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Beim Weilheimer Rathaus bog der Demonstrationszug auf die B 2 ab. Die Straße musste rund eine viertel Stunde für den Verkehr gesperrt werden.

In Weilheim, Penzberg und Schongau

Klima-Demos im Landkreis auch bei Schmuddelwetter

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  • Wolfgang Schörner
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Nicht nur in Berlin und München gingen die Menschen für Klimaschutz auf die Straße, auch im Landkreis war einiges geboten: In Weilheim, Penzberg und Schongau wurden insgesamt rund 1200 Demonstranten gezählt.

Weilheim – Wer den Kindern und Jugendlichen bislang unterstellt hat, dass sie nur des Schuleschwänzens wegen auf die Straße gehen und Schönwetterdemonstranten sind, der wurde gestern in Weilheim eines Besseren belehrt: Als sich um 13 Uhr rund 600 Demonstranten auf dem Weilheimer Kirchplatz versammelten, war der Unterricht an allen Schulen schon zu Ende. Und das Wetter lud auch nicht dazu ein, sich auf der Straße herumzutreiben. Teilweise war es, als ob der heftige Wind die Forderungen der Demonstrierenden unterstreichen wollte.

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Vom Baby im Tragetuch bis zur Über-80-Jährigen, von Bürgermeistern – zum Beispiel Manuela Vanni aus Peißenberg und Helmut Dinter aus Wessobrunn – bis zum Geschäftsmann, vom Lehrer bis zum Schüler von der Familie bis zum Single, vom Atheisten bis zum Pfarrer – auch Stadtpfarrer Engelbert Birkle war dabei – die Bandbreite derer, die den Reden bei Auftakt-Kundgebung lauschten, war groß. Und einmal mehr wurde deutlich, dass die Kinder und Jugendlichen längst nicht mehr alleine sind mit ihren Sorgen und Forderungen. Fast die Hälfte der Teilnehmer waren Erwachsene. Viele hatten Plakate mit Sprüchen mitgebracht. Wie die Frauen, die sich „Mütterliche Werte für diese Erde“ wünschten.

Wissenschaftler: „Macht Druck auf allen Ebenen“

Professor Michael Schrödl lehrt unter anderem Artenvielfalt und Meereskunde an der LMU München und ist einer der 26 000 Wissenschaftlern im deutschsprachigen Raum, die sich zu den „Scientists for Future“ zusammengeschlossen haben, wie er bei der Kundgebung sagte: „Wir haben uns gegründet, nachdem bezweifelt wurde, dass das, was die ’Fridays for Future’-Bewegung sagt, wissenschaftlich erwiesen ist“, sagte Schrödl.

Die Temperaturen stiegen immer mehr an, was für katastrophale Zustände auf der Erde sorgen werde, wenn diese Entwicklung nicht gestoppt werde. Auf seinem Weg nach Weilheim sei er durch eine „Bilderbuchlandschaft“ gefahren, doch diese sei massiv bedroht. „Unsere Landschaft wird sich dramatisch verändern“, so Schrödl. Er riet: „Macht Druck auf allen Ebenen!“

B2 durch die Demo kurzzeitig blockiert

Nachdem die Gruppe noch ein paar Sprüche und Lieder geübt hatte und der Weilheimer Musiker Daniel Aubeck ein paar Lieder gesungen hatte, setzte sie sich in Richtung Rathaus in Bewegung. Immer wieder hielt der Zug an, um Sprüche zu skandieren wie „wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut“ oder „wir sind laut, wir sind viele, haltet Euch an Klimaziele.“ Am Rathaus angekommen wurden die Demonstrierenden noch ein bissl lauter.

Der Zug bog anschließend auf die B 2 ab, die die Polizei deswegen rund eine viertel Stunde für den Verkehr gesperrt hatte. Der Stau sei nicht so groß ausgefallen, wie erwartet, sagte der zuständige Polizist, Martin Hackl, im Anschluss. Auf Höhe des Gymnasiums verließen die Demonstrierenden die Bundesstraße wieder und gelangten über den Unteren Graben, die Schmiedstraße und die Ledererstraße zurück zum Kirchplatz. Dort sprach der Stadtpfarrer noch ein paar Worte. „Ich möchte Euch für Eure Initiative, für Eure Stimmen danken“, sagte Birkle und: „Wir können was tun oder nix tun, also tun wir was!“.

Auch in Penzberg mehr als 300 Teilnehmer am Start

Mehr als 300 Jugendliche und Erwachsene beteiligten sich am Freitag in Penzberger an der „Fridays for Future“-Demo zum globalen Klimastreik. Es waren zwar weit weniger Demonstranten als im September. Lautstark waren sie trotzdem. Eine Abschlusskundgebung gab es dieses Mal nicht.

Um 11.30 Uhr hatten sich die Demonstranten am Freitag vor dem Penzberger Gymnasium versammelt, um über die Christianstraße, den Schlossbichl – brav auf dem Bürgersteig – und dem Gewerbegebiet zum Kreisverkehr am „Berggeist“ zu ziehen. Dort wurde die Demo wieder aufgelöst. Neben vielen Erwachsenen beteiligten sich vor allem Gymnasiasten und Montessorischüler – natürlich wieder mit vielen Plakaten. Zum Beispiel „Wacht auf, sonst ist es zu spät für uns alle“, „Fahrrad statt Auto“ oder „Respect Existence or Expect Resistance“ („Respektiere Existenz oder erwarte Widerstand“) war zu lesen. 

„Es ist wichtig, dass man den Tatsachen ins Auge schaut“

Vorneweg eine alte Weltkarte aus Gymnasiumsbeständen („Die Klimate der Erde“), die mit der Warnung vor dem Klimawandel, vor Überschwemmungen und Dürren verziert war. Dazu riefen die Demonstranten ihre Parolen wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“ Wie berichtet, hatte der Penzberger Stadtrat vor einer Woche in einer Sondersitzung ein Klimapaket geschnürt, diese Woche aber die „Fridays for Future“-Forderung nach Ausrufung des „Klimanotstands“ mehrheitlich abgelehnt.

Beim Weilheimer Rathaus bog der Demonstrationszug auf die B 2 ab. Die Straße musste rund eine viertel Stunde für den Verkehr gesperrt werden.

Stattdessen wählte er den Slogan „Klimaoffensive 2035 Penzberg“. Als „sehr schade“ bezeichnete Gianna Lisci (26) am Freitag bei der Demonstration das Nein zur „Klimanotstand“-Ausrufung. „Es wäre ein gutes Symbol gewesen“, sagte sie. „Es ist wichtig, dass man den Tatsachen in die Augen schaut“ – und man sie nicht beschönigt. Ähnlich sah es Max Link (18). Er könne einige Argumente der Politiker – zum Beispiel, wenn es um die Wirtschaft geht – verstehen.

 „Aber viele Leute haben noch nicht die Dringlichkeit erkannt.“ Eine Dringlichkeit, die wissenschaftlich belegt sei. „Wir demonstrieren dafür, dass die Leute das erkennen.“ Versprechungen allein würden nicht genügen. Dass das Parlament der Europäischen Union am Donnerstag den „Klimanotstand“ ausgerufen hat, das, so Max Link, „war ein wichtiger Schritt“.

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