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Die „Wave“-Säule von Diango Hernandez, die  für das Projekt „STAO 169“ in einer Metallwerkstatt entsteht. 

Initiator Bernd Zimmer über die Änderung der Pläne 

Nur noch 121 Säulen für umstrittenes Kunstprojekt „STOA 169“ bei Polling

  • Bernhard Jepsen
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Gleicher Name, reduzierter Inhalt: Das Kunstprojekt „Stoa 169“, das am Ammer-Flussufer westlich von Polling entsteht, wird nicht – wie ursprünglich geplant – mit 169 Säulen realisiert, sondern nur mit 121 „Exponaten“. Die Planänderung erfolgte laut Ideengeber Bernd Zimmer aus konzeptionellen Gründen.

Polling – Zum Thema „Stoa 169“ trudeln regelmäßig Leserbriefe in der Tagblatt-Redaktion ein. Der jüngste Brief stammt von Heinrich Fischer, der die Frage aufwirft, ob die „STOA 169“ künftig „STOA 121“ heißen wird. Der Peißenberger hat genau hingeschaut und gerechnet. Er hat Pläne studiert und sich auf der Baustelle umgesehen. Und tatsächlich: Die „STOA 169“ wird nicht, wie ursprünglich vorgesehen, 13x13 Säulen unter ihrem Dach vereinen, sondern nur 11x11, also 121. Die Grundfläche der Säulenhalle wird sich damit um 800 Quadratmeter auf 1800 Quadratmeter verringern.

Wie kam es zur Planänderung? „Die Reduzierung der Anzahl der ,STOA 169‘-Säulen hat keinen wirtschaftlichen Hintergrund. Die Finanzierung des Baus und des nachhaltigen Betriebs sind durch die ,STOA 169‘-Stiftung gesichert“, beteuert Zimmer auf Nachfrage in einer schriftlichen Ausführung. Die Reduzierung auf 121 Säulen beruhe ausschließlich auf konzeptionellen Überlegungen.

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Zum Hintergrund: Die Idee für die Säulenhalle hatte Zimmer schon vor 30 Jahren entwickelt. Im Laufe der Zeit mussten die Pläne immer wieder modifiziert werden – allein schon aus faktischen Gründen. So sind Künstler wie John Baldessari, Per Kirkeby und A.R. Penck, die ihr Mitwirken zugesagt hatten, verstorben. Yayoi Kusama, Gerhard Richter oder Richard Serra haben sich wegen ihres fortgeschrittenen Alters entschieden, auf eine Teilnahme an einem Projekt dieser Größenordnung zu verzichten. Zudem gab es Absagen aus konzeptionellen Gründen – so von Performance-Künstlerin Marina Abramovic und Video-Künstler William Kentridge. „,Die STOA 169‘ steht für ein künstlerisches Gesamtkonzept, das von Künstler/-innen aus aller Welt und aus drei Generationen getragen wird. Verschiebungen in dieser Balance erforderten auch Anpassungen“, erklärt Zimmer.

Die ursprünglich ins Auge gefassten Künstler eventuell durch andere Personen oder Arbeiten zu ersetzen, diese Gedankenspiele hat das „STOA 169“-Stiftungskuratorium verworfen. Die festgesetzten Kriterien und Maßstäbe des Gesamtprojekts sollten nicht verwässert werden. Inhaltlich wird sich also nichts verändern. Ein Beispiel: 121 ist wie 169 eine ungerade Zahl, das heißt, die Säulenhalle wird auch in der reduzierten Variante einen geometrischen Mittelpunkt erhalten. Eine explizit herausgestellte Eingangssituation wird es nicht geben. Jeder einzelne Säulenzwischenraum soll nach Zimmers Intention dazu einladen, die Halle zu betreten. Dem Besucher wird also freigestellt, wie respektive von wo aus er sich dem Kunstwerk nähert.

Kuratorium ist gegen Namensänderung des Projekts „STOA 169“

Geeinigt hat man sich im Kuratorium, trotz der Säulenreduktion am ursprünglichen Namen festzuhalten. Zimmer schließt eine spätere Erweiterung auf 169 Säulen nicht aus. Die Baugenehmigung dafür liegt vor, bautechnisch wäre eine Vergrößerung möglich. Zimmer selbst wird die Erweiterung aber wohl nicht mehr anstreben. Er spricht diesbezüglich von einer „Aufgabe für die nächste Generation“.

Zimmer verweist auf den „Grundgedanken“ der „STOA 169“, wonach eine „harmonische Beziehung“ zwischen bildender Kunst und umgebender Natur geschaffen werden soll. Dieser Aspekt habe im Kuratorium auch beim Beschluss zur Reduktion der Säulenzahl eine wichtige Rolle gespielt. Die Verringerung setze „ein Zeichen der Selbstbeschränkung“. Das führt zu einem Nebeneffekt: Der Umfang der Bauarbeiten kann deutlich minimiert werden. „Das Konzept einer weltumfassenden Kunsthalle wird dadurch aber nicht beeinträchtigt“, betont Zimmer.

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