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Museumsleiterin Gisela Geiger vor dem Campendonk-Bild „Pferde im Garten/Die kleinen Pferde“, das dem Museum Penzberg nun als Dauerleihgabe überlassen haben.

Unternehmer-Erben überlassen Penzberg wertvolles Campendonk-Bild

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Erben eines verstorbenen Adeligen und Unternehmers haben dem Museum in Penzberg mehrere Werke von Heinrich Campendonk als Dauerleihgabe überlassen - darunter ein Bild, das einige Millionen Euro Wert ist und einen Bezug zu Penzberg hat.

Penzberg - Das wertvolle Ölbild zeigt Pferde in einem Garten, um sie herum stehen Häuser. Der Einfluss der Künstlergruppe „Der blaue Reiter“ ist deutlich zu erkennen. Heinrich Campendonk hat das expressionistische Bild 1912 gemalt. Ein Jahr zuvor war er auf Einladung von Franz Marc und Wassily Kandinsky nach Sindelsdorf gezogen. Das Bild, das 1912 in der Berliner Galerie „Der Sturm“ ausgestellt wurde, trägt den Doppelnamen „Pferde im Garten/Die kleinen Pferde“. Sein Wert wird auf rund drei Millionen Euro geschätzt.

„Wir können uns mehr als glücklich schätzen, es als Dauerleihgabe zu bekommen“, sagt Bürgermeisterin Elke Zehetner. Einen besonderen Wert für Penzberg hat das Ölbild laut Museumsleiterin Gisela Geiger, weil darauf ein typisches Penzberger Bergarbeiterhaus abgebildet ist. Museumsbesuchern ist das Bild nicht unbekannt. Es hängt in Penzberg, seit das Museum im Juni 2016 eröffnet wurde. Nun bleibt das wertvolle Bild dauerhaft in Penzberg. „Ich bin froh, dass es nicht wegkommt“, sagt Gisela Geiger. Es dürfte eine der wichtigsten Campendonk-Werke im Penzberger Museum sein.

Das Bild stammt aus der Sammlung eines verstorbenen Unternehmers. Die Erbengemeinschaft bot das Gemälde nun Penzberg als Dauerleihgabe an. Es sei eine Wertschätzung für das Museum, so Bürgermeisterin Zehetner. Die Familie wisse, dass das Bild hier gern gesehen wird, so Geiger. Der Penzberger Stadtrat hat dem Vertragsabschluss im vergangenen Juni in einer nicht öffentlichen Sitzung zugestimmt.

Zur Dauerleihgabe gehören auch über 20 Holzschnitte. Derartige Arbeiten auf Papier fertigte Campendonk nur in seiner Zeit in Bayern. Er experimentierte von 1911 bis 1920 mit dieser Technik. Ein Bild, mit dem er damals in der Berliner Galerie „Der Sturm“ für Aufsehen sorgte, zeigt einen Schuhplattler. Ein Ausstellungstermin in Penzberg steht noch nicht fest.

Darüber hinaus erhält Penzberg Zugriff auf ein weiteres Ölbild, auf Aquarelle und kolorierte Holzschnitte. Die Unternehmer-Erben stellen diese als Leihgaben zur Verfügung, wenn das Museum sie in zeitlich befristeten Ausstellungen präsentieren will.

Mittlerweile befinden sich laut Museumsleiterin Geiger gut 300 Werke von Campendonk im Depot und in der Ausstellung. Der weit überwiegende Teil sind Dauerleihgaben. Daneben bewahrt das Museum auch fast 100 Werke des Malers Gerhard Fietz, alles Dauerleihgaben, auf.

Dass das Penzberger Museum auch im kleineren Rahmen immer wieder Leihgaben erhält, zeigt ein anderes aktuelles Beispiel. Die Enkelin eines Sammlers expressionistischer Kunst bot das Campendonk-Werk „Das Wirtshaus“ an, dessen Wert im sechsstelligen Bereich liegt. Das Bild war bislang im Museum in Salzburg ausgestellt. In Penzberg war es schon einmal im Jahr 2012 zu sehen.

Auch das gute Verhältnis der Museen untereinander zahlt sich aus. So leiht das Krefelder Museum den Penzbergern seit Sommer das Bild „Die Armen“, das Campendonk 1918 malte. Auch dieses Bild hat eine besondere Bedeutung für Penzberg. Auf ihm, so Gisela Geiger, sei das Penzberger Stadtwappen zu sehen: Lamm, Schachbrettmuster und dazu die Stadtfarben. Zu der Zeit, als Campendonk es malte, reichte der Volksschullehrer Albert Winkler einen Stadtwappen-Vorschlag für Penzberg bei den Behörden ein. Beide waren befreundet. Die Hinweise in dem Bild, so Geiger, können kein Zufall sein.

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