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Der Bebauungsplan soll das Nebeneinander vom Wohngebiet in Kirnberg (oben links) und dem benachbarten HAP-Werk regeln.

Wohnen und Arbeiten nebeneinander

Kirnberg: Weiter warten auf Bebauungsplan

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Allzu optimistisch dürfte in Penzberg die Prognose des Architekten gewesen sein, dass der Bebauungsplan für den Ortsteil Kirnberg in diesem Jahr fertig ist. Mittlerweile zweifelt man daran auch im Stadtbauamt. Zu kompliziert ist die Gemengelage.

Penzberg – In der jüngsten Stadtratssitzung war noch einmal grundsätzlich über den Bebauungsplan – an ihm wird seit fünf Jahren gearbeitet – diskutiert worden. Der Bebauungsplan soll unter anderem das Nebeneinander von Wohnen und dem Industriebetrieb HAP regeln. Der Anlass, ihn erstellen zu lassen, waren Anwohner-Einwände, die sich ausdrücklich nicht gegen das Unternehmen richten, aber die Schaffung von Baurecht für unnötig halten und die Festlegung eines Mischgebiets kritisieren.

Manfred Reitmeier (BfP) und André Anderl (noch für die CSU) hatten in der Sitzung die Einwände aufgegriffen. Reitmeier ist sich sicher, dass es „mindestens zu zwei Klagen“ wegen der geplanten Umwandlung in ein Mischgebiet kommen wird. „Die Anwohner haben keine Probleme mit HAP, sie wollen aber keine Veränderungen auf ihren Flächen“, sagte Anderl. Dr. Kerstin Engel (Grüne) erklärte, dass die Nähe zu dem Unternehmen zwar durch ein Mischgebiet plausibel zu lösen wäre, dies aber de facto mehr Lärm für die Anwohner durch weiteres Gewerbe bedeuten würde. Sie schlug vor, einfach den Ist-Zustand zu belassen.

Eberhard von Angerer, der den Bebauungsplan ausarbeitet, riet jedoch davon ab, nichts zu tun. Seine Befürchtung ist, dass irgendwann einmal ein hartnäckiger Bauwerber beim Landratsamt trotzdem ein Baurecht erhalten könnte, was die Tür für weitere Wohnhäuser in den entstehenden Baulücken – nach Paragraph 34 – öffnen könnte. Diese neuen Anwohner könnten dann laut von Angerer womöglich Lärmschutz gegenüber dem Unternehmen einklagen. Nach Ansicht der Stadt wird dies am besten durch die Ausweisung eines Mischgebiets verhindert. Sie steht dabei – anders als die Anwohner – auf dem Standpunkt, dass es sich in Teilen faktisch schon jetzt um ein Mischgebiet handelt.

„Wir sehen, dass wir die Bürger vor Lärm schützen müssen“, sagte Regina Bartusch (SPD). Aber wenn man nichts tue, fügte sie an, könnte der Bereich zu einem allgemeinen Wohngebiet mutieren, was negative Folgen für die benachbarte Firma haben könnte. „Wir müssen höllisch aufpassen, dass Baurecht nicht zu einem Recht gegen HAP wird“, sagte Dr. Johannes Bauer (Grüne). Ludwig Schmuck (CSU) warb darum, den Kirnberg-Bebauungsplan zügig fertigzustellen, um dem Unternehmen – es will eine neue Halle mit Lackiererei errichten – Planungssicherheit zu geben. Hardi Lenk (SPD) räumte ein, „dass man heutzutage dort nie ein Werk hinbauen würde“. Nun gelte aber als „Priorität Eins“, ein geordnetes Nebeneinander zu schaffen.

Am Ende beschloss der Stadtrat gegen die vier Stimmen der BfP-Vertreter, den Bebauungsplan-Entwurf ein weiteres Mal öffentlich auszulegen. Zuvor waren auf Empfehlung des Bauausschusses unter anderem zwei zusätzliche Baufenster – mit Festsetzung als Mischgebiet – eingefügt worden.

Der Beschluss des Stadtrats, die Situation in Kirnberg per neuem Bebauungsplan als Mischgebietscharakter festsetzen zu wollen, wird beim angrenzenden Automobilzulieferer Hörmann Automotive Penzberg (HAP) positiv gesehen. „Das kommt uns sehr gelegen“, sagte Geschäftsführer Gerhard Schneider beim jüngsten Ausbildungsstart auf Nachfrage der Heimatzeitung. „Ein Hemmnis, weiter zu investieren, ist weg.“ Das Unternehmen könne nun „vernünftig planen“, so Schneider. Wie berichtet, möchte HAP im nördlichen Bereich seines Areals, in der Nachbarschaft zur Wohnbebauung, eine neue Lackiererei errichten. Im Unternehmen wartet man darauf, dass der Bebauungsplan rechtskräftig wird, um mit der intensiven Planung zu beginnen. Das logistische Problem: Die bestehende Anlage muss während des Neubaus weiterlaufen, erst mit der Fertigstellung kann der Umzug erfolgen. Deshalb sammeln Penzberger HAP-Mitarbeiter Erfahrungen im Hörmann-Werk in Ebersbach unweit von Stuttgart – dort wird eine kleinere Lackiererei umgebaut. Laut Schneider ist die neue Lackieranlage für 2020 angepeilt. Zahlen zur Investition nennt er nicht, diese wäre aber nicht gering. Bereits 2018 Jahr nimmt HAP Geld in die Hand: Circa fünf Millionen Euro werden Schneider zufolge in die weitere Automatisierung der Einzelteilfertigung gesteckt.

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