Autor und Architekt Stephan Jocher mit einem Bild von der Barbarakapelle.
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Autor und Architekt Stephan Jocher mit einem Bild von der Barbarakapelle.

Zum Barbaratag

„Total vernarrt“ in die Barbarakapelle - Buch über die Penzberger Jungritter und ihre Kapelle

  • vonWolfgang Schörner
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Seit 17 Jahren steht die Barbarakapelle auf der Penzberger Berghalde. Kein langer Zeitraum. Dennoch ist vielen Menschen der Ursprung nicht bekannt. Diese Erfahrung hat jedenfalls Stephan Jocher gemacht. Er hat deshalb ein Buch über die Kapelle geschrieben, das passend zum heutigen Barbaratag erscheint. Der Auslöser war ein Anruf aus Köln.

Penzberg – Es war der 19. Oktober 2003. An diesem Sonntag vor 17 Jahren wurde auf der Berghalde die Barbarakapelle eingeweiht. Der Jungritter-Verein hatte sie mit Unterstützung von Spendern und Helfern errichtet. In vielen Dingen nimmt die Kapelle Bezug auf die Bergwerkszeit: Da ist zum Beispiel der Standort, die Berghalde, die einst aus der Hinterlassenschaft des Bergbaus entstanden ist. Oder der Name, der sich auf die Heilige Barbara bezieht, die Schutzpatronin der Bergleute. Und da ist die Ruhrpott-Kohle, die sich unter dem Altar befindet.

Stephan Jocher: Auslöser für das Buch war ein Anruf aus Köln

Vieles gerate in Vergessenheit, hat Stephan Jocher erfahren. Er ist der Architekt der Kapelle. Mit dem Gedanken, die Erinnerung in einem Buch zu bewahren, hat er sich schon längere Zeit getragen. Der Auslöser war jedoch ein Anruf aus der Erzdiözese Köln. „Die haben auf den Knopf gedrückt“, sagt Stephan Jocher.

Die Geschichte geht so: In Weilerswist, einer Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, wollte die Pfarrei eine Kapelle bauen. Und sie wollte, dass Jocher ihnen genau so ein Exemplar wie die Barbarakapelle plant. Angeblich soll eine Delegation sogar in Penzberg gewesen sein, um sich die Kapelle anzuschauen. Eine Kunstkommission der Diözese habe gesagt, dass die Barbarakapelle von herausragender Architektur und Planungsqualität sei. Wie sie auf Penzberg kamen, weiß Jocher allerdings nicht. „Jedenfalls waren sie in die Kapelle total vernarrt.“

Jocher wird nun tatsächlich für Weilerswist eine Kapelle planen. Sie wird aber nicht aussehen wie die Barbarakapelle. Für ihn war das Interesse zugleich der Auslöser, das Buch zu schreiben. Vier bis fünf Monate dauerte die Arbeit. Am heutigen Freitag, dem Barbaratag, soll es erscheinen.

Die Barbarakapelle, die Jungritter und die Berghalde

In dem reich bebilderten Buch erzählt Altbürgermeister Hans Mummert im Vorwort, dass die Jungritter, deren Gründungsmitglieder fast ausschließlich Bergleute waren, einen besonderen Gedenkort der Penzberger Stadtgeschichte geschaffen haben. Treibende Kraft war der damalige Vorsitzende Toni Lenk. „Wir sind einige von den letzten alten Bergleuten und möchten nicht, dass das alles in Vergessenheit gerät.“ So wird der 2007 verstorbene Lenk in dem Buch zitiert.

Stephan Jocher beschreibt auf dem 90 Seiten die Jungritter, die 2018 den Kulturpreis der Stadt Penzberg erhielten, umreißt die Bergbauzeit und stellt die Heilige Barbara vor. Breiten Raum nimmt die minimalistisch gehaltene Architektur der Kirche aus Tuffstein und Holz ein. Ein Architekturbuch, sagt Jocher, habe er aber nicht schreiben wollen.

Ihm ging es um die Idee, die hinter der Kapelle steckt. So erinnert der Holzrahmenbau im Inneren an einen Bergwerksstollen. Inspiration für die Kapelle und ihren frei stehenden Glockenturm holte er sich vom Campendonk-Bild „Die Barbarazeche Penzberg“. Auf diesem Bild ist ein Gebäude neben einem Förderturm zu sehen.

Seitenfenster der Barbarakapelle stammen aus Benediktbeuern

Was wenigen Besuchern bekannt ist: Die Seitenfenster der Barbarakapelle stammen aus der Herz-Jesu-Kapelle in Benediktbeuern, die 1967 wegen eines Straßenbaus abgerissen wurde. Sie stand bis dahin an der Einmündung der Prälatenstraße in die B11. Jochers Vater hatte damals für den Erhalt der Herz-Jesu-Kapelle gekämpft. Die Hinterglasbilder, erzählt Stephan Jocher, seien seither „auf unserem Speicher gelegen“. Er habe sie restauriert und in die Barbarakapelle eingebaut. In dem Buch erzählt er außerdem, dass ein Weihwasserkessel und eine Steinfliese aus der früheren Penzberger Barbarakirche stammen, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Ohne den Einsatz und den Willen der Jungritter wäre die Kapelle nie entstanden, sagt Jocher. Für ihn selbst sei es eine verantwortungsvolle Aufgabe gewesen. „So etwas ist ja nichts Alltägliches.“ Sein Herz hängt an der Kapelle. Da oben, sagt der Penzberger, sei auch sein erstes Enkelkind getauft worden.

Das Buch mit dem Titel „Barbarakapelle Penzberg“ erscheint in einer limitierten Auflage von 1000 Stück für je 22,40 Euro. Es ist laut dem Autor vorerst nur bei der Buchhandlung Rolles erhältlich.

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