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„Der Vernünftige hat durchgehalten, der Leidenschaftliche hat gelebt“: Das steht auf einem Holzbrett an der Wand hinter Moritz Lorenz. Die Werkstatt in Penzberg ist sein Lieblingsort.

Der 36-Jährige arbeitet in Penzberg an seinem Traum

Der Surfer und die Erfolgswelle: Grafikdesigner Moritz Lorenz im Porträt

Penzberg - Was der 36-jährige Moritz Lorenz in der Werkstatt in Penzberg bastelt, was hinter "Jeckybeng" steckt und welchen Traum er hat, lesen Sie hier:

Moritz Lorenz lehnt an einem Holz-Regal in der Werkstatt seines Vaters in Penzberg. Das kleine Zimmer im Keller des Elternhauses ist sein Lieblingsort. „Das Leben ist ein bisschen, wie auf einem Surfbrett zu liegen und auf die Welle zu warten“, sagt er. „Man sollte auf seinem Board die Kontrolle bewahren, darf aber schon auch mal nach links und nach rechts paddeln und sich ein bisschen frei machen.“ Auch etwas Durchhaltevermögen sollte dabei vorhanden sein – „und das hat mir manchmal gefehlt“, gesteht er. Der 36-Jährige ist in München geboren und in Huglfing und Penzberg aufgewachsen. Er hat beruflich viel rumprobiert, wollte sich aber nie so richtig festlegen. Er führt eine intakte Beziehung, hat eine eineinhalb Jahre junge Tochter und Freunde auf der ganzen Welt. Eigentlich genug Gründe, um bis in die Zehenspitzen glücklich zu sein. Wäre da nicht der Traum, mit einem eigenen Geschäft den Lebensunterhalt zu verdienen. Der ist noch nicht wahr geworden. Aber Moritz arbeitet daran – mit einem kleinen Betrieb, der vor allem Werkzeug für Surfer produziert. Er ist einer der vielen jungen Menschen, die der Bayerische Rundfunk auf der Internetseite „bavarianmakers.de“ vorstellt. Alles kreative Persönlichkeiten, die aus coolen Ideen ein kleines Geschäft entwickelt haben.

Der Name "Jeckybeng" entstand in Indien

Moritz hält ein Holzstück in den Händen. Es ist ein „Surftool“, ein Werkzeug für Wellenreiter. Mit dessen gezackter Seite lässt sich das Wachs auf einem Surfbrett aufrauen, damit die Füße einen besseren Halt haben. Es ist eines von mehreren Werkzeugen, die er in der Werkstatt in Penzberg sägt, klebt, schleift und mit seinem Logo „Jeckybeng“ verziert. „Große Schränke bauen ist nicht so meins, aber mit den Händen an so kleinen Dingen arbeiten, ist einfach schön.“ Und dabei legt der Grafikdesigner auch großen Wert auf Nachhaltigkeit. Er recherchierte so lange im Internet, bis er einen Kleber fand, der so umweltverträglich wie möglich ist, aber trotzdem hält. Seine Produkte bastelt er aus Holzresten und kaputten Skateboards. „Jeckybeng“, seine Marke, ist ein Fantasiename. Als Moritz 2008 auf einer Weltreise in Indien jemanden nach dem Weg fragte, dachte er, „Jeckybeng“ verstanden zu haben, aber ein Ort oder eine Straße mit diesem Namen existierten nicht. „Da wusste ich, den Namen will ich haben.“ Er steht nun auf seinen Produkten.

Die Lust auf Abenteuer wecken

Moritz reiste damals zehn Monate lang quer über den Globus. Er stellte sich die Aufgabe, in jedem Land einen inspirierenden Menschen zu interviewen. Personen, die erzählen, was sie im Leben antreibt. Aus den steckbriefähnlichen Interviews entstand im Internet sein „Jeckybeng“- Blog. Auch die Fotos und Videos, die Moritz macht, wecken die Lust auf Abenteuer. Und genau das will er erreichen. „Die Leute sollten viel mehr rausgehen, weniger vorm Fernseher abhängen oder vor dem Smartphone. Klar, ich brauche das Internet auch ab und zu für meine Arbeit, aber letztendlich erlebst du dort nichts.“ Als Surfer ist Moritz am liebsten am Meer. Zum Beispiel an den Stränden im australischen Sydney oder dem indonesischen Bali. „Aber es muss nicht immer das Meer sein. Irgendwann habe ich begriffen, dass es auch hier bei den Bergen wunderschön ist.“ Auch die Osterseen stehen auf Moritz’ Liste mit seinen Lieblingsorten im Landkreis. Wenn es einen Ort gibt, an den er bestimmt nicht mehr zurück will, ist es das Klassenzimmer. „In der Grundschule habe ich immer nur gemalt. Schule war schlimm“, erinnert er sich. Lernen, unter Leistungsdruck stehen – er sah keinen Sinn darin, er wusste ja auch schon früh, dass er später etwas mit Design machen wollte.

Ein "Allrounder-Dasein"

Nachdem er ein Internat besucht und die zehnte Klasse auf dem Gymnasium wiederholt hatte, schloss er schließlich auf der Realschule mit der mittleren Reife ab. Unter dem dunklen Bart verzieht sich sein Mund zu einem Lächeln. „Da war ich schon mal froh.“ Was dann folgte, waren Minijobs, Zivildienst und noch vor der Weltreise ein Studium an der „Akademie U5“ in München, wo er sein Diplom in Grafikdesign erhielt. 2011 ging Moritz nach Österreich und arbeitete dort als „Art Director“. Er blieb aber nicht lange, ein Jahr später besuchte er seine Schwester in Nürnberg und lernte dort seine heutige Freundin Marie kennen. Mit ihr und Tochter Rubi lebt er jetzt Nürnberg. Moritz hangelte sich danach von einem Job zum nächsten und nahm zwischendurch kleine Aufträge an. Zum Beispiel gestaltete er Logos für verschiedene Firmen. Die Festanstellung, die er später bei einem Fashionlabel von einem Kumpel erhielt, beendete er im August. „Weil wir bei den Produkten leider von dem abgekommen sind, was ursprünglich der Plan war. Das war irgendwann nicht mehr ich.“ Deshalb konzentriert sich Moritz jetzt wieder auf das „Allrounder-Dasein“ als „Jeckybeng“. Er hofft, als Handwerker, Grafikdesigner, Fotograf und Blogger in Zukunft noch mehr Aufträge von Firmen zu bekommen. Denn das ist, was ihm Spaß macht. Vielleicht gelingt es ihm, sein Surfbrett in die richtige Richtung zu lenken, auf die Füße zu springen und auf der beruflichen Erfolgswelle zu surfen...

Von Luca von Prittwitz

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