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Drei Polizeichefs: (v.l.) Herbert Kieweg (Schongau), Harald Bauer (Weilheim) und Jan Pfeil (Penzberg).

Landkreis Weilheim-Schongau

Polizeiarbeit in Corona-Zeiten: Maskenkontrolle statt Schlägerei-Einsatz

  • Andreas Baar
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Weniger Unfälle und Diebstähle, dafür mehr Kontrollen: Für die Polizei hat sich die Arbeit in Corona-Zeiten verändert. Drei Polizeichefs aus dem Landkreis ziehen eine Bilanz der Beschränkungen.

Landkreis– Die Situation droht am 1. Mai-Feiertag in einer Gemeinde im östlichen Landkreis zu eskalieren. Anwohner grillen mit den Nachbarn ein Spanferkel. Die Penzberger Polizei hat im Vorfeld eigens eine „präventive Ansprache“ mit Hinweis auf die damals geltenden Ausgangsbeschränkungen gemacht, erinnert sich Penzbergs Inspektionsleiter Jan Pfeil. Vergebens. Von besorgten Nachbarn informiert, rücken die Beamten an und finden eine gesellige Runde vor. Pfeil: „Die Stimmung war aufgeheizt und alkoholgeschwängert. Die Kollegen wurden mit einem Hitlergruß verabschiedet.“ Es hagelt Anzeigen für Teilnehmer und Veranstalter wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz. Ein Bußgeldbescheid vom Landratsamt droht. Der verbotene Nazigruß geht als Straftat an die Staatsanwaltschaft.Oder der 59-jährige Penzberger, der betrunken im Zug aus Benediktbeuern sitzt – ohne Maske und rauchend. Am Bahnhof will er einen Zugbegleiter schlagen, fällt hin und verletzt sich am Kopf. Auch er handelt sich eine Anzeige ein.

Corona war „Kraftakt“ für Polizei

So extrem ging es die vergangenen Wochen nicht immer im landkreisweiten Polizeidienst zu. Dennoch hat die Corona-Pandemie „massive Auswirkungen auf unser Alltagsgeschäft“. So beschreibt es Weilheims Polizeichef Harald Bauer. Intern wurden Hygienekonzepte umgesetzt, kleine Teams geschaffen, der Tagesdienst gesplittet und in immer gleiche Streifenpaare eingeteilt. Ziel: Gesundheit und Einsatzfähigkeit der Kollegen erhalten. Polizeipräsident Robert Kopp nennt es gegenüber der Heimatzeitung einen „Kraftakt“.

„Das Einsatzgeschehen hat sich deutlich verändert“, sagt Kopp. In vielen Bereichen verzeichnet er einen Rückgang bis zu 50 Prozent. „Der Straßenverkehr ist zurückgegangen“, bilanziert der Weilheimer Bauer. „Das Nachtleben ist nicht mehr existent“ – inklusive Betrunkener und Schlägereien. „Einbruchsdelikte sind weniger geworden, auch Ladendiebstähle“, ergänzt Schongaus Polizeichef Herbert Kieweg.

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Die Überwachung der Verordnungen und Beschränkungen stand nun im Vordergrund. Kieweg spricht „ein dickes Lob“ aus: „Die Bürger haben sich überwiegend daran gehalten.“ Polizeipräsident Kopp lobt die „ganz große Masse“ an Verständnisvollen. Der Penzberger Pfeil berichtet von positiven Reaktionen auf der Straße. Gerade in Orten wie Seeshaupt, Bernried und Iffeldorf, wo Auswärtige trotz Ausgangsbeschränkung eintrafen. „Der Ausflugsverkehr hat uns in der ersten Zeit beschäftigt“, ergänzt der Weilheimer Bauer.

Manchmal wurden gleich auch andere Delikte aufgeklärt

Im Großen und Ganzen blieb es aber ruhig, heißt es von den drei Polizeichefs unisono. In der Kreisstadt gab es laut Bauer „ein paar Grillfeste“.

Manchmal zog die Kontrolle ein weiteres Delikt nach sich. Wie bei der Schongauer Polizei: In einem Dorf sitzen drei Jugendliche auf einer Bank. Von einer Streife bemerkt „gingen sie stiften“, erzählt Leiter Kieweg. Die Beamten finden in einer Tasche Marihuana. Der Besitzer bekommt eine Strafanzeige.

Die Polizei war in den vergangenen Wochen verstärkt unterwegs. Der Streifendienst wurde ausgeweitet, gerade an Wochenenden. Autos wurden angehalten und die Insassen nach dem Grund ihrer Fahrt gefragt. Motorradfahrer hatte man im Blick. „Die leeren Straßen wurden genutzt“, so Bauer. „Wir hatten Leute, die einfach im Cabrio spazieren fuhren.“ Der Penzberger Pfeil berichtet gar von einem Autofahrer aus Berlin: „Das konnte er nicht erklären.“ Der Mann wurde zurückgeschickt – mit einer Anzeige. Beliebte Seen und Parkplätze wurden kontrolliert. „Es war extrem wichtig, Präsenz zu zeigen, um die Maßnahmen in die Köpfe zu bekommen“, erklärt Bauer.

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Oft war Fingerspitzengefühl gefordert. Die Polizei fuhr nicht immer die harte Linie. Denn die Beschränkungen „sind schon tiefe Einschnitte“, sagt Polizeipräsident Kopp. Bei manchem Verstoß „haben es die Leute nicht gewusst“, hört man vom Weilheimer Bauer. „Da kläre ich halt auf.“

Allein 300 Anzeigen bei Weilheimer Polizei

Trotzdem ist die Zahl der Anzeigen, die wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz an das Landratsamt weitergeleitet wurden, hoch. In Weilheim liefen bis Mitte Mai 300 Stück auf, in Penzberg 275 und in Schongau 260. In der Lechstadt gab es zuletzt gleich drei Anzeigen wegen nicht eingehaltener Maskenpflicht.

Die meisten Verstöße werden von den Streifen bemerkt. Es gibt aber auch Anrufe von Mitmenschen. Polizeipräsident Kopp spricht von über 100 Anrufen täglich in der Rosenheimer Einsatzzentrale. Es ist „kein Denunziantentum“, meint der Weilheimer Bauer. Die überwiegende Zahl hätte einfach Sorgen gehabt.

Nächte sind ruhiger als sonst

Unterm Strich ziehen die drei Inspektionsleiter ein positives Fazit der vergangenen Corona-Zeit. Langsam kehrt der polizeiliche Alltag zurück. Es gibt wieder Verkehrsunfälle und Ladendiebstähle. „Die Nächte sind aber immer noch ruhiger“, sagt Bauer. Kollege Pfeil würde eines gern mitnehmen: „Die Freinacht war äußerst angenehm.“

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