Im Bergwerksmuseum: Anton Leinweber schreibt Gedichte – jetzt nachzulesen in einem Büchlein.
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Im Bergwerksmuseum: Anton Leinweber schreibt Gedichte – jetzt nachzulesen in einem Büchlein.

Anton Leinweber schreibt Gedichte

Vom Bergwerk zur Poesie

  • VonWolfgang Schörner
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Es war eine harte, gefährliche Arbeit unter Tage. Vor 60 Jahren hat Anton Leinweber noch Kohle im Penzberger Bergwerk abgebaut. Später entdeckte er jedoch seine poetische Ader. Er begann Gedichte zu schreiben – vor allem über das Bergwerk und die Tradition der Bergarbeiter. Daraus entstand nun ein kleiner Gedichtband.

Penzberg – „Einmal Bergmann, immer Bergmann“, sagt Anton Leinweber. Den heute 81-Jährigen hat die damalige Zeit nie losgelassen. Als Jugendlicher wollte er eigentlich Maschinenschlosser werden. Dafür bot sich ihm im Ruhrgebiet, wo seine Familie lebte, allerdings keine Chance. So bewarb er sich im Bergwerk, als Lehrhauer begann er in der Zeche Walsum in Duisburg. Ende der 1950er Jahre zog die Familie nach Oberbayern. Und Anton Leinweber bewarb sich im Penzberger Bergwerk.

Es war eine harte Arbeit unter Tage. „Staubig und dunkel“, erzählt Anton Leinweber. Man habe zwar immer seine Lampe dabeigehabt. Entfernte man sich aber einmal ein paar Meter, sei man im Dunkeln gestanden. Viele hätten auch Platzangst bekommen und mit dem Beruf aufgehört. Man habe gesagt, wo eine Lampe durchpasst, geht auch ein Bergmann durch. Die Leute könnten sich gar nicht vorstellen, wie man damals im Flöz gearbeitet habe, bei nicht mal ein Meter Höhe. „Man lag da drin“, sagt er.

Anton Leinweber ist es wichtig, dass die Erinnerung an die Bergwerkszeit, die 1966 in Penzberg endete, nicht verblasst. „Penzberg gäbe es ohne das Bergwerk nicht“, sagt er. Leinweber gehört dem Bergknappenverein an und hat das Penzberger Bergwerksmuseum mit aufgebaut. Er macht dort noch heute Führungen und erzählt Besuchern von der Zeit im Bergwerk. „Viele gibt es ja nicht mehr, die sich daran erinnern.“

Reimen muss es sich nicht

Ein Mosaikstein gegen das Vergessen sind die Gedichte, die Anton Leinweber geschrieben hat. Ein kleiner Beitrag, dass die Erinnerung bleibt, wie der Penzberger sagt. Er habe damit begonnen, als das Bergwerk geschlossen wurde. Untertage war für so etwas keine Zeit. „Da hatte ich meine Sicherheit im Kopf.“ Er habe auch mal versucht, einen kurzen Roman zu schreiben, dann aber wieder aufgehört. Gedichte waren ihm lieber. Rund 50 sind es geworden, fein säuberlich in einem Ordner sortiert.

Es seien spontane Einfälle, die er sich merke und die er dann daheim niederschreibt. Reimen müsse es sich, das sei wichtig. So entstanden Gedichte über den anbrechenden Tag eines Kumpels, über die letzte Grubenfahrt, über die Kohle, das Bergwerk und Penzberg.

Stadt übernahm die Druckkosten

Dass daraus jetzt auch ein kleiner Gedichtband mit einem Dutzend Gedichte entstand, war Zufall. Der Penzberger Autor Stefan König gab den Anstoß, die Gedichte abzudrucken. König steuerte auch zwei Texte bei. Die Stadt Penzberg übernahm die Druckkosten. Das Büchlein kann nun für drei Euro im Penzberger Bergwerksmuseum erworben werden.

Gedichte hat Anton Leinweber nicht nur über das Bergwerk geschrieben, auch ein Liebesgedicht für seine Frau hat er verfasst, Gedichte über die Jahreszeiten oder die „Freuden des Rentnerdaseins“. Leinweber selbst hatte nach der Schließung bei verschiedenen Penzberger Unternehmen beim Hoch- und Tiefbau, beim Straßenbau und als Lagerist gearbeitet. Das Rentnerdasein genießt er seit dem Jahr 2000.

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