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Vortrag im Museum: Andreas Hüneke (r.) hatte interessierte Zuhörer.

Vortrag im Museum Penzberg

Als die Moderne diffamiert wurde

Vortrag im Museum Penzberg: Bei der Aktion „Entartete Kunst“ wurden 1937 im Dritten Reich viele Werke expressionistischer Künstler aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt – darunter auch 91 Werke Heinrich Campendonks und insbesondere sechs seiner Hinterglasbilder.

Penzberg – Wie die Nationalsozialisten dabei vorgingen und was in den Folgejahren mit den Werken geschah, darüber sprach Andreas Hüneke von der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ der Freien Universität Berlin nun im Museum Penzberg. Die Veranstaltung fand im Rahmen der aktuell laufenden Ausstellung „Magische Transparenz. Heinrich Campendonk als Hinterglasmaler“ statt.

In seinem Vortrag machte Forscher Hüneke zunächst deutlich, dass die „Diffamierung der Moderne“, wie er es nannte, bereits um 1930 begonnen hatte – als erste Werke unter anderem von Paul Klee in Museen abgehängt werden mussten. Dass dafür Josef Goebbels wesentlich mitverantwortlich war, stimmt laut Hüneke übrigens nicht. Im Gegenteil: „Er hat anfangs mit den nordischen Expressionisten sympathisiert“, so der Experte. Erst unter Druck seiner Parteigenossen habe sich der NS-Funktionär später „an die Spitze der Verfolgung“ gesetzt. Und auch von Adolf Hitler seien zunächst keine eindeutigen Aufrufe zum Kampf gegen die expressionistische Kunst gekommen. Hüneke: „In all seinen Kulturreden hat er nie den Expressionismus erwähnt.“

Dass dieser moderne Malstil unbehelligt weiter bestehen könnte: Diese anfängliche Hoffnung vieler Kulturschaffenden habe sich aber ab 1936 zerschlagen. 1937 wurden dann laut dem Experten rund 20 000 Werke expressionistischer Künstler aus Museen beschlagnahmt. Darunter von Heinrich Campendonk unter anderem das Hinterglasbild „Frau mit Fischen“ (1930), das heute dem Museum Ludwig in Köln gehört und in der aktuellen Ausstellung des Penzberger Museums gezeigt wird. Campendonks beschlagnahmte Werke wurden dann laut Hüneke zum Teil im Jahr 1937 in der Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ in den Münchener Hofarkaden auf beleidigende Weise ausgestellt und wanderten dann durch ganz Deutschland. Andere Bilder seien ins Ausland verkauft oder gegen nationalsozialistisch-konforme Werke eingetauscht worden. „Einige Werke sind glücklicherweise zurückgekehrt in ihre Museen“, so Hüneke. Andere der betroffenen Werke des Malers Campendonk befinden sich heute in Privatbesitz, andere gelten jedoch als verschollen oder wurden in den Jahren des Zweiten Weltkriegs zerstört.

Die Ausstellung „Magische Transparenz. Heinrich Campendonk als Hinterglasmaler“ im Museum Penzberg läuft noch bis 7. Mai. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10–17 Uhr und Donnerstag 10–20 Uhr. Weitere Infos gibt es auf www.museum-penzberg.de.

Franziska Seliger

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