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„Urmel“-Vater wäre am Freitag 100 geworden - so erinnern sich Penzberger an Max Kruse

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Von: Wolfgang Schörner

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Max Kruse und das Urmel-Ei: Das Foto des Kinderbuchautors mit Gisela Geiger entstand vor 20 Jahren bei den Max-Kruse-Tagen auf Gut Hub.
Max Kruse und das Urmel-Ei: Das Foto des Kinderbuchautors mit Gisela Geiger entstand vor 20 Jahren bei den Max-Kruse-Tagen auf Gut Hub. © privat

100 Jahre alt wäre Schriftsteller und „Urmel“-Vater Max Kruse am heutigen Freitag geworden. Der gefeierte Kinderbuchautor hatte von 1986 bis zu seinem Tod im September 2015 in Penzberg-Maxkron gelebt. Er hat auch in seiner Wahlheimat Spuren hinterlassen. Penzberger erinnern sich an einen liebenswerten, bescheidenen und klugen Mann.

Penzberg – Max Kruse ist der Schöpfer des wohl berühmtesten Dino-Babys der deutschen Literatur. 1969 erschien „Urmel aus dem Eis“. Dem ersten Band folgten viele weitere. Bekannt sind auch Klassiker wie „Der Löwe ist los“ (1961) und „Don Blech“ (1971). Viel zu seinem frühen Ruhm trugen die Aufführungen der „Augsburger Puppenkiste“ bei. Kruse gehört mit Otfried Preußler („Räuber Hotzenplotz“), Ellis Kraut („Pumuckl“) und James Krüss („Timm Thaler“) zu den großen deutschen Kinderbuchautoren. Der Wahl-Penzberger schrieb aber auch Romane, eine Autobiographie, Gedichte und Reiseberichte, die seine Frau Shaofang illustrierte.

Max Kruses Mutter hatte 1921 die Käthe-Kruse-Puppenwerkstatt gegründet

Max Kruse wurde am 19. November 1921 in Bad Kösen in Thüringen geboren. Sein Vater war der Bildhauer Max Kruse. Seine Mutter Käthe Kruse gründete 1912 die berühmt Käthe-Kruse-Puppenwerkstatt. Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete Max Kruse die Firma, die in den Westen übersiedelte, selbst für einige Jahre. Eine Herzensangelegenheit war ihm das nie. Seine Leidenschaft gehörte dem Schreiben.

Oberlandler Volkstheater spielte „Urmel aus dem Eis“

Spuren hat Max Kruse auch in Penzberg hinterlassen, obwohl er sich selten in der Öffentlichkeit zeigte. Eine enge Verbindung hatte er zum Oberlandler Volkstheater in Penzberg. Es brachte im Juli 1998 das „Urmel aus dem Eis“ auf die Bühne. Kruse saß damals selbst – ganz unauffällig – im Publikum. Vier Jahre später folgte die Premiere des Kruse-Musicals „Ich will keine Lady sein“ mit der Musikschule und der Musik des Penzberger Komponisten Holger Jung, der im Dezember 2006 auch die Uraufführung von Kruses „Chants d’Avignon“ vertonte. Die Nachwuchsgruppe „Lampenfieber“ spielte 2011 sein „Urmel taucht ins Meer“.

Regisseur Paul Herdrich: „Das Schreiben war sein Leben“

Engen Kontakt hatte Paul Herdrich, Regisseur beim Oberlandler Volkstheater, zu dem Autor. Man habe damals viel für das Theater umschreiben müssen und das mit ihm besprochen, erzählt er. „Ich glaube, er war zufrieden.“ Herdrich hat Max Kruse, zu dem der Kontakt nie abbrach, in „sehr angenehmer Erinnerung“, zum Beispiel dessen Art, sich einfühlsam mit den jungen Darstellern zu unterhalten. Und: „Das Schreiben war sein Leben“, sagt Herdrich. Bis zuletzt habe Max Kruse geschrieben und neue Ideen entwickelt.

Altbürgermeister Mummert: „Ein ganz besonderer Mensch“

1999 erhielten Max Kruse und das Oberlandler Volkstheater den neu geschaffenen Kulturpreis der Stadt Penzberg. „Er war für mich ein ganz besonderer Mensch“, sagt Altbürgermeister Hans Mummert, der damals den Preis überreichte. Er erinnert sich an Max Kruse als einen „sehr warmherzigen und besonnenen Menschen“, mit einer ruhigen Ausstrahlung, aber auch gradlinig. Er denke oft an die Begegnungen mit Max Kruse zurück. „Man muss dankbar sein, so einen Menschen kennengelernt zu haben“, sagt Mummert. Auch er erzählt vom herzlichen Verhältnis, die der Schriftsteller zu Kindern hatte. „Kinder waren für ihn alles.“

Urmel-Literaturpreis: Gisela Geiger setzte Max Kruses Anregung um

Entsprechend wohl fühlte sich der Schriftsteller bei den Penzberger Max-Kruse-Tagen auf Gut Hub, die die damalige Vorsitzende des Kunstzeche-Vereins und spätere Museumsleiterin Gisela Geiger erstmals im Mai 2001 organisierte. Das Ziel dieses Festivals war genau das, was Kruse immer wichtig fand: bei Kindern die Freude am Lesen wecken. Ähnlich war es mit dem Kinder- und Jugendliteraturpreis „Penzberger Urmel“. Die Anregung kam damals von Kruse selbst. Gisela Geiger grifft die Idee auf und setzte sie um. 2005 wurde der Preis erstmals verliehen.

Max Kruse sei ein „sehr kluger Mann gewesen, sehr weltläufig, sehr zugewandt, aber auch sehr schüchtern“, erzählt Gisela Geiger. Er habe nie gern eine öffentliche Rolle gespielt, sei aber zu den Festen auf Gut Hub gekommen. Zum 90. Geburtstag des „Urmel-Vaters“ gab es im Stadtmuseum eine Ausstellung, für die auch ein einfühlsamer Text („Puppen, Bücher, Marionetten“) über das Leben von Max Kruse entstand.

Stadtbüchereileiterin Fügener versorgte Kruse bis zuletzt mit Büchern

Frisch erschienen zum 100. Geburtstag ist nun der Klassiker „Urmel aus dem Eis“ mit neuen Illustrationen. Ebenso kam ein Gedenkband heraus, für den Stadtbüchereileiterin Katrin Fügener einen Beitrag verfasst hat. Sie war Nachbarin des Schriftstellers und hat als Journalistin einst über ihn geschrieben. Auch sie hat ihn als „sehr angenehm und liebenswert“ in Erinnerung. Ein Herr „alter Schule“ im Umgang mit anderen Menschen, sagt sie. Unheimlich wichtig seien ihm Kinder gewesen. „Ich mochte ihn sehr gern.“ Bis zuletzt habe sie ihn mit Büchern aus der Stadtbücherei versorgt, anspruchsvolle Romane, die sich um das Leben anderer Menschen drehten. Bis zuletzt arbeitete Max Kruse auch selbst an Büchern. Einmal, als sie ihn im Krankenhaus besuchte, war der Nachttisch des 81-Jährigen mit Druckfahnen bedeckt – so erzählt es Fügener in dem Gedenkbuch. Er wollte die termingerechte Abgabe seines Gedichtebandes nicht versäumen.

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