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Die Stadt- und Bergknappenkapelle spielte auf dem Kirchplatz ein Geburtstagskonzert.

Erinnerung an den Bergbau

Tradition in Penzberg: Bergknappen-Verein feierte sein Jubiläum

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Die Bergknappen-Verein Penzberg wird heuer 50 Jahre alt. Das wurde nun groß gefeiert.

Penzberg – „Es ist Tradition der Bergleute, nicht nur auf die Technik zu vertrauen, sondern auch auf den Schutz Gottes.“ Penzbergs katholischer Pfarrer Bernhard Holz machte am Samstag beim ökumenischen Gottesdienst in der Christkönigkirche deutlich, welche irdischen und geistlichen Beistände die Beschäftigten bei ihrer gefährlichen Arbeit unter Tage brauchen. Heute noch und damals, als es das Penzberger Kohlebergwerk noch gab. 1966 wurde dort der Betrieb eingestellt, zwei Jahre später gründete sich der Bergknappen-Verein – mit dem Gottesdienst starteten die Mitglieder in die Feier zum 50-jährigen Bestehen.

„Die Bergleute und ihre Familien haben Penzberg geprägt“, sprach der evangelische Pfarrer Julian Ladenmann. In seiner Martin-Luther-Kirche ist das heute noch so: Immer zu Karfreitag kommen die Bergknappen zum Gottesdienst, in der Kirche sorgt dann eine Grubenlampe für das einzige Licht. Es sei wichtig, „dass in unserer geschichtsvergessenen Gegenwart die Erinnerung hochgehalten wird“, ergänzte sein katholischer Pfarrerkollege Holz. Genau dies hat sich der Verein auf die Fahne geschrieben. Darauf wies Vorsitzender Ludwig Schmuck beim Festabend im Barbarasaal des Pfarrzentrum, zu dem es nach Festzug und Kranzniederlegung am Ehrenmal ging. Schmuck erinnerte an das Jahr der Bergwerksschließung. „1966 war Totenstimmung in Penzberg.“ Aber auch daran, dass es schnell aufwärts ging. „Das Blatt wendete sich.“ Eine Aufbruchstimmung, die der Vorsitzende selbst erlebt hatte. Genauso, wie er die 28 Gründungsmitglieder – die an jenem 27. November 1968 in der Gaststätte „St. Barbara“ den Verein aus der Taufe hoben – noch persönlich kannte. Schmuck war selbst mit 14 Jahren als Schlosserlehrling in das Bergwerk gegangen. In der Folgezeit feierte der Verein viele Erfolge in seinem Bemühen, die Erinnerung an die Kohle-Zeit aufrechtzuerhalten. Das 1974 eröffnete Bergwerksmuseum, 2006 das Seilbahndenkmal auf der Berghalde, 2010 der Bergbaupfad, die Grubenhunte an den Ortseingängen, die „Bockerl“-Lok an der oberen Bahnhofstraße, zuletzt das Bergmanns-Buch von Michael Mayr und die geselligen Veranstaltungen: Die Liste des Engagements ist lang.

Kein Wunder, dass es lobende Worte von Bürgermeisterin Elke Zehetner gab. Die Rathauschefin war zuvor auf dem Kirchplatz in den überraschenden Genuss eines Ständchens der Stadt- und Bergknappenkapelle gekommen – Zehetner feierte unlängst ebenfalls ihren 50. Geburtstag. Das Wirken des Bergknappen-Vereins „macht die Stadt stolz“, sagte sie. Denn zu einem funktionierenden Stadtleben gehöre laut Zehetner, „dass man seine Wurzeln bewahrt und pflegt“. Doch dies sei nicht so einfach, wie der Vereinschef mahnte. Ludwig Schmuck machte deutlich, dass es für eine weiter so erfolgreiche Arbeit auch Nachwuchs braucht. „Es wäre schade, wenn nur noch Gegenstände und Tafeln an 170 Jahre Bergbau in Penzberg erinnern würden“, sagte er, „aber kein Mensch mehr die Tracht der Bergleute trägt.“

Der Verein jedenfalls will, einen weiteren Beitrag leisten. 1918 begann der Kohleabbau im Nonnenwald. Wo einst der Schacht war, steht heute das Roche-Werk. Mitte Oktober wollen die Bergknappen beim Firmen-Parkhaus das Modell des früheren, 48 Meter hohen Förderturms aufstellen. Derzeit arbeitet die Lehrwerkstatt von HAP an dem drei Meter hohen Denkmal, verriet Schmuck. 1918 fing sein Vater Franz Schmuck im Nonnenwald als Bergmann an. Die Grube prägte viele Familien in Penzberg. Bis heute.

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