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Das Kloster-Areal als Anziehungspunkt: links der Schweigharthof, wo der Nike-Saal zu besichtigen war.
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2000 Besucher beim „3. Kulturtag Polling“ 

Kultur ist ein Vergnügen

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An die 2000 Besucher von nah und fern erlebten am Samstag den „3. Kulturtag in Polling“. Dass Kultur im Klosterdorf etwas anders klingt als anderswo, das hörten und sahen sie schon beim Eröffnungskonzert.

Polling – Die Stars des Eröffnungskonzerts um 11 Uhr auf dem Kirchplatz hießen „Schlüter“, „Eicher“, „Fendt“ und „MAN“: Zwölf alte Bulldogs aus Polling und Umgebung hatten sich im Halbrund vor der Stiftskirche formiert, in Sonntagstracht und voller Stolz saßen darauf die Fahrer – und ließen die Motoren auf große Gesten von Dirigent und Komponist Sven-Ake Johansson mal im Chor, mal solistisch starten, brummen, aufheulen. Johanssons 20-minütiges „Konzert für 12 Traktoren“, seit 1996 weltweit vierzehnmal zwischen seiner Heimat Schweden, Spanien und dem Kunstfest Weimar aufgeführt, war ein so heiterer wie ernsthafter, so traditionsbeflissener wie modern-versponnener Auftakt des Kulturtags. Und damit steckte er perfekt das Spektrum von Kultur in Polling ab – wo bayerisches Brauchtum ganz selbstverständlich auf urbane Avantgarde, heimische Künstler auf Kunst von Welt treffen.

Ein Künstler von Welt, der oft in Polling weilte, war der Schriftsteller Thomas Mann (1875-1955): Er ist ein Pfund, mit dem das Klosterdorf aufs Angenehmste – weil mit Fachkompete

nz und ohne Übertreibung – wuchert. Der einheimische Germanist Eckhard Zimmermann berichtete den Gästen im „Museum Polling“, dass 13 Besuche des Nobelpreisträgers in Polling belegt seien, erzählte von Manns politischer Entwicklung und seinem großen Altersroman „Doktor Faustus“, in dem Polling „Pfeiffering“ heißt.

Während das Museum die Sonderausstellung dazu noch bis 3. Dezember zeigt, boten Marianne und Hans-Peter Grünebach am Kulturtag einmalige Literatur-Erlebnisse: Im Halbstundentakt ließen ihre „Pollinger G’schichten“ im Prälatensaal des Klosters Thomas, seinen Bruder Viktor und deren Mutter Julia Mann aus Polling berichten (aber auch den Dichter Eduard Mörike und den Maler Carl Spitzweg). Und gleich daneben im Schweigharthof führte Ulrike Gänswein in den Nike-Saal – einen wichtigen Schauplatz aus „Doktor Faustus“.

Was heutige Künstler in Polling schaffen, zeigten der abstrakte Maler Michael Kreuter in der Klostermühle, der Fotograf Peter Schmid und der Maler Jürgen Schütt im Säulenkeller des Bibliotheksaals. Bernd Zimmer, bekannt geworden 1980 als „Junger Wilder“ in Berlin und bald darauf in Polling gelandet, erklärte, wie ihn eine Indienreise vergangenes Jahr zu seiner Serie „Fliegende Steine“ inspirierte: Seine großformatigen Acrylbilder im einstigen Bullenstall des Klosters – heute Galerieraum von Zimmers Kunststiftung – begeisterten hunderte Besucher. So wie einen Hof weiter die weltweit begehrten Mercedes-Flügeltürer, die Hans Kleissls Firma „HK-Engineering“ exklusiv in Polling restauriert.

Ob bei Führungen im Bibliotheksaal, in der Stiftskirche oder im „Steinbruch Lindner“, ob im Molkerei-Museum, bei den Klosterweinen im historischen Ratskeller oder bei den „Ammerberglern“, die im Trachtenheim neben Tänzen auch altbayerische Kinderspiele und Handwerkliches (Hosenträger sticken, Strümpfe stricken) zeigten: Überall herrschte an diesem Kulturtag offene, freudige, positive Stimmung. Welch herrliches Gewusel allein in und um „Minis Raritätenstadl“ – nicht nur bei „Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater“, sondern auch bei den gewitzten Führungen von Dominikus Weiß jun. durch die Berge antiker Gerätschaften.

Wie viele Neugierige die 15 Stationen des 3. Kulturtags insgesamt besuchten, lässt sich nur schätzen: Mit „1500 bis 2000 Besucher“ greift Kulturreferent Michael Jarnach gewiss nicht zu hoch. Exakt 441 zählte er allein im Fischerbau, wo eine monumentale Lichtskulptur des New Yorker Künstlers Dan Flavin magisch leuchtete. Bezüglich des Programms und der Resonanz berichtete Jarnach gestern von „einhelliger Begeisterung“. Ob es in zwei Jahren einen „4. Kulturtag in Polling“ gebe, das sei noch nicht entschieden. „Aber die Begeisterung war so groß, dass wir das wohl gar nicht aufhören dürfen“.

Musikalisch klang Polling am Samstag mal nach „Minimal Music“ (beim Licht- und Klangkunstwerk im Regenbogenstadl), mal nach Cello und Gitarre (Wandelkonzerte der „Pollinger Tage für Alte und Neue Musik“), mal nach feiner Blasmusik, und der Nachwuchs des Musikvereins schmetterte beim Standkonzert auch „We will rock you“. Große Bögen spannte auch das bestens besuchte Abschlusskonzert in der Stiftskirche: Die Pollinger Sopranistin Andrea Jarnach (30) und Organistin Irmtraud Tarr ließen Händels Klassik auf Philip Glass’ Moderne treffen. Die mit langem Beifall bekundete Forderung nach Zugabe galt für die Musikerinnen – und den gesamten Kulturtag.

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