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Sprach über Gerechtigkeit in ihrem Glauben: Gönül Yerli vom Islamischen Forum.

Vorträge beim evangelischen Frauenkreis  

Schwere Kost an „Luthers Tafel“

Der Frauenkreis der evangelischen Kirche in Penzberg lud zu „Plaudereien an Luthers Tafel“. Es ging um ein großes Thema: Gerechtigkeit.

Penzberg „Schwere Kost war das“, urteilte Brigitte von Hauenstein über die Vorträge, die der Frauenkreis der evangelischen Kirche als „Plaudereien an Luthers Tafel“ angekündigt hatte. Die Moderatorin des Abends sprach damit wohl den meisten Anwesenden aus der Seele. Frauenkreis-Vorsitzende Elke Moritz hatte fünf Referenten eingeladen, die über Gerechtigkeit sprachen.

Jürgen Moritz, Vorsitzender der Stadtwerke Wolfratshausen, berichtete, unterlegt mit Fakten, dass Wasser zwar ein selbstverständliches Gut und leicht erhältlich sei. für viele Menschen auf der Welt aber knapp, manchmal nur schwer erreichbar und nicht immer sauber sei. Jürgen Moritz fragte sich und die Anwesenden daher auch, ob Wasser für alle eine Frage der Gerechtigkeit sei. Dass Wasser oft für Luxusgüter verbraucht werde und der Bevölkerung die Lebensgrundlage entziehe, umriss auch Dr. Georg Kurz, Vertreter der Penzberger Fairtrade-Gruppe sowie des Interreligiösen Umweltteams. Der Verbraucher könne helfen, die Ungerechtigkeiten durch bewusstes Kaufverhalten abzumildern. Gerechtigkeit habe darüber hinaus verschiedene Ebenen, so Georg Kurz. „Gerecht sich selbst gegenüber, gegenüber anderen Menschen, der Stadt und gegenüber Menschen, denen es nicht so gut geht.“

Unter sozialen Aspekten beleuchtete Professor Dr. Ursula Mosebach das Thema, das in nahezu jeder ihrer Vorlesungen an der Katholischen Hochschule Benediktbeuern angesprochen werde. Sie zeigte in einem kurzen Abriss auf, wie sich die Haltung von Kirche und Staat in puncto Armut und Reichtum entwickelt habe bis hin zu den neueren Überlegungen einer bedingungslosen Grundsicherung.

Gönül Yerli, Vizedirektorin des Islamischen Forums Penzberg, knüpfte an das Ende des Fastenmonats Ramadan an. Die Gerechtigkeit Gottes sei auch im Islam verbürgt, und gerade im Ramadan sollten die Muslime sich daran erinnern, dass auch sie der Gerechtigkeit verpflichtet seien. „Die Spendenbereitschaft ist ein Ausdruck der sozialen Gerechtigkeit“, so Gönül Yerli. „Gerechtigkeit ist aber auch ein ambivalenter Begriff, der heute gilt und morgen schon wieder überholt sein kann.“

„Gerechtigkeit als Prinzip der Gestaltung“ im christlichen Glauben und „Gerechtigkeit und Freiheit“ im hebräischen Glauben thematisierte die evangelische Pfarrerin Ursula Schwager. Fragen wie „Was ist Gerechtigkeit Gottes? Wie bin ich gerecht vor Gott?“ beschäftigten die Penzberger Pfarrerin.

Bevor es nach den Referaten in die Diskussion ging, lud Elke Moritz zu Wein und Käse ein – wie zu Zeiten Luthers, als Tisch-Plaudereien mit dem Reformator oft in theologische Dispute mündeten. Verschiedenste Aspekte wurden in der Diskussionsrunde angeschnitten: Kirchensteuer versus freiwillige Spenden, das bedingungslose Grundeinkommen, Kindergeld in gleicher Höhe für alle unabhängig vom Einkommen, prozentuale Lohnsteigerungen oder absolute Erhöhungen – was ist gerecht und was ist ungerecht? Gerechtigkeit müsse bei einem selbst beginnen, so eine Teilnehmerin. „Jeder soll selbst entscheiden, auf was er verzichten kann oder will, um auch anderen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen“, sagte sie. Verstand und Gefühl seien Geschenke Gottes, so Brigitte von Hauenstein abschließend. „Wenn wir diese Gaben nutzen, wäre das ein Weg zur Gerechtigkeit.“

Anneliese Steibli

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