Und plötzlich brennt es: Andreas Polzer führt seine Tricks direkt am Publikum vor.

Trickreich: Wie Andreas Polzer zum Zauberer wurde

Zauberer? Gibt es nicht. Natürlich nicht. Und trotzdem ist Andreas Polzer ein Zauberer. Oder wie nennt man jemanden, der Gabeln verbiegen kann, ohne sie zu berühren, und der aus einer Restaurantrechnung einen 50 Euro-Schein zaubern kann?

Penzberg – Zauberer „Andi von Enjoy Magic“ – so der Künstlername – sitzt ganz dicht vor seinem Publikum. Jede noch so kleine Bewegung, die er tut, kann sehen. Glaubt man. Und doch verwandelt sich ein zusammengefaltetes Stück Papier unmittelbar vor den Augen des gebannt Beobachtenden in einen Geldschein. Und verbiegen sich die Zinken einer ganz normalen Gabel, ohne dass Zauberer Andi sie auch nur berührt hätte. Wie er das macht? Verrät er natürlich nicht. Berufsgeheimnis.

Vor etwa vier Jahren, erzählt der 23-jährige Penzberger, war es ein Kollege am Finanzamt Starnberg, wo Polzer als Finanzbeamter arbeitet, der ihn für die Zauberei begeisterte. „Dann habe ich es selbst ausprobiert. Und es hat mich sofort gepackt.“ Im Internet, anhand von Büchern und DVDs eignet er sich die Grundlagen der magischen Illusion an. Zusätzlich besucht er Seminare bei einem Zauberverein. 2015 beginnt Polzer zusammen mit Zauberer-Kollegen „Joe“ mit ersten Auftritten vor durchwegs erwachsenem Publikum – unter anderem bei der Firma Roche in Penzberg oder in der Fasanerie in München. Mittlerweile ist das Duo so erfolgreich, dass Polzer bei seinem Job im Finanzamt kürzer tritt. Vor kurzem hat er sich als Zauberkünstler selbstständig gemacht. „Und es läuft ganz gut.“

Oft werde er bei seinen Auftritten zunächst spöttisch belächelt. Zauberer? Ist doch was für Kindergeburtstage. Bis er zum Beispiel den Trick mit der Gabel vorführt. Optische Illusion nennt man diese Art der Zauberei. Dann lache niemand mehr. „Die Leute finden es toll.“ So genannte „Close-up“-Zauberei ist Polzers Spezialgebiet. Das bedeutet, er zieht nicht oben auf der Bühne seine Show ab, sondern sitzt ganz dicht vor seinem Publikum und bindet es mit ein. Mehr als ein kleines schwarzes Köfferchen trage er nicht bei sich. So könne er sich unbemerkt unter die Gäste einer Firmenfeier oder eines Geburtstags mischen. Das erhöhe den Überraschungseffekt.

Auf technische Effekte verzichtet er bewusst. „Aber man bedient sich an allem, was die menschliche Wahrnehmung täuschen kann.“ Beispielsweise Psychologie, verbale Ablenkung oder visuelle Tricks. „Erwachsene wollen geistig gefordert werden. Das ist anspruchsvoller für den Zauberer.“ Kindershows mache er nicht.

Inspirationen für neue Tricks holt er sich etwa im Internet oder aus Büchern. Geübt wird täglich mindestens eine Stunde. Wer fleißig sei und Spaß daran habe, Menschen zu unterhalten, könne Zauberer werden. Diese Kunst zu erlernen sei keine Zauberei.

Text: Franziska Seliger

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