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Ihr Duett zum Auftakt des „Weilheimer Orgelsommers“ war eine musikalische Meditation: Jürgen Geiger (l.) und Johannes Enders am Sonntag auf der Empore der Stadtpfarrkirche. 

weilheimer orgelsommer  

In die Tiefe

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Penzberg -  Es war ein besonderes Konzert. Organist Jürgen Geiger und Saxofonist Johannes Enders ließen die Zuhörer in der Stadtpfarrkirche fast atemlos lauschen.

Wie gut ein Konzert beim Publikum ankommt, das verrät der Applaus. Aber manchmal sagt die Stille noch viel mehr. Und die war geradezu atemberaubend beim Auftakt des „Internationalen Weilheimer Orgelsommers 2016“ am Sonntagabend: Kaum ein Mucks, kein Flüstern, nicht mal ein Hüsteln war während des Konzerts von gut 200 Zuhörern in der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt zu vernehmen. Stattdessen gebanntes, gespanntes, fast atemloses Lauschen auf das Duett von Organist Jürgen Geiger und Saxofonist Johannes Enders auf der Empore.

Dabei spielte der Atem, die Luft ja die alles tragende Rolle bei diesem Konzert. Als Vorsitzender des Förderkreises „Musica Sacra“ verwies Dr. Ulrich Bracker in seiner Begrüßung auf das Verbindende von Orgel und Saxofon – eben die Luft, die in beiden Instrumenten erst den Ton entstehen lässt. „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“, zitierte Bracker Psalm 150 und traf mit dem Mut zur Frömmigkeit genau den Ton dieses Konzerts. Tief spirituell schon Duke Ellingtons „Come Sunday“ zum Auftakt – und doch keinesfalls ein braves Kirchenlied: Da hob die Orgel in ihrem Solo zum Swingen an, und auf der Videoleinwand vor dem Altar konnte man des Organisten beeindruckende Beinarbeit für den so wichtigen Basslauf verfolgen.

Ansonsten aber wollte man an diesem Abend gar nicht so viel schauen: Mit geschlossenen Augen ließ mancher die Klänge noch tiefer in die Seele: etwa Arvo Pärts dreiteiliges „Trivium“, in dem sich Klangflächen und -tupfer zu magischen Melodien fügen. Oder Astor Piazollas traumschönes „Ave Maria“, das über eine Saxofon-Improvisation in Keith Jarrets „Prayer“ überging: Gebete mit den Mitteln des Jazz.

Nicht nur als unerhört gefühlvolle Interpreten erwiesen sich Enders und Geiger in diesem Konzert – mit dem sie ihre gemeinsame, in der Stadtpfarrkirche aufgenommene CD „In Paradisum“ präsentierten –, auch als Komponisten treten sie in Erscheinung. Pure Meditation war schon die Improvisation über zwei gregorianische Choräle, und auch die „ausformulierten“ Kompositionen der beiden Weilheimer zeigten Wirkung: Geigers „Orff meets Monteverdi“ ließ die Triebkraft der „Carmina Burana“ auf die Barockseligkeit der „Marienvesper“ treffen – und endete in einem Orgelsturm. Den beruhigte sogleich Enders’ Sehnsuchtsstück „Seeker“, ein anrührend-tiefsinniger Dialog von Tenorsax und Orgel.

Eine Improvisation über den syrisch-maronitischen Choral „Friede, Liebe und Glaube“ gab der musikalischen Begegnung noch eine weitere, weltumspannende Dimension: Das berührte, das begeisterte, und das zeigte sich nach einem Moment des Atemholens auch im herzlichen Applaus. Eine Zugabe, stehende Ovationen – runder kann der Auftakt einer Konzertreihe nicht gelingen.

Nächstes Konzert

des Orgelsommers: Johannes Skudlik am Sonntag, 12. Juni, 20 Uhr. Info: weilheimer-orgelsommer.de.

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