+
Seit Mittwoch sind kostenlose Tests auf Corona möglich. Im Landkreis Weilheim-Schongau ist die Nachfrage bislang jedoch überschaubar. 

Weilheim-Schongau

Kostenlose Corona-Tests: Umfrage unter Hausärzten mit überraschendem Ergebnis

  • Boris Forstner
    vonBoris Forstner
    schließen

Seit Mittwoch kann sich jeder Bürger kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen. Eine Umfrage unter Hausärzten im Landkreis Weilheim-Schongau ergab jedoch, dass das Angebot bisher kaum genutzt wird. Viel interessanter für die Bürger ist offenbar ein anderer Test.

Landkreis – Wer dachte, dass sich gleich an den ersten Tagen des neuen kostenlosen Angebots auch ohne Symptome massenweise Bürger auf Corona testen lassen, sieht sich getäuscht. „Das hält sich sehr in Grenzen, bei mir hat sich bisher nur ein Patient gemeldet“, sagt der Schongauer Hausarzt Martin Kayser. Der betreffende Mann war im Türkei-Urlaub, das noch als Risiokogebiet gilt, was bedeutet: Nach der Rückkehr sind zwei Wochen Quarantäne fällig. „Doch mit einem negativen Corona-Test kann man diese Zeit verkürzen“, weiß Kayser.

Dr. Alexander Schießler Hausarzt in Weilheim

Das bestätigt, etwas kompliziert ausgedrückt, das Gesundheitsamt: „Die Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses bei der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde, welches bestätigt, dass keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 vorhanden sind und das sich auf eine molekularbiologische Testung auf das Vorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus stützt, hebt die Verpflichtung zur weiteren häuslichen Absonderung auf.“

Anmeldung für Corona-Test ist unbedingt erforderlich

Kaysers Patient, der nach 48 Stunden übrigens ein negatives Testergebnis erhielt, hat also von der Neuregelung profitiert: „Am Montag hätte er für den freiwilligen Test noch 180 Euro zahlen müssen, am Mittwoch bekam er ihn kostenlos.“ Auch für den kostenlosen Corona-Test sei eine Anmeldung unbedingt erforderlich, so Kayser. „Das kann man nicht nebenbei im Praxis-Alltag anbieten.“ Er hat drei Mal die Woche je eine halbe Stunde vorgesehen, das reiche aus.

Martin Kayser Hausarzt in Schongau

Auch bei Hausarzt Alexander Schießler, der Corona-Schwerpunktpraxis in Weilheim, hält sich das Interesse in Grenzen. „Ein, zwei Patienten waren da“, sagt er. „Es kann sein, dass das kostenlose Angebot erst bekannter werden muss. Aber ich denke nicht, dass es den großen Zulauf geben wird.“

Ähnliche Erfahrungen hat an den ersten drei Tagen der Penzberger Hausarzt Stefan Bloch gemacht. „Zwei Patienten waren da, die wollten einfach wissen, ob sie Corona haben.“ Bloch hält das aber ohne Symptome für wenig sinnvoll, wenn man nicht etwa in einem Altenheim arbeitet oder einer Gemeinschaftsunterkunft wohnt.

Ein anderer Test ist von Patienten sehr gefragt

Was allerdings sehr gefragt ist, sei der Antikörpertest, so Bloch. Der weist nach, ob jemand bereits Corona hatte und es möglicherweise gar nicht gemerkt hat. „Das sind oft Menschen, die im Frühjahr einen Schnupfen oder eine Erkältung hatten und wissen wollen, ob es nicht vielleicht Corona war“, so Bloch. Das bestätigt auch Schießler, der ebenso zahlreiche Test durchgeführt hat, und auch Kayser, der viele Anfragen für den 25 Euro teuren Test hatte. „Bei einem Patienten hatte die Ehefrau Corona, der wollte wissen, ob er es unerkannt auch hatte, und war tatsächlich positiv“, berichtet Kayser. Alle anderen seien negativ gewesen, hatten also falsch eine unerkannt verlaufene Corona-Erkrankung vermutet.

Auch Bloch hatte in Penzberg schon 20 bis 30 Patienten, die sich auf Antikörper testen ließen. Ein Fall sei besonders spannend gewesen, weil der Mann vermutet hatte, sich im Februar – also vor dem großen Corona-Ausbruch – bei einer großen Geburtstagsfeier in Ingolstadt angesteckt zu haben, wo in der Folge sogar eine Person gestorben sei. Der Patient sei beim Antikörpertest tatsächlich positiv gewesen.

Lesen Sie auch:

Kurzarbeit: Bayernweiter Vergleich mit verblüffendem Ergebnis für Weilheim-Schongau und Landsberg

An der Weilheimer Tafel können sich Bedürftige einmal pro Woche Lebensmittel abholen. Eine Passantin hat dabei eine unglaubliche Beobachtung gemacht.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Bilanz in Penzberg: Finanzielle Folgen für die Stadt verschärfen sich 2021
Bei 3,85 Millionen Euro könnte heuer der Steuerausfall der Stadt Penzberg wegen der Corona-Pandemie liegen. Stadtkämmerer Hans Blank bestätigte in einer Halbzeitbilanz …
Corona-Bilanz in Penzberg: Finanzielle Folgen für die Stadt verschärfen sich 2021
ÖDP macht mobil gegen 5G-Ausbau im Landkreis Weilheim-Schongau
Angesichts des deutlicher schneller voranschreitenden 5G-Ausbaus im Landkreis, der vor allem durch die Telekom vorangetrieben wird, hat sich der ÖDP-Kreisverband mit …
ÖDP macht mobil gegen 5G-Ausbau im Landkreis Weilheim-Schongau
Lieber ein Weg als ein Platz für Gretl Lindner in Weilheim
Es wird keinen Gretl-Lindner-Platz in der Weilheimer Altstadt geben, stattdessen trägt ein Fußweg am Gögerl künftig offiziell den Namen der 2010 verstorbenen Agenda …
Lieber ein Weg als ein Platz für Gretl Lindner in Weilheim

Kommentare