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TSV-Turnerinnen in den 1920er Jahren.

Ein Blick auf anno dazumal 

120 Jahre TSV Penzberg: Turnen im kleinen Bergarbeiterort

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In Berlin herrscht Kaiser Wilhelm II., in Friedrichsruh stirbt Reichskanzler Bismarck. In Frankreich veröffentlicht Emile Zola in der Dreyfus-Affäre seine berühmte Schrift „Ich klage an“. Spanien und die USA befinden sich im Krieg. Es ist das Jahr 1898. In Penzberg gründet sich damals der TSV. Heuer wird er 120 Jahre alt – und das feiern die Sportler.

Penzberg – Penzberg ist vor 120 Jahren noch ein kleiner Bergarbeiterort mit etwas mehr als 4000 Einwohnern. Der Kohleabbau bestimmt das Leben. Jahrzehnte zuvor hat Friedrich Ludwig Jahn, bekannt als Turnvater Jahn, die deutsche Turnbewegung initiiert, die damals noch politisch gegen die napoleonische Besetzung gerichtet war. In Folge gründen sich viele Turnvereine, einige tragen noch heute den Turnvater Jahn im Namen.

Begeisterung für die aufstrebende Turnerbewegung habe auch bei der Gründung des TSV Penzberg Pate gestanden, schreibt der Verein in einer Chronik. „Hochpatriotisch“ habe der Schriftwart das Vorhaben nach einer ersten Zusammenkunft am 4. Juni 1898 genannt. Damals wird die Gründung eines Turnvereins beschlossen. Am 18. Juni 1898 ist es so weit: Der TSV Penzberg wird aus der Taufe gehoben. 150 Mitglieder sind es. Heute ist der TSV mit 1450 Mitgliedern der größte Verein in Penzberg.

Im Mittelpunkt steht das Turnen - es gab aber auch Spannungen

Die TSV-Sportler turnten einst in der „Barbara-Turnhalle“; im Bild oben links Monika Streitberger 1953 bei einer Bezirksgerätemeisterschaft. Der Grundstein wurde am 16. Mai 1926 gelegt – das Bild oben rechts zeigt einen Umzug zu diesem Anlass.

Im Mittelpunkt steht damals allein das Turnen. Um auf Barren, Reck und Co. zu üben, stellt die Gemeinde – sie heißt noch St. Johannisrain – dem Verein den frisch renovierten Saal der Baderestauration an der heutigen Ludwig-März-Straße zur Verfügung. Allerdings gibt es auch Spannungen: zwischen Arbeitern, Angestellten und Beamten. Alle Steiger aus dem Bergwerk erklären kurz nach der Gründung ihren Austritt, mehrmals wechselt die Führungsspitze. Dem TSV droht die Spaltung, als in Penzberg ein Arbeiterturnverein gegründet wird.

In dieser Zeit, in der der TSV auch eine Theatergruppe bildet, beschließt der Verein, eine eigene Turnhalle zu bauen. Die Anfänge sind kärglich: 11,40 Mark bringt 1906 eine erste spontane Sammlung ein. Dennoch: Die Turner sind von der Idee begeistert. Und Unterstützung erhalten sie von der Bergwerksgesellschaft. Trotzdem dauert es noch 20 Jahre, bis die Sportler am 16. Mai 1926 den Grundstein für die „Barbara-Turnhalle“ legen. Die Kosten werden damals auf 50 000 Mark geschätzt. Im Herbst 1927 können die Turner in ihre neue Halle einziehen. Später im Zweiten Weltkrieg ist die Halle mit Soldaten belegt, danach wird sie Notkirche und Gerichtssaal für den „Mordnacht“- Prozess.

Bis in die 1970er Jahre turnt der TSV in der Barbara-Halle. Damals beginnen Stadt und Kreis mit dem Bau einer Mehrzweckhalle am Wellenbad. Später kommen die Dreifachhalle am Josef-Boos-Platz und das Nonnenwaldstadion hinzu, in dem die Leichtathleten trainierten. Große Erfolge gibt es auch: Die damals 15-jährige Turnerin Angela Mayer zum Beispiel wird in den Kader für die Olympiade 1972 in München berufen und schafft es 1974 ins WM-Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft. Überhaupt 1972: Damals dürfen sechs TSV-Sportler das Olympische Feuer ein Stück weit nach München tragen: Herbert Kirchner, Hans Haimerl, Armin Mucha, Artur Sedlmayr, Werner Borok und Peter Struzyna.

Heute hat der 1450 Mitglieder zählende Verein – angeführt von Michaela Schott – eine große Bandbreite an Angeboten. Neben Turnen und Leichtathletik kamen über die Jahre Basketball, Badminton, Breitensport, Seniorenabteilung, Volleyball und Tischtennis hinzu. Das große Ziel sei, so Vorsitzende Schott, die sportlichen Angebote für alle Generationen möglichst günstig und breit zu halten. Ein Motto hat der Verein auch für seinen Geburtstag: „120 Jahre TSV Penzberg – bewegt was!“

Das Programm zum 120-Jährigen:

Samstag, 10. März: „Fit in den Frühling“ mit Gesundheitscheck, Bewegung und Ausstellung, 11 bis 17 Uhr, Stadthalle.
Montag, 12. März: Herzgruppe – Tag der offenen Stunde; 17.45 bis 19.15 Uhr in der Turnhalle der Mittelschule.
Sonntag, 15. April: Tischtennis-Stadtmeisterschaft; ab 10 Uhr in der alten Wellenbadturnhalle.
Samstag, 23. Juni: Vereinsmeisterschaft Turnen; ab 10 Uhr in der alten Wellenbadturnhalle.
Samstag, 14. Juli: „Prince and Princess“-Volleyball-Jugendturnier; ab 9 Uhr am Beachvolleyballplatz auf der Berghalde (Ausweichtermin: 21. Juli).
Samstag, 21. Juli: „Street Challenge Gaudi“; ab 10 Uhr am Stadtplatz.
Samstag und Sonntag, 8. und 9. September: Basketball-Sommercamp; 10 bis 15 Uhr in der neuen Wellenbadturnhalle.
Samstag, 29. September: offene Leichtathletik-Meisterschaft; ab 13 Uhr, Nonnenwaldstadion.
Sonntag, 14. Oktober: Badminton-Schleiferlturnier; ab 9 Uhr in der alten Wellenbadturnhalle.
Sonntag, 21. Oktober: Volleyball-Mixed-Jubiläumsturnier; ab 9 Uhr, alte Wellenbadturnhalle.
Samstag, 3. November: Teamtrail; ab 12 Uhr, Berghalde.
Samstag, 24. November: „TurnFest – feier mit! 120 Jahre Bewegung“; 17 Uhr, Stadthalle.
Samstag, 8. Dezember: Kinderleichtathletik-Hallensportfest, 13 Uhr, alte Wellenbadhalle.

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