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Kahle Turnhalle: Hausmeister Heinz Michl (l.) und Rodja Maier (r.) vom Stadtbauamt zeigen auf einen Riss im Betonboden. In der Turnhalle sind mittlerweile Linoleum- und Holzboden, Prallschutzwände und -decken entfernt.

Am Josef-Boos-Platz

Neue Schäden entdeckt: Eröffnung der Turnhalle steht in den Sternen

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Eigentlich sollte die Turnhalle am Josef-Boos-Platz zum Schuljahresstart im September wieder geöffnet sein. Doch das wird immer unwahrscheinlicher.

Penzberg – Ende Januar hatte die Sanierung in der Turnhalle begonnen, die seit fast zwei Jahren nicht mehr für Vereine und Schulen zur Verfügung steht. Aktuell sind Linoleum- und Holzboden, Prallschutz-Wände und -Decken entfernt. Entsorgt wurde die mineralfaserhaltige Dämmwolle. Der Hallenboden besteht nun aus nacktem Beton. In den Umkleiden hängen Kabel von den Wänden.

In dieser Umgebung gab die Stadt Penzberg gestern die schlechte Nachricht bekannt. Demnach offenbarten sich bei der Sanierung Schäden, deren Ursache weit vor der Nutzung als Asyl-Erstaufnahmestelle zu suchen sind und zum Teil fast 30 Jahre zurückliegen – in der Zeit des Turnhallen-Baus.

Im Boden seien zum Beispiel lose Abdichtungen entdeckt worden, weshalb sich an einigen Stellen Pfützen bildeten, erklärte Rodja Maier, Sachgebietsleiter für den Hochbau im Stadtbauamt. Ein Gutachter habe zudem festgestellt, dass der Boden Risse aufweist. Dies soll davon herrühren, dass für den Betonboden zu wenig Stahl verwendet wurde. „Der Betonboden ist nicht stabil genug, dadurch entstehen Risse“, so Maier. Risse, die beim Abschleifen des Bodens nicht verschwinden, müssen ihm zufolge verpresst werden, „um alle undichten Stellen wegzubringen“.

Ein anderes Problem: Die neue Decke wird etwas schwerer als die alte, wofür allerdings das Dachtragwerk zu schwach ist. Laut Maier müssen deshalb speziell die Balken des Tragwerks verstärkt werden. Entdeckt wurde ihm zufolge auch, dass im Umkleidebereich die Elektroinstallation nicht fachgerecht eingebaut wurde. Leitungen waren einfach unter die Decke gelegt. Auch Abluftrohre lagen laut Maier lose unter der Decke und hinter einer Wand. Luft konnten sie so nur spärlich absaugen.

Die Ursache sieht der Mann vom Stadtbauamt in der Zeit des Turnhallen-Baus vor 28 Jahren. Sie sei von einem Generalunternehmer gebaut worden. „Es war qualitativ nicht so hochwertig.“ Auch am Brandschutz sei gespart worden – in diesem Bereich muss ihm zufolge ebenfalls nachgerüstet werden. Die Turnhalle sei ein gutes Beispiel dafür, dass bei Sanierungen täglich Neues auftauchen kann, mit dem man nicht gerechnet habe.

Welche Folgen hat das für die Fertigstellung der Turnhalle? Darauf habe er keine sichere Antwort, erklärte Maier gestern. Zeit- wie Kostenplan müssten erst erstellt werden. Das Problem ist, wie berichtet, dass der vom Landkreis beauftragte Bodenleger im Mai bereitsteht, um den Schwingboden zu verlegen – zu einem späteren Zeitpunkt hätte die Firma keine Zeit mehr. Eine Möglichkeit wäre, so Maier, dass erst der Boden verlegt wird und dann so geschützt wird, dass danach die Arbeiten an Wänden und Decken folgen können. Was allerdings die Gefahr birgt, dass der Boden trotz des Schutzes beschädigt wird. Ansonsten, so Maier, könnten sich die Arbeiten bis in den Herbst hineinziehen. Was bedeutet: Es gäbe keine Eröffnung zum Schuljahresstart. „September ist jedenfalls sehr knapp“, so Maier.

Die Regierung von Oberbayern hatte die Turnhalle von Juni 2015 bis März 2016 als Erstaufnahmestelle für Asylbewerber genutzt. Bei einer Begutachtung war danach festgestellt worden, dass der Hallenboden und dessen Unterkonstruktion unter der Asyl-Nutzung gelitten hatten. Bei weiteren Untersuchungen wurde zudem festgestellt, dass sich hinter Decke und Wänden Dämmmaterial mit künstlichen Mineralfasern befanden. Die neuen Missstände wurden nun bei der Sanierung entdeckt.

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