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Beim Spiel mit Kohlesteinen müssen Christoph Well (l.) und Michael Well Passendes erzählen.

Well-Brüder in Penzberg: Wenn Kabarettisten rappen

Penzberg - Die beiden Well-Brüder Michael und Christoph ließen sich in Penzberg bei einer Talkshow am Gymnasium löchern - und waren ratlos, als es um „hoe“ und „sry“ ging.

Entspannt sitzen Michael und Christoph Well kurz vor Beginn der Talkshow in ihren Stühlen. Auf dem Tisch vor ihnen: ein Kranz aus Semmeln und Brezn, in dessen Mitte sich verschiedene Wurst- und Käsesorten kunstvoll ineinanderschlingen. Kurz: eine waschechte bayerische Brotzeitplatt’n. „So ham’ ma uns des vorgestellt“, sagt Christoph „Stofferl“ Well, der Jüngere der beiden Brüder mit einem Augenzwinkern. Ein kleines Bier darf da natürlich auch nicht fehlen - das die beiden Koryphäen des bayerischen Musikkabaretts sogleich ihrem Besucher anbieten. „Kumm, hock di her“, sagt Michael Well und rückt den Stuhl neben sich demonstrativ ein Stück nach hinten. Die Well-Brüder – zwei Stars zum Anfassen.

So sympathisch und volksnah wie hinter der Bühne, präsentieren sich die musikalischen Multitalente – sie beherrschen an die zehn verschiedenen Instrumente – auch wenige Minuten später bei ihrem Auftritt in der Penzberger Realschule. Sie geben reichlich Anekdoten zum Besten und schwelgen in Erinnerungen. Etwa von ihren Kindheitserlebnissen und dem Aufwachsen mit 13 Geschwistern in der oberbayerischen Einöde des Dorfes Günzlhofen. „Wir hatten die Angewohnheit immer sehr schnell zu essen“, erinnert sich Michael Well. „Weil derjenige, der als Erstes fertig war, konnte gleich nachschenken.“ Dem Publikum, ein Großteil davon noch im zarten Jugendalter, öffnet sich ein Blick in eine andere Zeit. „Das dreiviertel Jahr sind wir ohne Schuhe und Strümpfe rumgelaufen. Wenn wir dann mal in die Großstadt Penzberg gekommen sind, war das für uns so, als wären wir in der Bronx“, sagt „Stofferl“ Well und grinst schelmisch. Eine Aussage, sinnbildlich für diese besondere Mischung aus Ernst und Ironie, die beide verkörpern, wie wenig andere.

Die Well-Brüder nach Penzberg eingeladen haben Schüler des Gymnasiums im Rahmen ihres P-Seminars. Johanna Völger und Julian Atze leiten die Gesprächsrunde. Ob ihre Gäste den beiden 18-Jährigen zuvor ein Begriff waren? „Für mich war das zunächst schon etwas Neuland“, räumt Völger ein. „Aber ich habe mich in das Thema eingelesen und bin mittlerweile wirklich zum Fan geworden.“ Ein Buch über die legendäre Biermösl-Blosn, das sie sich für Recherche-Zwecke gekauft hat, lässt sie sich signieren. Ihr Moderations-Partner Atze konnte schon vorher etwas mit den Well-Brüdern anfangen. „Als Dorfkind kommen die Namen einem schon mal unter“, sagt der junge Mann aus Kochel am See.

Das zwischen der Generation der Moderatoren und der ihrer Gäste ein gehöriger Unterschied besteht, wird auch auf der Bühne deutlich. Völger und Atze haben einige Dialoge, wie sie in einem WhatsApp-Chat-Verlauf unter Jugendlichen stattfinden könnten, vorbereitet. Michael und Christoph Well sollen sie zunächst vorlesen und dann ins Normal-Deutsche übersetzen. Leichter gesagt, als getan. Bei Begriffen wie „hoe“, „fly“, „fleek“, „gefriendzoned“ oder „sry“, sind die beiden ratlos. „Versteh i ned“, sagt etwa „Stofferl“ ungläubig und schiebt hinterher: „Gibt’s denn wirklich wen, der so red’t?“ Diplomatischer reagiert sein Bruder: „Die Sprache ist eben immer im Wandel. Und hier wird offenbar einiges abgekürzt.“ Antwort „Stofferl“: „Ah stimmt. Die ham’s G8 – dene pressiert’s.“

Wie viel jugendliche Energie trotz etwaiger Sprachbarrieren noch immer in den bald 60-Jährigen steckt, beweisen sie zum Schluss der Gesprächsrunde. Begleitet von Michael Well an der Tuba, verwandelt sich „Stofferl“ urplötzlich in einen Hip-Hoper. Unter johlendem Beifall der Zuhörer rappt er in unnachahmlicher Manier über die Ungerechtigkeit des niedrigen Milchpreises: „40 Cent, 40 Cent, 40 Cent – oder der Müller Milch brennt.

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