Fikret Fazlic in Graz vor dem islamischen Kulturzentrum.

Was macht eigentlich...?

In Österreich einer der Jüngsten

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Drei Jahre lang war Fikret Fazlic stellvertretender Imam in Penzberg. Nun lebt er in Graz - und ist dort Hauptimam, einer der jüngsten Imame in Österreich. Wir sprachen mit ihm im Rahmen unserer Serie „Was macht eigentlich...?“

Penzberg - „Penzberg sei „eine kleine Stadt mit großem Herzen“, er habe sich dort mit seiner Frau sofort wohlgefühlt – das hatte Fikret Fazlic vor knapp einem Jahr erzählt, als er Oberbayern verließ. Er war damals drei Jahre lang zweiter Imam der islamischen Gemeinde in Penzberg und zugleich der jüngste Imam in Deutschland. Nun lebt Fikret Fazlic in der österreichischen Stadt Graz. Er ist dort, in der Landeshauptstadt der Steiermark, der Hauptimam. Und in Österreich einer der jüngsten Imame. Seine neue Gemeinde, das islamische Kulturzentrum Graz, ist sieben Mal so groß wie seine ehemalige Gemeinde in Penzberg. Sie besteht aus ungefähr 1100 Familien und ist die größte in ganz Österreich. Ganz loslassen kann er Penzberg trotz seiner neuen größeren Aufgaben aber nicht.

„Es war kein Problem, mich in Graz einzuleben“, erzählt Fikret Fazlic am Telefon. Die deutsche Sprache – der wichtigste Faktor – war für den heute 27-Jährigen nie ein Problem. Die konnte er schon als Kind. Er war neun Jahre alt, als seine Familie 1999 wegen des Kosovokrieges nach Deutschland flüchtete. Die Familie lebte damals in Hannover, wo Fikret Fazlic auch zur Schule ging. Außerdem, so erzählt er, bestehe seine neue Gemeinde in Graz überwiegend aus Bosniern. Bosnisch ist quasi die Muttersprache von Fikret Fazlic, der in Serbien geboren wurde und im bosnischen Sarajewo islamische Theologie und Religionspädagogik studiert hat. Seine neue Umgebung, die Steiermark, hat er schon erkundet. Sie sei schön zum Wandern. Leider müsse er aber auf nahe Gebirge und Seen, wie er sie in Penzberg genossen hat, verzichten, fügt er an. An Graz, mit zirka 300 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Österreichs, gefällt ihm besonders, dass es eine Studentenstadt ist. Eine Stadt mit vielen jungen Menschen.

In Penzberg war dem jungen Imam insbesondere der interreligiöse Dialog mit Katholiken und Protestanten wichtig. Ihm will er sich auch in Graz widmen. Er tue sich damit allerdings etwas schwer, räumt er ein. Und das obwohl der Islam in Österreich eigentlich gesetzlich anerkannt ist und das von Muslimen geprägte Bosnien einst zu Österreich gehörte. Aber vielleicht liege es einfach daran, sagt er, dass er die Situation mit Penzberg vergleiche. Denn da läuft der Dialog hervorragend. Andererseits, sagt Fikret Fazlic, profitiere er von seinen Penzberger Erfahrungen. Ein paar Schritte hat er auf dem Weg auch schon geschafft. Er habe Gottesdienste am Sonntag besucht und Gespräche geführt. Ihm schweben Treffen, bei denen Imam und Pfarrer über Koran und Bibel diskutieren, sowie gemeinsame Friedensfeste vor. Penzberg ist da sein Vorbild.

Wie in Penzberg arbeitet Fikret Fazlic auch in einer architektonisch sehr modernen Moschee. In Österreich gebe es – neben vielen Gebetsräumen – nur zwei, eine in Wien und eine in Graz. Letztere wurde erst vor kurzem fertiggestellt. Besonders stolz ist der 27-Jährige, dass die Moschee von den Mitgliedern selbst finanziert wurde. Und dass sie ein Nicht-Muslim geplant hat: Gerhard Springer, ein Architekt aus Graz. Er ist Katholik. Die Farbe der Fassade sei vorwiegend in Grün gehalten – die Farbe des Islam und zugleich der Steiermark, erzählt er. Und das Bauprojekt läuft weiter. Es sollen eine Bibliothek, Lehrsäle, ein Konferenzsaal, ein Jugendclub, eine Sporthalle und ein Restaurant folgen. In Graz hat der Familienvater jede Menge zu tun: tägliche Gottesdienste, Seelsorge, Freitagspredigten, Religionsunterricht, Jugendarbeit und über all dem die Leitung des Kulturzentrums.

Die Kontakte nach Penzberg, wo seine Schwester lebt, hat er aber nicht abbrechen lassen. Im Sommer habe er mit seiner Familie Urlaub in Oberbayern gemacht. Vor drei Wochen besuchte er die islamische Gemeinde in Penzberg. Er würde gern in Penzberg leben und dort seine zwei Söhne aufwachsen sehen, erzählt Fikret Fazlic. Vielleicht komme er auch zurück, wenn er mal in Rente geht. Doch bis dahin, sagt er, wolle er seinen Beitrag leisten, vor allem „beim interreligiösen Dialog, den wir in Europa brauchen“. In Graz, glaubt er, könne er das tun. Und darauf freue er sich. Außerdem, so Fikret Fazlic: „Penzberg ist nur viereinhalb Stunden entfernt.“

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