Mit Leib und Seele Bäuerin: Maria Lidl arbeitet gern mit den Tieren auf ihrem Hof in Rain bei Penzberg.
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Mit Leib und Seele Bäuerin: Maria Lidl arbeitet gern mit den Tieren auf ihrem Hof in Rain bei Penzberg.

Studie vorgestellt

Bäuerin erklärt, warum ihr Job ein Traumberuf ist

  • Kathrin Brack
    vonKathrin Brack
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Sie sind das Herz der Höfe, Organisationstalente und dabei oft übermäßig mit Arbeit belastet: Was es heißt, Bäuerin in Bayern zu sein, hat die TU München untersucht. Die Studie zeigt, dass Bäuerin für viele ein Traumberuf ist. Aber auch, dass sich die meisten mehr Anerkennung wünschen.

Penzberg/München – Der Sonntag ist Maria Lidl heilig. Weil sie gläubig ist – und weil es der Tag ist, den sie für die Familie frei hält. Auf dem Bartlbauer Hof in Rain bei Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) geben die Tiere und das Wetter den Takt vor. Maria Lidl hat sich bewusst für ein Leben als Bäuerin entschieden. Seit 20 Jahren bewirtschaftet sie mit ihrem Mann Toni den Hof, dafür hat sie ihren Job bei einer Bank aufgegeben. Gemeinsam haben die beiden vier Kinder großgezogen, kümmern sich unter anderem um 50 Milchkühe und bieten Urlaub auf dem Bauernhof an.

Jeder hat seine Aufgaben auf dem Hof, die Kinder und die Schwiegermama helfen mit, der Sohn wird den Betrieb übernehmen. „Die Rollenverteilung zwischen meinem Mann und mir ist noch sehr traditionell“, sagt Lidl. Damit ist das Ehepaar nicht allein, wie eine neue Studie zeigt. Die TU München hat 2019 im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums Bäuerinnen befragt. 2295 Frauen zwischen 18 und 82 Jahren folgten dem Aufruf und beantworteten 79 Fragen zu verschiedenen Lebensbereichen. Auch Maria Lidl hat mitgemacht und gestern online mitverfolgt, zu welchen Ergebnissen die Forscherinnen um Jutta Roosen gekommen sind.

„Die Frauen sind vielfältig in die Betriebe eingebunden und bewältigen ein hohes Arbeitspensum“, fasst Roosen, die an der TUM in Weihenstephan den Lehrstuhl für Marketing und Konsumforschung innehat, zusammen. Neben der Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb, den 50 Prozent der Teilnehmerinnen gemeinsam mit dem Partner führen, fallen Haushalt, Garten, Kinderbetreuung sowie die Pflege von Angehörigen vorrangig in die Zuständigkeit der Frauen.

Viele gaben an, nur wenig Freizeit zu haben – und nur selten Urlaub zu machen. Maria Lidl und ihr Mann fahren einmal im Jahr ein paar Tage weg, außerdem nutzt die vierfache Mutter freie Zeit für Radtouren. Sie sagt: „Ich schätze es sehr, dass man abgesehen von den Stallzeiten eine freie Zeiteinteilung hat.“

Nicht nur die Tätigkeiten der Frauen und die Arbeitsbelastung wurden abgefragt. In der Studie mit dem Titel „Bäuerin sein in Bayern“ ging es unter anderem auch um die Frage, wie zufrieden die Teilnehmerinnen mit ihrem Beruf sind. „Die Frauen identifizieren sich stark mit der Landwirtschaft und ihren Betrieben“, sagt Jutta Roosen. „Gleichzeitig hat die Mehrheit das Gefühl, dass ihnen wenig Anerkennung entgegengebracht wird.“

Auch Maria Lidl gehört zu den 86 Prozent der Befragten, die angegeben haben, dass das Ansehen der Landwirte gesunken sei. „Der Druck von außen wird immer größer“, sagt sie. „Man hat oft das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen.“ Sie kommt auch durch die Urlauber auf dem Bartlbauer Hof mit Verbrauchern in Berührung. „Viele verstehen dann schon, warum wir tun, was wir tun.“

Dass die Bäuerinnen das Image der Landwirtschaft für schlecht halten, bewegt auch Ministerin Michaela Kaniber (CSU). „Ich möchte die Landwirtschaft selbstbewusst darstellen“, sagt sie. Laut der Ministerin finde auch die Pandemie noch keine Berücksichtigung. Die vergangenen Monate hätten aber bei den Verbrauchern für ein Umdenken gesorgt. Und dafür, dass regionale Waren und ihre Erzeuger wieder wertgeschätzt werden. Kaniber ist überzeugt: „Für die meisten ist Bäuerin ein Traumberuf.“

Maria Lidl bereut ihre Entscheidung für die Landwirtschaft nicht. Obwohl die Arbeit anstrengend ist und Angriffe auf die Bauern Kraft kosten und mürbe machen. „Ich hab immer geschätzt, wie gut sich dieser Beruf mit der Familie vereinbaren lässt“, sagt sie. „Ich bin Bäuerin, und das bin ich gern.“

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