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Generationswechsel auf dem Penzberger Wochenmarkt

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Von: Franziska Seliger

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Wie der Vater, so der Sohn: Johannes Bantschow (li.) tritt in die Fußstapfen seines Vaters Tibor und übernimmt auf dem Penzberger Wochenmarkt das Amt des Marktsprechers. Johannes Bantschow würde gerne einen Metzger für den Wochenmarkt finden
Wie der Vater, so der Sohn: Johannes Bantschow (li.) tritt in die Fußstapfen seines Vaters Tibor und übernimmt auf dem Penzberger Wochenmarkt das Amt des Marktsprechers. © Seliger

Er war einer der Initiatoren des Penzberger Wochenmarkts Mitte der 1990er Jahre. Seitdem war Tibor Bantschow als Marktsprecher Bindeglied zwischen Standbetreibern und Stadt. Nun übergibt er dieses Amt an seinen Sohn Johannes. Der erklärt der Heimatzeitung, was ein Marktsprecher macht. Und warum es schön ist, morgens um 2.30 Uhr in die Großmarkthalle zu fahren.

Penzberg – Der ehemalige Bürgermeister Kurt Wessner war es, der Mitte der 1990er Jahre auf Tibor Bantschow mit der Idee zukam, in Penzberg einen Wochenmarkt zu etablieren, wie es ihn zu diesem Zeitpunkt bereits in anderen Städten und größeren Gemeinden im Umland gab. „Aber am Anfang gab es total viel Gegenwind“, weiß Bantschows Sohn Johannes aus Erzählungen seines Vaters. Der war zum Zeitpunkt von Wessners Überlegungen mit seinem Obst- und Gemüsestand bereits auf anderen Wochenmärkten in der Region erfolgreich und sofort bereit, bei der Umsetzung von Wessners Idee mit anzupacken. Seine erste Aufgabe: Andere Händler zu finden, die ihren Stand auf dem neuen Penzberger Wochenmarkt aufbauen wollen. Aber nicht irgendwelche Händler, betont Bantschow, sondern solche, mit einem bestmöglichen Warenangebot: etwa mit Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse oder mit gutem Käse.

1996 startete der Penzberger Wochenmarkt und läuft seitdem sehr erfolgreich, wie Bantschow betont. Jeden Donnerstag zwischen sieben und 13 Uhr können sich die Penzberger sowie die Menschen aus dem Umland an aktuell rund zehn Ständen mit frischen Lebensmitteln eindecken.

Von Beginn an war Tibor Bantschow als so genannter Marktsprecher tätig. Das heißt, er war bei Fragen oder Problemen gleichermaßen Ansprechpartner für die Stadt als auch für die Marktleute. „Ein Marktsprecher überlegt immer, wie man den Markt weiterbringen oder welche besonderen Aktionen man anbieten könnte“, erklärt Bantschow. So habe es auf dem Penzberger Markt schon Kindertage gegeben oder Tombolas. Doch seit der Pandemie seien derartige Aktionen nicht mehr angeboten worden.

Und natürlich müsse sich ein Marktsprecher immer fragen: „Stimmt das Angebot noch?“ Also entspricht die feilgebotene Ware den Wünschen der Käufer? Und ist sie qualitativ auch hochwertig genug?

Seine Aufgaben als Marktsprecher in Penzberg will der 68-jährige Tibor Bantschow noch in diesem Jahr an seinen Sohn Johannes übergeben – ebenso seinen Betrieb mit den aktuell sieben Mitarbeitern. „Ich möchte die Arbeit meines Vaters im Austausch mit der Stadt weiter machen“, sagt der 31-Jährige. Vor allem würde er gerne einen Metzger mit einem Fleisch- und Wurststand für den Markt finden. Doch das sei nicht leicht.

Der gelernte Einzelhandelskaufmann hat von klein auf im elterlichen Betrieb mitgearbeitet und fährt schon viele Jahre mit auf die Wochenmärkte in der Region. Denn nicht nur in Penzberg ist die Habacher Familie Bantschow mit einem Stand vertreten. Auch auf den Wochenmärkten in Wolfratshausen, Weilheim und sogar in München ist ihr Obst- und Gemüsestand fester Bestandteil des Angebots.

Ein bequemes Leben ist das eines Obst- und Gemüsehändlers ohne festen Laden, dafür aber mit einem mobilen Marktstand dabei beileibe nicht. Etwa dreimal wöchentlich fahre er schon morgens um 2.30 Uhr zur Großmarkthalle nach München, um frisches Obst und Gemüse zu kaufen. „Damit sind wir fünf bis sechs Stunden beschäftigt. Das geht nicht an einem Markttag“, erklärt Johannes Bantschow.

Akkurat achtet er bei diesen Einkäufen auf die Qualität von Birne, Brokkoli und Co. Er probiert, befühlt, vergleicht und sucht nach bestmöglicher Qualität und höchstem Genuss. „Ich entscheide aufgrund des Geschmacks und des Preises.“

Die gekaufte Ware wird dann im Kühllaster in die firmeneigene Lagerhalle nach Antdorf gebracht, die Familie Bantschow gerade neu gebaut hat. In speziell gekühlten Räumen lagern die Produkte hier nur kurz, bevor sie am Vorabend des nächsten Markttages wieder im Transporter verladen werden. „Am Markttag selbst starten wir um 5 Uhr morgens“, so Bantschow. Der meterlange Stand muss auf dem Stadtplatz aufgebaut, Obst und Gemüse appetitlich kistenweise arrangiert werden. Und das bei jedem Wetter. Denn der Wochenmarkt findet auch im Winter statt. „Kurz vor sieben kommen dann die ersten Kunden.“ Viele von ihnen seien Stammkunden. Man kennt sich, ratscht ein bisschen, lässt sich beraten. Was für Bantschow das Schöne ist an einem Markt? Hier könne man auch nur einen halben Blumenkohl kaufen, nur eine Banane und könne sich aus einer Kiste Erdbeeren die schönsten rausgeben lassen. Meist seien es 450 verschiedene Sorten Obst- und Gemüse die an seinem Stand angeboten werden. Viele regionale Produkte, aber auch exotische Früchte.

Die Ware kaufe er dabei nicht nur in der Großmarkthalle. Auch regionale Gärtnereien fahre er mit seinem LKW an oder lasse sich beispielsweise Obst aus der Bodenseeregion liefern.

Bis etwa 13 Uhr dauere so ein Markttag. Feierabend ist danach aber noch lange nicht: Die verbliebene Ware muss zurück in den LKW, dann in der Lagerhalle für den nächsten Markttag neu sortiert und wieder auf den Laster geladen werden. Und danach steht oft noch Büroarbeit an. Wie viele Stunden er pro Woche arbeitet? „70 bis 80“, schätzt Bantschow. Etwas anderes machen möchte er trotzdem nicht. Er arbeite gerne an der frischen Luft sagt er. Und er liebe es, in der Großmarkthalle am frischen Obst zu riechen und knackiges Gemüse zu probieren.

Von der aktuellen Energiekrise oder den steigenden Lebensmittelpreisen merke er derzeit noch nichts, sagt Bantschow. Denn viele der derzeit verkauften Produkte seien schon vor dem Krieg in der Ukraine draußen auf den Feldern angebaut worden. Dass könnte sich aber ändern, wenn die Gärtnereien im Winter ihre Gewächshäuser beheizen müssen.

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