglieder geraten.

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