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Große Stimme für die Menschlichkeit: Pippo Pollina (r.) mit dem „Palermo Acoustic Quintet“ in Peißenberg. 

Pippo Pollina in der Tiefstollenhalle

Von Italo-Schlagern meilenweit entfernt

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Pippo Pollina  bot in Peißenberg ein berührendes und begeisterndes Konzert.  Dazu war es noch hoch politisch.

Peißenberg – Sie klingen nach Süden, nach „mare“, nach süßer Melancholie oder purer Lebensfreude, die Lieder des italienischen „cantautore“ Pippo Pollina. Doch von Italo-Schlagern sind sie meilenweit entfernt. Pollinas zauberhafte Melodien zwischen Folk, Pop, Jazz und lateinamerikanischen Einflüssen nehmen den ehrlichen Weg in die Seele – und gehen auch textlich tief.

Geradezu nachdenklich begann der 53-Jährige sein Konzert am Sonntagabend in der ausverkauften Tiefstollenhalle. Zwischen den ersten Liedern konstatierte der gebürtige Sizilianer, der als Wahl-Zürcher hervorragend Deutsch spricht, ein „Versagen“ der europäischen Politik: Die spreche „immer mehr mit den Wörtern der Wirtschaft“, wo sie doch eigentlich Werte vermitteln müsse: „Es wird Zeit“, so Pollina, „dass die Kunst sich wieder mal einmischt, ihre Stimme hören lässt“.

Und er selbst fängt schon mal an, wie fast 600 Zuhörer in Peißenberg erlebten. Großes Thema seines neuen Albums „Il sole che verrà“ („Die Sonne, die wieder kommt“) ist die Hoffnung. Womit der engagierte Liedermacher freilich kein passives Abwarten meint: „Man muss die Hoffnung ernähren!“ – und eben das tat Pippo Pollina an diesem Abend zweieinhalb Stunden lang voller Leidenschaft.

So „handgemacht“ er mit dem „Palermo Acoustic Quintet“ musizierte (mit viel Kontrabass, Piano und Akustikgitarre, mit Sopransaxofon, Akkordeon und gefühlvoller Percussion), so hilfreich war dabei gezielter Technik-Einsatz. Mal wurden Liedtexte in deutscher Übersetzung eingeblendet, mal Filmsequenzen: Seiner wundervollen Muhammad- Ali-Hommage „A mani basse“ ließ Pollina Aufnahmen des Boxers vorausgehen – nicht harte Fäuste, sondern starke Sätze zu dessen (hoch bestrafter) Wehrdienstverweigerung in Zeiten des Vietnamkrieges. Ach, würden sich die Messis und Ronaldos heute solches Ethos leisten, seufzte Pollina: „Sie hätten so viel Einfluss, könnten so viel tun.“

Die Musik und die sehr persönlichen Ansagen des Barden rührten das Publikum merklich an. Mucksmäuschenstill war es, als Pollina sein Lied („nein, mehr als ein Lied – ein Gebet“) erklärte, das von den Fragen eines Kindes auf der Flucht erzählt. Welch beseeltes Schwelgen dann in Hits wie „Camminando“... Und als die vorzüglichen Musiker „Questa nuova realtà“ anstimmten – ursprünglich bekannt als Duett mit Konstantin Wecker –, gab es kein Halten mehr: Da stand, klatschte, tanzte die ganze Halle. Hatte man bei Pollinas italienischen Begleitmusikern bis dahin ein bisschen den Kontakt zum Publikum vermisst, so waren auch diese nun komplett aus dem Häuschen, fegten drei Zugaben lang über die Bühne. Bei „Passa il tempo“ (aus dem „Süden“-Programm mit Schmidbauer & Kälberer) sang Pollina sogar Bairisch. Ganz am Ende dann noch die alte Arbeiter- und Partisanenhymne „Bella Ciao“ – und das Gefühl: Man wird zehren von dieser Feier der Hoffnung.

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