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Bernhard Holz: Gedanken zur Fastenzeit.   

aktuelles interview zur fastenzeit

Inneren Kompass neu justieren

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Penzberg - Es ist Fastenzeit. Penzbergs Pfarrer Bernhard Holz spricht über ihren Sinn, Verzicht und Facebook.

Fasten. Für viele bedeutet der Begriff, weniger zu essen. Die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern geht aber weit darüber hinaus. Der katholische Pfarrer Bernhard Holz aus Penzberg spricht von einer Vorbereitung auf das Osterfest, aber auch von einer Zeit, in der man wieder bewusster leben und öfter inne halten sollte. Unsere Zeitung sprach mit dem Pfarrer auch darüber, worauf er selbst verzichtet.


Was haben Sie sich persönlich für die Fastenzeit vorgenommen?

Ich habe mich von Aschermittwoch bis Ostern auf Facebook verabschiedet. Ich bin zwar nicht sehr aktiv auf Facebook, aber es ist ein ziemlicher Zeitfresser. Ich möchte mir zusätzlich zu meinen bisherigen Gebetszeiten auch mehr Zeit fürs Gebet, für das Sprechen mit Gott, nehmen. Und es haben sich ein paar ungelesene Bücher angesammelt: das neue Buch von Papst Franziskus zum Beispiel. Und ich will mich bewusster ernähren, Süßigkeiten und Alkohol weglassen.


Die Fastenzeit richtet sich also nicht nur auf den Verzicht von Lieblingsspeisen?

Jesus sagt im Matthäus-Evangelium, ihr sollt beten, fasten und Almosen geben. Er sagt auch, dass man es nicht öffentlich zur Schau stellen soll. Es soll im Verborgenen geschehen. Das Fasten beinhaltet mehr als nur die Reduzierung von Nahrung. Es geht um eine geistige Ausrichtung auf Ostern hin, eine Vorbereitung auf das Osterfest. Man kann auch versuchen, wieder regelmäßig zu beten und auf sein Leben zu schauen: Gibt es Dinge, wo ich meinen inneren Kompass neu justieren müsste? Oder gibt es Menschen, zu denen ich länger keinen Kontakt mehr hatte? Die rufe ich mal an oder schreibe einen Brief. Es geht darum, die Zeit wieder bewusst zu nutzen. Die Kirche nennt diese Zeit auch „österliche Bußzeit“. Sie bietet die Gelegenheit zu einer inneren Reinigung, zu einem „seelischen Frühjahrsputz“. Das Beicht- oder Bußsakrament bietet dazu eine gute und hilfreiche Möglichkeit. Es wird auch „Sakrament der Versöhnung“ genannt. Ich soll und darf mich versöhnen – mit Gott und den Mitmenschen.


Man sollte fasten, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren oder?

Unsere Osterbräuche sind ja so, dass wir in der Osternacht Körbe gefüllt mit Fleisch, Eiern, Salz mitbringen, um sie segnen zu lassen. Und nach der Osternacht wird das festliche Ostermahl genossen. Das kann ich nur richtig genießen, wenn ich vorher reduziert habe, wenn es also nicht vorher schon Alltag ist. Es ist die Freude, dass Jesus wieder lebt, diese Freude kommt auch im Kulinarischen zum Ausdruck.


Welchen Stellenwert hat die Fastenzeit in der Gesellschaft heute?

Die Fastenzeit hat immer den Stellenwert, den der Einzelne dieser Zeit beimisst. Es ist in erster Linie aus christlicher Sicht eine Vorbereitungszeit auf Ostern. Auf das höchste Fest der Christen im Laufe des Jahres. Die Frage ist: Wie bereite ich mich darauf vor? Das soll jeder für sich entscheiden, indem er sagt, das ist ein bewusster Verzicht. Wenn jemand nur alle vier Wochen mal ein Glas Wein trinkt, und in der Fastenzeit keinen Alkohol trinkt, das würde ich nicht als großen Verzicht bezeichnen.


Kleidung, Nahrungsmittel, Elektronik: Es mangelt heutzutage kaum an irgendetwas. Lohnt es da noch zu fasten?

Vielleicht gerade darum, weil bei uns alles in Hülle und Fülle vorhanden ist. Das ist eine Gelegenheit, dass ich mir mal Gedanken mache über meine Konsumgewohnheiten. Ich habe zum Beispiel erst gehört, dass für die Herstellung einer Jeans 20 000 Liter Wasser benötigt werden. Oder dass ich mir nicht jedes Jahr ein neues Handy kaufe. Dafür werden Mineralien gebraucht, die in afrikanischen Minen nur von Kindern abgebaut werden.


Und was ist mit Menschen, die zum Beispiel krank sind oder sehr schwer arbeiten?

Es geht darum, bewusst und nach seinen Möglichkeiten zu fasten: Wenn jemand schwer körperlich arbeitet, soll er sich auch vernünftig ernähren. Es kann niemand von ihm verlangen, dass er darunter leiden muss. Es geht eher darum, sich bewusster zu ernähren, zu überlegen, was für Speisen ich zu mir nehme. Wie schaut es da mit der Nachhaltigkeit in der Herstellung aus? Ich könnte schauen, dass sie in der Region hergestellt wurden. Wenn ich nur sage, ich will fasten, um abzunehmen oder um meinem Körper etwas Gutes zu tun, ist das nicht Sinn der Sache.


Welche Gerichte fallen Ihnen denn als typische Fastenmahlzeiten ein?

Im Württembergischen gab es früher am Gründonnerstag Maultaschen, die statt mit Fleisch mit Spinat gefüllt waren. Oder Fastenbrezen, die nicht gelaugt sind. Und natürlich vegetarische Kost und Fisch. 

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