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Virtuosen auf Augenhöhe: (v.l.) Martin Tingvall, Omar Rodriguez Calvo und Jürgen Spiegel in der Schul-Aula. foto: riesenhuber
Virtuosen auf Augenhöhe: (v.l.) Martin Tingvall, Omar Rodriguez Calvo und Jürgen Spiegel in der Schul-Aula. © Riesenhuber

Penzberg – „Tingvall Trio“ stand am Samstagabend auf dem Programm der „Jazz-Zeche“. Und wem das schwedisch vorkam, der hatte zumindest teilweise Recht.

 Der besondere Klang und Erfolg des internationalen Ensembles, das dreimal mit dem „Echo Jazz“ gekrönt wurde und auch bereits zum dritten Mal (nach 2008 und 2011) in Penzberg gastierte, liegt gewiss darin begründet, dass es drei außergewöhnliche Musiker vereint.

Der Kubaner Omar Rodriguez Calvo am Kontrabass hat eine eindrückliche Art, seine Töne klangvoll einschwingen zu lassen. Er spielt aber auch leichte Flageoletts und ist mit seinen markanten Riffs immer präsent. Wenn Jürgen Spiegel, der in Bremen geborene Schlagzeuger, sein Blech zischen lässt, dann steigt ein wilder Nebel in der Musik auf, in dem der Bass die Orientierung gibt. Rasant, kraftvoll und einfallsreich ist sein Spiel. Pianist Martin Tingvall schließlich stammt aus Schweden, und er ist als Komponist des Trios für die schwedischen Titel von Songs und Alben verantwortlich. Viele seiner Stücke beginnen mit einem sehr melodiebetonten Thema, oft ein bisschen schwermütig. Jazz mit nordeuropäischer Prägung eben. Irgendwann dann bricht er aus – in perlenden Arabesken –, oder er schreitet musikalisch in immer entferntere Harmonien, setzt Staccatorhythmen und Dissonanzen ein. Manchmal kommt es einem in diesem Konzert vor, als beobachte man drei Musiker, die sich auf einem gemeinsamen Spaziergang befinden. Plötzlich nimmt das Klavier Reißaus, und im nächsten Moment rennen alle drei in verschiedene Richtungen davon – um sich bald ganz selbstverständlich an der nächsten Straßenecke wieder zu treffen.

Aus manchem Stück, etwa aus „Sevilla“, wäre auch ein guter Rocksong geworden: Es gab lyrische Strophen, einen kraftvollen Refrain und treibende Rhythmen. Den Titel allerdings hätte man kaum erraten können. Jazzer benennen einen Song ja manchmal nach dem Ort, an dem er entstanden ist – aber der Zuhörer erkennt an der Musik nicht unbedingt, ob es sich um „Midnight in Paris“ oder „A Day in Geretsried“ handelt. Das ist auch bei Tingvall so. Eine Ausnahme bildete „De gammla ek – die alte Eiche“, das mit einer sanft gestrichenen Linie im Kontrabass und leichten, schwebenden Dissonanzen in der Melodie begann. Der großen Ruhe dahinschreitender Harmonien war viel Bewegung im Kleinen gegenübergestellt – wie bei einem alten, mystischen Baum, in dessen Blättern der Wind spielt.

Heribert Riesenhuber

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