Polizei und Feuerwehr weisen AAP-Vorwurf zurück

Penzberg/Sindelsdorf – Polizei und Feuerwehr weisen die Vorwürfe der „Aktion Antenne Penzberg“ (AAP) zurück, der Behörden-Digitalfunk mit Tetra-Technik wäre gesundheitsgefährdend.

Außerdem könne keine Rede von „Geheimniskrämerei“ beim Ausbau des Netzes sein, für das auch ein vorhandener Mast bei Sindelsdorf aufgerüstet werden soll. Das sagte Gerhard Schusser vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd im Gespräch mit der Heimatzeitung. Er ist zuständig für die Einführung.

„Beim Digitalfunk werden die geltenden Grenzwerte nur bis zu drei Prozent ausgeschöpft“, so Schusser. Zum Vergleich: Bei einem 24-stündigen Aufenthalt in unmittelbarer Nähe eines Digitalfunkmasten sei man weniger Immissionen ausgesetzt als bei einem zehnminütigen Telefonat mit dem Handy.

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AAP: Technik für Behördenfunk gesundheitsschädlich

Die Standorte würden so festgelegt, dass mindestens alle 50 Kilometer eine Basis-Station zur Verfügung steht. Nur so könne eine flächendeckende Versorgung und ein guter Empfang gewährleistet werden, was mehr Sicherheit bedeute. „Eine Gefährdung durch den Digitalfunk ist nicht wissenschaftlich belegt“, sagte der Polizeidirektor. Außerdem dürfe jede Basis-Station erst in Betrieb genommen werden, wenn sie vom TÜV geprüft ist und die Bundesnetzagentur die Einhaltung der Strahlungs-Grenzwerte bestätigt hat.

Wie berichtet, fordern unter anderem AAP und Bund Naturschutz ein BOS-Digitalfunk-Moratorium für Bayern. Der Ausbau soll eingefroren werden, bis die Tauglichkeit und Sicherheit erwiesen ist.

„Es gibt keine Sache, bei der man endgültig ausschließen kann, das sie gesundheitsgefährdend ist“, erklärt hingegen der Polizei-Beamte Schusser. „Bei einem neuen I-Phone verlangt auch niemand, dass es erst einmal geprüft wird.“ Jeder Mensch sei im Haushalt Immissionen ausgesetzt. „Mikrowellen strahlen mit am meisten“, so Schusser. Ein Moratorium würde den Ausbau nur wieder verzögern. Nach ersten Planungen sollte der Digitalfunk schon längst zur Verfügung stehen. Derzeit geht Schusser davon aus, dass die zehn Standorte im Landkreis Weilheim-Schongau, darunter Sindelsdorf, 2014 in Betrieb gehen.

In einer Testphase werden Analogfunk und Digitalfunk parallel laufen. Damit, so Schusser, soll verhindert werden dass das Gleiche wie in München passiert. Dort hatte man nur die neue Technik im Einsatz. Da die noch nicht richtig justiert war, wurde die Testphase abgebrochen.

Der Polizei-Beamte weist auch den Vorwurf der AAP zurück, dass „Geheimniskrämerei“ beim Ausbau des Netzes betrieben werde. Die genauen Standorte würden aus Sicherheitsgründen nicht herausgegeben. Es sei zu befürchten, dass bereits vorhandene Masten wie in Sindelsdorf zerstört würden.

„Beim Innenministerium war die Geheimhaltungsstufe anfangs hoch“, erklärte Rüdiger Sobotta, Kreisbrandrat und ehemaliger Penzberger Feuerwehrkommandant, im Gespräch mit der Heimatzeitung. Es gebe da einen Nachholbedarf bei der Informations-Politik, vor allem mit den betroffenen Gemeinden – wie berichtet, war die Gemeinde Sindelsdorf laut dem dortigen Bürgermeister erst auf Nachfrage von den zuständigen Behörden informiert worden.

Zugleich warb auch Kreisbrandrat Sobotta für die neue Technik: „Der Analog-Funk ist völlig veraltet.“ Die Feuerwehr funke mit einer Technik aus den 50er Jahren. „Es telefoniert ja auch niemand mit so einem alten Telefon“, so Sobotta. Für die Hersteller sei es nicht lukrativ, weshalb es keine Bauteile mehr gäbe.

Kathrin Garbe

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