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Einfach wie gewohnt den Fernseher einschalten – das funktionierte in vielen Haushalten wegen der Abschaffung des analogen Kabelfernsehens nicht mehr. 

Abschaltung des Analogen Fernsehens

Massenansturm der Kabelkunden 

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Trotz Ankündigung kam die Abschaltung des analogen Signals für viele Menschen völlig überraschend. Die Elektrogeschäfte im Landkreis werden überrannt. 

Landkreis – In den 40 Jahren, in denen Fachverkäufer Günther Wellas für den Mediamarkt arbeitet, hat er schon viel gesehen. Doch mit dem Ansturm, den er seit vergangener Woche in der Weilheimer Filiale erlebt, hatte er nicht gerechnet. „Unser Hauptgeschäft machen wir eigentlich zu Weihnachten. Aber sogar das wurde übertroffen“, sagt er. Am vergangenen Donnerstag, 23. August, warteten schon um 8 Uhr hunderte Menschen vor den Eingangstüren – bereit, die Fernsehabteilung des Elektromarktes zu stürmen.

Grund war nicht etwa ein besonders günstiges Angebot, das Schnäppchenjäger auf den Plan rief. Sondern die Abschaltung des analogen Kabelfernsehens des Kabelnetzbetreibers Vodafone. Briefe, die diese Umstellung zu eben jenem Donnerstag in Weilheim, Peißenberg und Penzberg und der Umgebung angekündigten, erhielten Anwohner bereits vor über einem Monat. Fernsehsender könnten dann nur noch digital empfangen werden, hieß es darin. Auch ein auf dem Fernsehbildschirm durchlaufender Hinweistext wurde etwa drei Wochen vor dem Termin immer wieder eingeblendet. Trotzdem schien einen Großteil der Haushalte nicht damit gerechnet zu haben, plötzlich statt des gewünschten Fernsehprogramms nur noch schwarz-weißes Flimmern auf dem Bildschirm zu sehen.

Nachfrage auch in Penzberg enorm

„Mich hat generell gewundert, wie viele Leute noch Fernseher besitzen, die vor 2012 gekauft wurden“, erklärt Wellas. Denn ein Problem sei die Umstellung hauptsächlich für die Besitzer solcher Geräte gewesen: Sie standen nun vor der Wahl, sich entweder einen digitalen Receiver oder direkt einen neuen Fernseher anzuschaffen. „Die Nachfrage nach den digitalen Empfangsgeräte ist immer noch riesig, auch eine Woche nach der Abschaltung. Normalerweise verkaufen wir in einer Woche etwa drei Receiver. Seit letztem Donnerstag haben wir über 500 Stück verkauft“, sagt der Fachverkäufer. Gleichzeitig besuchten auch viele Kunden die Filiale, die direkt ein neues Fernsehgerät kaufen wollten. „Trotz Urlaubszeit sind wir gerade voll besetzt, um da hinterher zu kommen“, sagt er.

Zu Christoph Marksteiner, Geschäftsführer von „Euronics Marksteiner“ in Penzberg, kamen bereits den ganzen August über Kunden, um sich die passenden Geräte anzuschaffen. Ab dem Tag der Abschaltung stieg die Nachfrage auch in seinem Geschäft noch einmal enorm. „Viele Leute waren einfach völlig überfordert mit diesem Thema“, sagt er.

Auch in der Werkstatt im Dauereinsatz

Wer zu Marksteiner kam, war meist auf der Suche nach einem digitalen Receiver. Doch auch Leute mit modernen Fernsehern, die normalerweise bereits ein solches Gerät integriert haben, hatten laut dem Geschäftsführer große Probleme. „Mit der Umstellung wurden auch die Digitalprogramme neu sortiert“, sagt er, „das sorgte für Verwirrung.“ Um weiter fernsehen zu können, müssten die Sender neu installiert werden – unter anderen sei dies mit der Durchführung eines Sendersuchlaufs möglich.

Kunden, die sich damit nicht selbst zu helfen wissen, vereinbaren seit dem Tag der Umstellung Termine in der dazugehörigen Werkstatt des Elektrofachgeschäftes. Auch hier sind Marksteiner und seine Mitarbeiter wegen der Umstell- und Installationsarbeiten im Dauereinsatz. „Manche Fernsehbesitzer waren richtig verärgert“, sagt er, „vielleicht haben sie auch gedacht, dass sie das Thema gar nicht betrifft und sie bereits digital fernsehen würden.“

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