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Momentan ist noch die AWO Oberbayern Betreiber des Seniorenzentrums in Penzberg.

Überraschende Wende beim Penzberger Seniorenzentrum - kommt jetzt die AWO München zum Zuge?

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Eine unerwartete Wende bahnt sich beim Seniorenzentrum an der Gartenstraße an: Die Stadt Penzberg hat das Grundstück der Thomas-Wimmer-Stiftung verkauft. Deren Wunschpartner als neuer Betreiber ist die „AWO München-Stadt“. Was der Stadt Penzberg entgegenkäme: Denn dort sieht man die Novita-Stiftung skeptisch.

Penzberg – Die Weichen für die Wende stellte der Stadtrat bereits am 7. August unter größter Geheimhaltung. Damals beschloss er einstimmig, das 10 621 Quadratmeter große Grundstück, samt Pfründnerheim und gerontologischem Garten, an die gemeinnützige Thomas-Wimmer-Stiftung zu verkaufen, was mittlerweile geschehen ist. Das gab Bürgermeisterin Elke Zehetner gestern bekannt. Der Stadtrat setzte ihr zufolge damit seinen Wunsch um, das Grundstück nur an eine Stiftung oder einen Wohlfahrtsverband zu veräußern, „um Investoren, die nur Geld verdienen wollen, den Wind aus den Segeln zu nehmen“.

Erschienen waren zur Pressekonferenz gestern auch Jürgen Salzhuber und Max von Heckel, die beiden Vorsitzenden der Thomas-Wimmer-Stiftung. Die Stiftung, benannt nach Münchens Oberbürgermeister von 1948 bis 1960, verfolgt laut Salzhuber das Ziel, Grundstücke zu kaufen, um sie für soziale Zwecke zu sichern. Eng verbunden ist sie dabei mit der „AWO München-Stadt“. Auch personell: Salzhuber war Geschäftsführer und ist heute Vorsitzender der AWO München. Von Heckel, früher SPD-Landtagsabgeordneter, saß 30 Jahre im Vorstand.

Die Thomas-Wimmer-Stiftung will auch selbst bauen: Ob es ein kompletter Neubau oder ein Umbau wird, ist laut Salzhuber noch offen. Prüfen werde man weitere Angebote wie Tagespflege, betreutes Wohnen und ambulante Unterstützung. Erhalten bleibe die gerontopsychiatrische Wohngruppe, errichtet würden Personalwohnungen, womöglich im Pfründnerbau.

Die Thomas-Wimmer-Stiftung wird das Haus aber nicht selbst betreiben. „Unser Ziel ist, dass die AWO München- Stadt der Betreiber wird“, erklärte Salzhuber. Ideal wäre ab 1. Januar 2019. Bis dahin, so die Idee, könnte die AWO Oberbayern das Haus weiterbetreiben.

Die Novita-Stiftung müsste allerdings zurücktreten. Salzhuber glaubt, dafür gute Karten in der Hand zu haben. Der Betreibervertrag, den Novita vom AWO-Bezirk Oberbayern übernommen hat, habe ohnehin nur noch drei Jahre Restlaufzeit. Danach wäre die Thomas-Wimmer-Stiftung in der Betreiberfrage frei.

„Bei unserer Stiftung geht es nicht darum, Geld zu verdienen“, sagte Max von Heckel. Beim Novita-Modell sieht er dagegen – ohne den Namen „Novita“ zu nennen – ein Problem. Wenn ein privater Investor, wie dort vorgesehen, ein Altenheim baut und es an einen Betreiber, also Novita, vermietet, will er vom Betreiber „über 25 oder 30 Jahre jedes Jahr einen Betrag X, egal ob das Heim ausgelastet ist oder kostendeckend arbeitet“. Die Thomas-Wimmer-Stiftung nehme dagegen Rücksicht auf den Betreiber.

Max von Heckel erklärte zudem, dass nur Betreiber akzeptiere würden, die sich der Tarifbindung unterwerfen. Die AWO München hat den gleichen Tarifvertrag wie die AWO Oberbayern. Der Stadt Penzberg wurde ihm zufolge auf 30 Jahre ein Rückkaufsrecht „zum ursprünglichen Kaufpreis“ eingeräumt, wenn sie das Grundstück für soziale Zwecke verwendet. Über den Preis schwiegen beide Seiten.

Womöglich hat die Stadt Penzberg die Rechnung aber ohne die Novita-Stiftung gemacht. Denn sie pocht darauf, ab 1. Oktober das Seniorenzentrum an der Gartenstraße zu betreiben. Ende Juli hatten Novita und der AWO Bezirk Oberbayern einen Vertrag zur Betriebsübertragung unterzeichnet. „Wir werden den Vertrag erfüllen“, erklärte am Donnerstag Geschäftsführer Christoph Hofmann auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Frage, ob die Novita-Stiftung von dem Vorhaben zurücktritt, verneinte er. Hofmann hatte eigenen Angaben nach am Mittwoch eine E-Mail der Stadt Penzberg erhalten. Darin sei ihm mitgeteilt worden, dass die Stadt das Grundstück an der Gartenstraße an die Thomas-Wimmer-Stiftung verkauft hat. Er habe sich daraufhin umgehend mit der Thomas-Wimmer-Stiftung in Verbindung gesetzt und für Montag einen Termin vereinbart. Er gehe davon aus, dass die Novita-Stiftung bei dem Treffen mit der Thomas-Wimmer-Stiftung einen Mietvertrag für vier Jahre abschließt, also so lange die Genehmigung der Heimaufsicht für das Seniorenzentrum noch läuft. „Wenn die Thomas-Wimmer-Stiftung nun die AWO München haben will, geht sie ins Leere“, erklärte Hofmann. Zum Mietvertrag für das Seniorenzentrum sagte er auf Nachfrage, dass dieser noch nicht unterzeichnet sei. Denn die Stadt – ihr gehörte das Grundstück bisher – habe zuletzt einen Vertrag mit nur zwei Jahren Laufzeit vorgelegt. Er habe deshalb auf einen Termin mit der Stadt gewartet – „und dann kam am Mittwoch die E-Mail“ vom Eigentümerwechsel. Hofmann pocht jedoch auf den Abschluss des Mietvertrags. Die Stadt habe sich, als sie die Betreibersuche dem AWO-Bezirk Oberbayern übertrug, dazu verpflichtet, mit dem vom AWO-Bezirk ausgewählten Betreiber einen „vierjährigen Mietvertrag zu den gleichen Konditionen wie bisher abzuschließen“.

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