Innige Liebe: Franziska Lüttich mit einem ihrer Hunde. Sie weiß aus Erfahrung, wie weh der Tod eines geliebten Tieres tut. Diesen Schmerz könne man durch das Schreiben eines Nachrufs besser verarbeiten, sagt sie.
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Innige Liebe: Franziska Lüttich mit einem ihrer Hunde. Sie weiß aus Erfahrung, wie weh der Tod eines geliebten Tieres tut. Diesen Schmerz könne man durch das Schreiben eines Nachrufs besser verarbeiten, sagt sie.

Tod von Haustieren

„Um ein Tier zu trauern, ist keine Hysterie“ - eine Penzberger Trauerbegleiterin hilft Tierfreunden

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Franziska Lüttich bietet etwas an, was so in der Region einmalig sein dürfte: Die ausgebildete Trauerbegleiterin und Trauerrednerin will künftig auch Tierbesitzer nach dem Tod ihres geliebten Tieres auf ihrem Weg durch die Trauer begleiten. Außerdem verfasst die Penzbergerin Nachrufe auf Haustiere.

Penzberg – „Es war doch nur ein Tier.“ Diesen Satz, sagt Franziska Lüttich, bekämen Menschen nach dem Tod ihres Tieres von anderen leider sehr oft zu hören. Dabei verletzte kaum ein Satz Menschen, die von einem Tier Abschied nehmen mussten, so sehr wie dieser. Denn für die Betroffenen sei es eben nicht „nur ein Tier“ gewesen. Sondern bester Freund und Lebensgefährte.

„Die Trauer um das fellige, gefiederte, geschuppte oder wie auch immer geartete Familienmitglied tut genauso weh wie die um einen Menschen – manchmal sogar noch mehr“, betont Lüttich.

Schnell heißt es: „Hab Dich doch nicht so, es war doch nur ein Hamster“

Seit rund drei Jahren verfasst die ausgebildete Trauerbegleiterin Trauerreden auf Menschen. Nun hat die Penzbergerin damit begonnen, auch Nachrufe auf Tiere zu schreiben und ihren Besitzern so durch die Zeit der Trauer zu helfen. Sie selbst habe im Laufe der Jahre schon oft Abschied von ihren eigenen Haustieren nehmen müssen, wisse also aus Erfahrung, wie weh es tue, ein geliebtes Tier zu verlieren, und wie verständnislos manche Menschen auf die Trauer des Tierbesitzers reagieren. Vor allem bei kleineren Tieren heiße es da schnell: „Hab Dich nicht so. Es war doch nur ein Hamster.“ Statt dem Trauernden mit Verständnis und Trost zu helfen, werde er alleine gelassen oder gar noch als verrückt hingestellt, weil er wegen eines Tieres so untröstlich sei. „Aber es ist keine Hysterie, um ein Tier zu trauern“, stellt sie klar.

Schon lange schreibe sie für sich privat Nachrufe auf ihre verstorbenen Tiere, erzählt Lüttich. Sich beim Schreiben noch einmal an den Vierbeiner und die gemeinsame Zeit zu erinnern, „das tut einfach gut“, hat sie an sich selbst festgestellt. Sie hat deshalb beschlossen, auch für andere Menschen, die selbst nicht in der Lage sind, schöne Worte über ihr Tier niederzuschreiben, individuelle Nachrufe zu verfassen. Mit diesem deutschlandweiten Angebot, glaubt sie, ist sie in der Region die Einzige.

Penzbergerin hilft Tierbesitzer durch die Zeit der Trauer

Und ihre Idee, zusätzlich eine Trauerbegleitung für verstorbene Tiere anzubieten, gebe es in der Gegend – wenn überhaupt – nur „sehr selten“. Dabei, so ist sie überzeugt, bräuchten viele Tierbesitzer Hilfe nach dem Verlust von Hund, Katze und Co. Bei ihr sollen sie diese Hilfe nun bekommen. Denn bevor ein Nachruf verfasst werden könne, brauche es ein intensives Gespräch über das verstorbene Tier. Dabei, so Lüttich, könnten die Besitzer „ihr Herz ausschütten“ ohne sich für ihre Trauer schämen zu müssen, denn: „Es ist in Ordnung, wenn man trauert.“ Und über das verstorbene Tier zu sprechen sei „heilsam für den Trauerweg“. Wie lange jemand um seinen Goldfisch, sein Pferd oder seine Katze trauere, sei dabei von Mensch zu Mensch verschieden. Aber egal, wie lange man trauere: Alles sei normal und völlig in Ordnung, denn: „Trauer braucht Zeit. Dafür gibt es keinen Fahrplan.“ Das sei nach dem Tod eines Tieres nicht anders als nach dem eines Menschen.

Ist ein Nachruf verfasst, so könne der Trauernde den Text in einen QR-Code umwandeln lassen und ihn an Freunde verschicken. Einige Tierfriedhöfe nördlich von München stellen laut Lüttich an den Gräbern mittlerweile Schilder mit QR-Codes auf, so dass derjenige, der das Grab besucht, am Handy den Nachruf gleich vor Ort nachlesen könne – und so beispielsweise erfahre, was der „Purzel“, der hier begraben liegt, für ein toller Hund war. Und eben nicht „nur ein Tier“.

Weitere Informationen

gibt es bei Franziska Lüttich unter 0175/46644 48 sowie per Mail an kontakt@lebewohl-geliebtes-tier.de sowie im Internet: www.lebewohl-geliebtes-tier.de

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