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Kommunalwahl 2020

Zoff bei den Parteifreien: BfP und BfL liefern sich eine Scheidung mit Rosenkrieg

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Die Penzberger BfP und die landkreisweite BfL leben zwar seit Monaten in Scheidung. Jetzt gab es aber noch einmal einen großen Knall. BfP-Kreisrat Wolfgang Sacher erklärte seinen sofortigen Austritt aus der BfL-Kreistagsfraktion – aus Verärgerung über einen Facebook-Kommentar von BfL-Kreisrätin Brigitte Loth. Sie steht dazu.

Penzberg – Eigentlich gehen die „Bürger für Penzberg“ (BfP) und die „Bürger für den Landkreis“ (BfL) bereits seit Monaten getrennte Wege. Im aktuellen Kreistag sind sie zwar noch vereint in der BfL-Fraktion. Bei der Kommunalwahl tritt die BfP jedoch als eigenständige Wählerliste an, da sie Penzberg bei der BfL nicht ausreichend berücksichtigt sieht. Die Scheidung schien trotzdem relativ ruhig vonstattenzugehen.

Nun kam es aber zum Knall. Der Penzberger Wolfgang Sacher ist massiv verärgert. „Ich muss mir nicht alles gefallen lassen“, sagt er. Es spricht von „Nachtreterei“, weil man die BfP nicht als Konkurrenz im Kreistag haben wolle. Sacher meint damit einen Facebook-Kommentar zu einem Bericht über die „Bürger für Penzberg“.

Der Stein des Anstoßes - das Posting von Brigitte Loth.

Geschrieben hat den Kommentar Brigitte Loth, die wie Sacher der BfL-Kreistagsfraktion angehört. Darin erklärt die Weilheimerin: „Wenn künftig die BfP-Vertreter mit genauso viel Abwesenheitszeiten bei Sitzungen glänzen wie in der Vergangenheit, dann sind die gesammelten Stimmen verlorene Stimmen für Penzberg.“ Mit dem Abwesenheitsvorwurf meint sie Sacher – er ist das einzige BfP-Mitglied in der BfL-Kreistagsfraktion.

Wolfgang Sacher

Sacher („Sie sollte sich schämen“) zog am Mittwoch die Konsequenz. Er erklärte seinen sofortigen Austritt aus der BfL-Kreistagsfraktion in Briefen an Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) und an den BfL-Kreistagsfraktionsvorsitzenden Wolfgang Taffertshofer. Sacher sagte dazu am Donnerstag, er habe tatsächlich zuletzt im Kreistag und in den Ausschüssen gefehlt. Und zwar weil er am 26. August, als er bei Bad Reichenhall mit dem Fahrrad unterwegs war, von einem Auto angefahren wurde. Er habe sich das Schlüsselbein, Rippen und das komplette Schulterblatt gebrochen, habe über Monate Schmerzmittel genommen und nicht lange sitzen können. Für seine Abwesenheit in zwei Kreistags- und drei Ausschusssitzungen habe er sich aber entschuldigen lassen.

Brigitte Loth, seit zwölf Jahren Kreisrätin, will ihren Vorwurf trotzdem nicht zurücknehmen. Es gehe nicht um Sachers krankheitsbedingte Abwesenheit. Er habe über die ganze Amtsperiode oft in Kreistag und Ausschüssen gefehlt, sagte sie am Donnerstag auf Nachfrage. BfL-Fraktionschef Taffertshofer sprach gestern zwar von einer durch Respekt und Anstand geprägten Zusammenarbeit mit Sacher, bescheinigte ihm aber auch ein „Engagement auf niedrigem Niveau“.

Brigitte Loth

Der Auslöser für Brigitte Loths Kommentar sind BfP-Aussagen, dass Penzberger Belange nicht berücksichtigt würden. „Wir haben immer zusammen mit Penzbergern gute Entscheidungen für den Landkreis getroffen, immer von Wertschätzung geprägt“, so Brigitte Loth. Entgegen der BfP-Aussagen („Das sind Unwahrheiten“) seien viele Millionen Euro nach Penzberg geflossen. Ihr sei es auch wichtig gewesen, Penzberger für die BfP-Liste zu finden, sagte sie mit Blick auf die Kooperation mit „Penzberg miteinander“.

Gegenüber unserer Zeitung legte Brigitte Loth am Donnerstag sogar noch nach: „Die BfP mit Herrn Sacher als Kreisrat verfolgt seit Jahren das Ziel, politische Gegner zu verunglimpfen, Unwahrheiten zu streuen und den Landkreis zu spalten.“ In vielen persönlichen Gesprächen sei er aufgefordert worden, „seinen politischen Stil zu ändern, leider ohne Erfolg“, sagte sie. Tatsächlich hatte sich die BfL in der Vergangenheit über den Stil der BfP-Facebook-Kommentare geärgert und ihren Kreistagskollegen Sacher zur Rede gestellt.

Sacher selbst sagt, er sei für die BfP-Kommentare nicht verantwortlich und fügt an die Adresse von Brigitte Loth hinzu: „Jetzt fängt sie mit dem Stil selber an.“ Brigitte Loth will ihren Kommentar dagegen als „Zivilcourage“ verstanden wissen: „Aufstehen und sagen: Jetzt ist es genug.“ Und: „Wer andere über Jahre so wortgewaltig prügelt, muss das aushalten.“

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