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Juan Pablo Bohorquez (44) betreut im Bürgerheim Erika Popp (85). 

Pilotprojekt der Agentur für Arbeit

Pflege: Die Spanier kommen

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8000 neue Pflegestellen verspricht der Koalitionsvertrag. Da können die Pflegeheimbetreiber im Landkreis nur müde lächeln – Stellen sind das eine, es müssen sich aber auch Bewerber dafür finden. Jetzt sollen Spanier zu Fachkräften ausgebildet werden.

Landkreis – Der Arbeitsmarkt insbesondere für Fachkräfte im Pflegebereich ist wie leergefegt. „Da gibt es seitens der Mitbewerber am Markt keinerlei Ehrgefühl mehr“, sagt Rainer Schlosser, Leiter des Städtischen Bürgerheims in Weilheim und man hört die Frustration. Seine Einrichtung ist in öffentlicher Hand und zahlt nach Tarif.

Andere seien da finanziell flexibler, sagt Schlosser. Er schafft es gerade mal noch eben so, die vorgeschriebene Quote von 50 Prozent Fachkräften zu erfüllen. 35 Fachkräften stehen ebenso viele Pflegehelfer gegenüber. Dabei biete sein Heim viel an, so der Einrichtungsleiter. Einen jährlichen Betriebsausflug zum Beispiel, bei dem die Mitarbeiter auf andere Gedanken kommen können. Letztes Jahr ging es nach Kempten: „Natürlich fahren wir zwei mal, damit wirklich alle in den Genuss des Ausflugs kommen – wir können ja nicht einfach so zusperren“, so Schlosser. Wenn der Arbeitsmarkt nichts hergibt, muss man sich seinen Nachwuchs selbst ausbilden, das ist auch Schlosser klar. Drei Azubis lernen gerade im Städtischen Bürgerheim. Und seit Montag hat die Belegschaft Verstärkung aus Spanien.

Die Agentur für Arbeit in Weilheim hat ein Pilotprojekt angestoßen, um Nachwuchs für den Pflegebereich zu akquirieren. Junge Leute aus Spanien werden zum „Speeddating“ mit Pflegeheimbetreibern aus der Region gebeten.

„Speeddating“ für Pflegekräfte

Da sitzen sie sich dann an einem Tisch gegenüber: Auf der einen Seite die jungen Spanier, die bereits in ihrem Heimatland Deutsch-Intensivkurse besucht haben, auf der anderen Seite ihre künftigen Chefs. Funkt es beiderseits, werden die Verträge unterschrieben.

Auch Schlosser hat sich dort die Mitarbeit von Juan Pablo Bohorquez gesichert. Der hilft seit Montag in der Pflege mit, lernt aber vor allem intensiv die deutsche Sprache. Denn im Herbst soll es ernst werden, dann soll der er seine dreijährige Ausbildung beginnen. In Spanien grassiert seit Jahren die Arbeitslosigkeit, in Deutschland herrscht Pflegekräftemangel – das „Speeddating“ der Arbeitsagentur könnte dadurch leicht zur Erfolgsgeschichte werden.

Auch Bianca Vogeley von der Curata-Seniorenresidenz in Weilheim hat sich bei der Aktion der Agentur reichlich Azubis gesichert: „Bei uns fangen sechs potenzielle Auszubildende an: zwei kommen aus Tschechien, vier aus Spanien“, berichtet sie. Bleiben alle, hätte sie ab September dann wieder acht Azubis.

Und die werden dringend benötigt, denn auf dem Arbeitsmarkt gehe gar nichts mehr, sagt Bianca Vogeley: „Wir haben mit einem doppelten Anfangsgehalt im ersten Monat geworben – das lockt keinen mehr.“ Die Fachkräfte, die noch theoretisch verfügbar wären, „sind vor allem junge Mütter. Und die können ihre Kinder frühestens um 7.30 Uhr in die Betreuung geben – für uns ist das anderthalb Stunden zu spät“, berichtet die Einrichtungsleiterin. Sie versucht, mit Betriebsfeiern, Grillnachmittagen, ab und an einem Gutschein für Zufriedenheit bei den Mitarbeitern zu sorgen. Wenn einen dann dennoch das Fernweh packt, versucht sie, ihn innerhalb des Curata-Konzerns zu vermitteln: „Wir haben Heime in ganz Deutschland, von Dresden bis Dortmund.“

Nur noch unter Zuhilfenahme von Zeitarbeitsfirmen schafft es derzeit Christian Osterried, die vorgeschriebene Fachkräftequote im von ihm geleiteten Heilig-Geist-Spital in Schongau zu erfüllen: „Es gibt einfach nicht genug Fachkräfte auf dem Markt.“ Als tarifgebundenes Unternehmen sei man finanziell wenig flexibel, „aber 2700 Euro Einstiegsgehalt für eine Fachkraft können sich schon sehen lassen“, so Osterried weiter. Im Heilig-Geist-Spital arbeiten derzeit rund 85 Menschen, davon drei Azubis – zwei Deutsche und eine Griechin. Über das Speeddating-Angebot der Agentur für Arbeit konnte sich Osterried keine Nachwuchskräfte sichern: „Da musste man für die Spanier Wohnraum nachweisen – das konnten wir nicht.“

Osterried wünscht sich einen besseren Stellenschlüssel für die Altenpflege: „Dann würden die Mitarbeiter wieder Zeit zum Durchschnaufen haben, Zeit für das, was den Beruf so schön macht – die Betreuung von älteren Menschen.“

Geld ist nicht alles

Da hätte auch der Leiter des AWO-Seniorenzentrums in Penzberg, Thomas Riedel, sicher nichts dagegen. Allerdings ist er der einzige Chef eines Pflegeheimes, den die Heimatzeitung im Rahmen der Recherche anrief, der nicht klagt: „Ich habe genug Leute, liegen weit über der 50-Prozent-Quote für Fachkräfte“, sagt er. Das sei vor einem Jahr, als er seine Stelle in Penzberg antrat, noch ganz anders gewesen: „Damals waren wir auch auf die Unterstützung von Zeitarbeitsfirmen angewiesen.“ Doch seitdem „konnte ich gut akquirieren – wie genau, bleibt aber mein Betriebsgeheimnis.“ Es habe aber viel damit zu tun, auf die Wünsche der Mitarbeiter einzugehen, tolerant zu sein: „Die Kohle ist nicht alles.“

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