Sie stellten vor rund zwei Jahren die Bürgerbahnhof-Idee vor: (v.l.) Konrad Kürzinger, Uwe Sattler, Monika Uhl, Anette Völker-Rasor, Uwe Herrmann, Barbara Kaulbarsch und Gisela Matschl.
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Sie stellten vor rund zwei Jahren die Bürgerbahnhof-Idee vor: (v.l.) Konrad Kürzinger, Uwe Sattler, Monika Uhl, Anette Völker-Rasor, Uwe Herrmann, Barbara Kaulbarsch und Gisela Matschl.

„Wille, den Bahnhof als Bahnhof zu erhalten, ist da“

Verein soll Bahnhofspläne voran bringen

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Im April 2019 stellte ein Kreis engagierter Penzberger die Idee eines Bürgerbahnhofs erstmals vor. Zwei Jahre später hat die Corona-Pandemie die Pläne zur künftigen Nutzung des Bahnhofsgebäudes deutlich ausgebremst. Heuer könnten sie aber wieder an Fahrt aufnehmen – wenn auch anders als ursprünglich gedacht.

Penzberg – Die Frage, was mit dem Penzberger Bahnhofsgebäude geschehen soll, beschäftigt die Politik und die Öffentlichkeit seit Jahren. Klar ist, dass es erhalten bleibt – dafür hatte sich der Stadtrat bereits ausgesprochen.

Intensive Gedanken über das sanierungsbedürftige Gebäude machte sich in der Vergangenheit ein bunt gemischter Kreis. Seine Mitglieder wollten aus dem Bahnhofsgebäude „einen Ort von Bürgern für Bürger“ machen. Herzstück dieses „Bürgerbahnhofs“ sollte eine Brauerei werden, in der auch Kurse stattfinden sollten. Auch eine Gastronomie schwebte den „Bahnhofsfreunden“ vor sowie eine kleine Bühne für Lesungen oder Musik. Zur Realisierung dieser Pläne war die Gründung einer Genossenschaft im Gespräch, die das Gebäude von der Stadt erwerben, sanieren und beleben sollte.

Projekt ganz bewusst aus dem Wahlkampf herausgehalten

Seit der Präsentation dieser Pläne im April 2019 ist viel passiert. Ganz bewusst, betont Anette Völker-Rasor von den „Bahnhofsfreunden“, habe man das Projekt aus dem Kommunalwahlkampf 2020 herausgehalten. Denn dass man das Bahnhofsgebäude erhalten wolle, dazu bestehe Einigkeit unter den politischen Gruppierungen Penzbergs. Daran habe sich bis heute auch nichts geändert. „Der Wille, den Bahnhof als Bahnhof zu erhalten, ist unisono da.“

Abstrakte Pläne in konkrete Projekte umsetzen, das war wegen Corona jedoch nach dem Wahlkampf nicht mehr möglich. Wegen der Pandemie und ihren Beschränkungen sei „leider jegliche Initiative für einen Bürgerbahnhof zum Erliegen gekommen“, bedauert Völker-Rasor. Für das Gebäude sei dieser Stillstand natürlich schlecht. Vor rund 27 Monaten habe der letzte Fahrdienstleiter das Bahnhofsgebäude verlassen. Inzwischen sei nur noch eine Wohnung im Obergeschoss dauerhaft bewohnt und beheizt.

„Bürgerbahnhof“ sollte Ort der Geselligkeit werden

Ein Jahr Pandemie, sagt Völker-Rasor, habe die Bevölkerung ermüdet und Existenzen gefährdet. Wer traue sich in diesen Zeiten schon eine Gastronomie zu eröffnen oder wolle eine Genossenschaft gründen? Außerdem sollte der „Bürgerbahnhof“ ein Ort der Geselligkeit werden – aber wann Geselligkeit wieder möglich sein wird, wisse man nicht. „Es fehlt die Zuversicht“, sagt Völker-Rasor. Auch einer Brauerei gibt sie nicht mehr viele Chancen auf Realisierung, denn: „Es ist viel Mut gewichen.“

Vielleicht aber, so hofft sie, lasse sich das Bahnhofsgebäude auch wiederbeleben, wenn man von den großen bunten Träumen Abstand nimmt und zu kleineren Konzepten umschwenkt. Als Beispiel nennt Völker-Rasor die Idee, im Bahnhof einen Raum für die Bürger zu schaffen. Mit ihm könnte der bestehende Veranstaltungsraum in der Stadthalle entlastet werden. Im Bahnhof könnten dann Vereinsversammlungen stattfinden oder öffentliche Vorträge.

Als erster konkreter Schritt, um die Zukunft des Bahnhofsgebäudes aktiv zu gestalten, solle noch in diesem Jahr ein Verein gegründet werden. Hervorgehen solle er aus den Reihen der rund 160 Menschen, die dem Kreis der „Bahnhofsfreunde“ angehören. Viele von ihnen würden eine Vereinsgründung begrüßen und hätten ihre Mitarbeit in Aussicht gestellt, so Völker-Rasor. Sobald es die Corona-Beschränkungen zulassen, solle die Gründungsversammlung als Präsenzveranstaltung stattfinden. Das das im Laufe der nächsten Monate möglich sein wird, „da habe ich die ganz große Hoffnung“, so Völker-Rasor.

Gesammelten Ideen sollen in Machbarkeitsstudie münden

Der Verein solle dann die Stadt als Eigentümerin dabei unterstützen, Nutzungsideen für das Gebäude zu erarbeiten. Es als „Haus der Vereine“ zu nutzen, komme für sie dabei nicht in Frage. Dafür sei das Gebäude zu klein.

Die gesammelten Ideen sollen dann in eine Machbarkeitsstudie münden. Ob diese Studie heuer noch in Auftrag gegeben werde, wisse sie aber noch nicht, so Völker-Rasor. Wichtig ist ihr das Signal an die Stadtverwaltung: „Die Bürger wollen, dass der Bahnhof bespielt wird, und dass er saniert wird.“ Die Stadt habe in der Vergangenheit bereits signalisiert, dass das Bauwerk saniert werden solle. Genaueres könne sie dazu aber nicht sagen.

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