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Abschreiben unmöglich: Abstandregel sei Dank. Die 4a der Grundschule Polling mit Rektorin Tanja Wagner.

Unterricht in Zeiten der Corona-Krise

An der Wäscheleine in die Grundschule - die Lehrer sind genervt

„Mit dem gewohnten Schulunterricht von früher lässt sich die aktuelle Situation kaum noch vergleichen“, sagt Tobias Pupeter, Leiter der Weilheimer Grundschule am Hardt. Auch viele seiner Kollegen im Landkreis sind von den folgenreichen Corona-Beschränkungen genervt. Wir haben uns umgehört.

Landkreis – Fast täglich trudeln aus dem Kultusministerium seitenlange Schreiben ein, unter anderem mit detaillierten Anweisungen, Regeln und Vorschriften „zur schrittweisen Ausweitung des Präsenzunterrichts unter genauer Beachtung des Gesundheitsschutzes“. Es sei ihm ein großes Anliegen, so Minister Michael Piazolo, „dass die bayerischen Schulen auch künftig ein Raum sind, in dem sich die Jugendlichen, aber auch die Lehrkräfte und alle anderen Beschäftigten sicher fühlen“.

Damit das so ist, gibt es für alle Grundschulen weitreichende Hygiene-Konzepte, wie Pupeter schildert. „Unsere ersten und vierten Klassen sind geteilt und haben wechselweise an festen Tagen Unterricht. Sie werden an einer Wäscheleine mit Abstandsmarkierungen ins Haus geführt, wo es Einbahnstraßen-Regelungen gibt.“ Am Montag nach den Pfingstferien soll der Unterricht auch für alle übrigen Jahrgangsstufen an allen Schularten wieder aufgenommen werden, auch dann wird gestaffelter Schichtbetrieb die Regel sein. „Statt wie bisher drei gibt es dann vier Stunden Unterricht“, so der Schulleiter.

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Er hat diese Woche mit dem halben Kollegium besprochen, wie es nach den Pfingstferien weitergehen kann. Die bisherigen Erfahrungen der Lehrkräfte im Umgang mit den Beschränkungen sind überwiegend positiv: „Die meisten Kinder haben sich erstaunlich schnell in die ungewohnte Situation reingefunden.“

Das kann auch Tanja Wagner als Leiterin der Grundschule Polling bestätigen. „Viele unserer Jüngsten sehen es eher als Spiel, eine Schutzmaske zu tragen.“ Es gebe keine Reibereien oder gar Vorkommnisse wie andernorts, dass Kinder einander anspucken, wie uns berichtet wurde. In Polling kommen die Jugendlichen der dritten und vierten Klassen jede Woche zu einem 90-minütigen Gedankenaustausch in die Schule. „Dabei können sie Entspannungsübungen machen oder erzählen, wie es ihnen mit dem Lernen zuhause geht.“

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„Man braucht momentan schon eine große Portion Kreativität“, umschreibt Ute Meub, Leiterin der Schongauer Staufer-Grundschule, wie sie und ihre Kollegen im Landkreis Tag für Tag mit vielen Problemen fertig werden müssen. „Ständig gibt es neue Regeln – das ist pädagogisch nicht gerade erstrebenswert.“ Die Kinder dürfen die Garderoben nicht benutzen und nur auf die Toilette, wenn eine Klo-Ampel Grün zeigt. Keine Rangeleien in der Pause, kein Stifte-Tauschen, keine Gruppen- oder Partnerarbeit – Corona hat zu einer Situation mit nie gekannten Schwierigkeiten geführt.

Dazu gehört auch die Notbetreuung für Kinder von Eltern, die in einem Bereich der kritischen Infrastruktur arbeiten, also in Berufen wie Krankenschwester, Polizist, Zahnarzt und so weiter. Damit die Notbetreuung auch während der Pfingstferien in Anspruch genommen werden kann, müssen laut Piazolos besondere Voraussetzungen erfüllt sein.

„Lehrer sind überlastet und haben Anspruch auf Erholung“

Das kritisiert der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) in einer Pressemitteilung. „Viele Schulen haben bereits jetzt Personalprobleme, weil Lehrkräfte ausfallen, die einer Risikogruppe angehören“, so die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Die Lehrer hätten seit Beginn der Corona-Krise mit höchstem Einsatz unter schwierigsten Bedingungen ein schulisches Angebot aus dem Boden gestampft und aufrecht erhalten. „Jetzt sollen sie nach der Notbetreuung in den Osterferien auch noch in den Pfingstferien eingesetzt werden.“ Inzwischen seien viele Lehrkräfte überlastet und hätten nun Anspruch auf Erholung.

„Es stimmt, dass wir als Pädagogen sehr gefordert sind“, sagt Annett Baier von der Grundschule an der Penzberger Birkenstrasse. Aber auch unter den Kindern sei die Stimmung nicht mehr ganz so ausgelassen wir früher. Dazu komme, dass man trotz aller Einschränkungen regelmäßig Kontakt zu den Eltern halten müsse. „Das alles verlangt uns ein hohes Maß an Flexibiltät und Organisationstalent ab.“

Notbetreuung an Peißenberger Schule bis 16 Uhr

Wie alle anderen hat auch die St. Johann-Schule in Peißenberg ihre Klassenräume umgestaltet und wieder Frontalunterricht eingeführt, der gruppenweise im wöchentlichen Wechsel stattfindet. Darin sieht Schulleiter Matthias Igerl auch einen Vorteil: „Wir haben kleine Gruppen, in denen es keine Aggressionen gibt; unsere Kinder halten sich ausnahmslos an alle Vorschriften.“ An der Peißenberger Ganztagsschule dauert die Notbetreuung bis 16 Uhr – ein Umstand, der laut Igerl komplexe Organisation erfordert. „Durch intensive Phasen der Wiederholung und des individuellen Übens wollen wir möglichst gleiche Grundlagen für den weiteren Lernfortgang aller jungen Menschen sichern“, verspricht Minister Piazolo. VON PETER STÖBICH

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