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„Ich verstehe nichts von Kunst“, sagte Andreas Krahl bei der Veranstaltung zur „Stoa 169“ in Oderding. Es ging ihm bei dem Info-Abend um sachliche Inhalte und er bot sich als Vermittler an.

Info-Abend in Oderding

Umstrittenes Kunstprojekt „Stoa 169“ in Polling: Abgeordneter Krahl schlägt  „Friedensgipfel“ vor

Andreas Krahl hat sein Versprechen eingehalten und bezüglich des umstrittenen Kunstprojekts „Stoa 169“ einen schriftlichen Fragenkatalog bei der bayerischen Staatsregierung eingereicht. Die Antworten präsentierte der Grünen-Landtagsabgeordnete nun bei einer Info-Veranstaltung. Doch deswegen geriet er selbst in die Kritik.

Polling – Der von Künstler Bernd Zimmer an der Ammer bei Polling geplante Bau der Säulenhalle „Stoa 169“ bleibt ein Reizthema. Vor der Info-Veranstaltung am vergangenen Freitag herrschte jedenfalls im Umfeld des Pollinger Gemeinderats großer Unmut. Bürgermeisterin Felicitas Betz und einige Mandatsträger reagierten erbost darüber, dass das Abgeordnetenbüro von Krahl erst einen Tag vorher Einladungen an sie verschickt hatte. Auch war man wenig erfreut darüber, dass Krahl das Oderdinger Dorfgemeinschaftshaus – und damit eine kommunale Einrichtung – als Veranstaltungsort nutzte. Dem Vernehmen nach soll ein Gemeinderat hinter den Kulissen sogar versucht haben, den Infoabend zu verhindern.

Mehr über das Kunstprojekt von Bernd Zimmer aus Polling: „Stoa 169“:Baustart im Oktober?

Die Angst, dass Krahl die Veranstaltung für parteipolitische Zwecke respektive Stimmungsmache gegen „Stoa 169“ nutzen könnte, war offenbar groß. Doch die Aufregung war umsonst. Krahl schlüpfte vor rund 50 Besuchern in die Rolle eines Mediators. Er präsentierte die Inhalte des siebenseitigen Antwortschreibens des zuständigen Staatsministers für Wohnen, Bau und Verkehr, Hans Reichhart, betont sachlich und neutral. „Ich habe gar keine Meinung zu dem Projekt“, erklärte Krahl. Es gehe ihm allein darum, Transparenz in das Verfahren zu bringen und das verloren gegangene Vertrauen in die Politik wiederherzustellen. Die „Einmischung“ als MdL sei gerechtfertigt, weil der „Stoa 169“ respektive deren Stiftung „nicht unerhebliche Mittel“ aus dem bayerischen Kulturfonds zugesprochen worden seien.

870 000 Euro sind für die Säulenhalle an Zuschüssen genehmigt worden. Der Betrag entspricht 24 Prozent der förderfähigen Kosten und 24,6 Prozent des Gesamtfördertopfes. Bis dato ist laut Krahl etwa die Hälfte des Betrags von der „Stoa“-Stiftung abgerufen worden. Die Höhe der Bezuschussung sei zwar ungewöhnlich, „aber rechtlich ist das definitiv in Ordnung“, konstatierte Krahl. Die Entscheidung über die Vergabe der Fördermittel sei zudem von einem „ständig rollierenden Team aus zeitgenössischen Künstlern mit Lehrauftrag“ getroffen worden: „Das ist eine neutrale Instanz. Das hat mich positiv überrascht“, so Krahl.

In Reichharts Antwortschreiben wird auch ausgeführt, dass der Kulturfonds vor allem in den Bau von Ausstellungsräumen investiert, nicht aber in die Errichtung von Kunstwerken. Ein Widerspruch zur Bezuschussung der „Stoa 169“? Nach Meinung Krahls nein: „Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.“ Man müsse da wohl aufs Gesamtprojekt schauen. 

Andreas Krahl: „Der Ober sticht da den Unter“

Als „Signal, das man würdigen sollte“, hob Krahl den Umstand hervor, dass sich die Dokumentation der zeitlichen Abläufe des Verfahrens zur Baugenehmigung in Reichharts Schreiben mit jener bei der gemeindlichen Info-Veranstaltung im April exakt deckt. Dem ministeriellen Antwortbrief ist des Weiteren zu entnehmen, dass die Höhere Naturschutzbehörde nicht in das Verfahren eingebunden war und die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt zur Erkenntnis gelangt sei, „dass Naturschutzrecht dem Vorhaben nicht entgegensteht“ – eine Formulierung, die unter den Besuchern im Dorfgemeinschaftshaus für Widerspruch sorgte. Die Untere Naturschutzbehörde hatte sich nämlich nachweislich gegen die Säulenhalle ausgesprochen. Die Stellungnahme wurde aber im Rahmen eines Abwägungsprozesses durch den damaligen Baujuristen am Landratsamt weniger stark gewichtet. Krahls Kommentar: „Der Ober sticht da den Unter.“

Ein weiterer „Knackpunkt“: In Reichharts Antwortschreiben wird klargestellt, dass die „Stoa 169“ nur als Kunstwerk, nicht aber als Veranstaltungsort genehmigt worden ist. Doch in der jüngsten Gemeinderatssitzung, als es um die Formulierung eines städtebaulichen Vertrags mit der „Stoa“-Stiftung ging, war sehr wohl von „informativen Veranstaltungen“ die Rede. 

Krahls Fazit: An der Baugenehmigung für die „Stoa 169“ sei nicht zu rütteln. Das müssten auch die Kritiker akzeptieren. Im Verfahren sei zwar bezüglich der Transparenz „viel schiefgelaufen“ - aber: „Auch Politiker sind Menschen – und Menschen können Fehler machen.“ Krahls Appell sowohl an die Befürworter als auch an die Kritiker der „Stoa 169“: „Konstruktiv und fair miteinander umgehen!“ Der MdL erklärte sich schließlich bereit, bei einem „Friedensgipfel“ als Vermittler aufzutreten: „Die beiden Parteien müssen aber auf mich zugehen. Dann mache ich das sehr gerne.“

Bernhard Jepsen

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