Der junge Forscher mit seiner Erfindung: An seinem „Bibexxa 2040“ hat Marius Höring (15) monatelang gearbeitet.
+
Der junge Forscher mit seiner Erfindung: An seinem „Bibexxa 2040“ hat Marius Höring (15) monatelang gearbeitet.

Das Gerät mischt Erfrischungsgetränke

Mit sprachgesteuertem Getränkeautomaten: Gymnasiast (15) überzeugt bei „Jugend forscht“

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
    schließen

Mit einem sprachgesteuerten Getränkeautomaten hat der Penzberger Gymnasiast Marius Höring heuer bei „Jugend forscht“ als jüngster Teilnehmer für Aufsehen gesorgt. Auf die Idee für seine Erfindung hat ihn sein Opa gebracht.

Penzberg/Bernried – Die Grundidee zu seiner Erfindung kam Marius, der in Bernried zuhause ist und das Gymnasium in Penzberg besucht, als sein Opa vor einiger Zeit einen Schlaganfall hatte. Seitdem sei seine linke Körperhälfte gelähmt. Seine motorischen Fähigkeiten seien stark eingeschränkt, seine sprachlichen Fähigkeiten aber gut, erzählt Marius. Dem 15-Jährigen entging nicht, wie hilflos sein Opa durch diese Lähmung wurde – nicht einmal etwas zu Trinken könne er sich noch einschenken. „Und da habe ich überlegt, wie ich ihm sein Leben leichter machen könnte“, erinnert sich der junge Wissenschaftler. Wie könnte er seinem Opa mehr Freiheit und mehr Lebensqualität schenken?

Das Ergebnis seiner Überlegungen war ein sprachgesteuerter Getränkeautomat, mit dem er bereits 2020 beim Wettbewerb „Jugend forscht“ in der Sparte „Schüler experimentieren“ für Nachwuchswissenschaftler bis 14 Jahre teilnahm – schon damals mit großem Erfolg. Unter anderem habe er einen „Sonderpreis für eine innovative Arbeit“ erhalten, erinnert sich der Zehntklässler.

Aus Wasser und Sirup entsteht ein Erfrischungsgetränk

In den vergangenen Monaten seit diesem ersten Erfolg hat Marius seine Erfindung weiter verfeinert und seinen Automaten unter anderem durch eine klare Rückmeldung an den Benutzer mittels Sprache und Lichtfarben noch benutzerfreundlicher gemacht. Im Februar dieses Jahres trat der mittlerweile 15-Jährige mit diesem „Bibexxa 2040“ bei „Jugend forscht“ im Regionalwettbewerb für das Voralpenland an. Der Wettbewerb konnte heuer wegen der Pandemie zwar nur online stattfand, erzählt Marius. Er sei dabei der jüngste Teilnehmer gewesen. Unter den rund 60 wissenschaftlichen Projekten belegte sein sprachgesteuerter Getränkeautomat, mit dem man sich aus Wasser und verschiedenen Sirupsorten ein gekühltes Erfrischungsgetränk mischen lassen kann, den zweiten Platz.

Damit habe er sich zwar nicht für den Landeswettbewerb qualifiziert – denn daran dürfen nur die Erstplatzierten teilnehmen. Dass er aber neben seinem zweiten Platz einen „Sonderpreis für eine gute Arbeit aus der Technik“ erhalten hat, macht den Jugendlichen stolz. Und angesichts der Tatsache, dass die meisten seiner Konkurrenten um die 19 oder 20 Jahre alt gewesen seien, sei er mit seinem zweiten Platz im Regionalentscheid auch „sehr zufrieden“.

Von außen betrachtet sieht Marius‘ Erfindung unspektakulär aus: eine vielleicht 50 Zentimeter hohe helle Holzbox mit einer Nische, in die man ein Glas stellen kann. Holz, sagt Marius, sei das ideale Material für einen Prototypen. Doch ein Blick auf die durchsichtige Oberseite offenbart ein Gewirr an Elektronik, das schnell erahnen lässt, dass im Innern raffinierter Erfindergeist zu Gange gewesen sein muss: Da finden sich beispielsweise ein Wasserbehälter und diverse Schläuche, Pumpen zur Beförderung der verschiedenen Sirupsorten, Laser-Lichtschranken zur Kontrolle des Durchflusses, diverse Controler, eine Kühlvorrichtung für wohltemperierte Getränke oder eine Waage, die die Füllmenge überwacht, die via Schläuche ins Glas transportiert wird. Die verschiedenen Sirupflaschen finden ebenfalls in der Box Platz. Die Flüssigkeiten, sagt Marius, mixe sein Automat selbstständig. Gesteuert werde das Gerät über einen „Alexa“-Sprachcontroller, der außerhalb des Automaten stehe.

Sein Automat sei ideal für Menschen mit motorischen Einschränkungen oder mit einer Sehbehinderung, schreibt Marius in seiner 14-seitigen wissenschaftlichen Abhandlung, die er parallel zu seiner praktischen Arbeit beim Wettbewerb vorlegen musste. Der Name „Bibexxa“ sei dabei ein Wortspiel aus dem lateinischen Wort „bibere“ (Deutsch: trinken) und dem Sprachcontroller „Alexa“.

Seinem Opa konnte Marius die Erfindung noch gar nicht präsentieren

Dass es solch einen sprachgesteuerten Getränkeautomaten wie seinen bereits gibt, glaubt Marius nicht. Trotzdem will er seinen Prototypen nicht in Serie produzieren lassen. Seinem Opa, der in einem Pflegeheim lebt, konnte er seine Erfindung noch nicht präsentieren. Wegen der Pandemie habe er ihn schon lange nicht mehr im Heim besuchen können, sagt Marius.

Nun will sich der Schüler auf sein Abitur konzentrieren. Am „Jugend forscht“-Wettbewerb 2022 will er darum nicht teilnehmen. Und nach der Schule? Was Marius beruflich genau werden will, weiß er zwar noch nicht. „Irgendwas mit Technik“ soll es aber schon sein.

Auch interessant

Kommentare